Konzertberichte

Paul Smith and the Intimations + Devon Sproule, Gebäude 9, Köln, 13. September 2015

Fast genau fünf Jahre ist es her, dass Maxïmo Park Frontmann Paul Smith seinen ersten Solostreich „Margins“ veröffentlichte. Es folgte eine kleine Europa-Tour mit seiner Live-Band „The Intimations“, bestehend aus Rachel Lancaster von Silver Fox, Andrew Hodson von Warm Digits und Clair Adams. Direkt im Anschluss widmete er sich wieder Maxïmo Park, mit denen er zwei weitere Alben veröffentlichte und die diesen Winter zum zehnjährigen Jubiläum ihres Debüts „A Certain Trigger“ einige Sonderkonzerte geben, bei denen sie nur Songs des Debüts und einige B-Seiten spielen werden. Nebenbei arbeitete er aber auch immer wieder an Solomaterial, das er teils auf dem Konzept-Album „Frozen By Sight“ mit Peter Brewis von Field Music veröffentlichte und teils auf dem neuen Album „Contradictions“ verarbeitete. Da es sich für ihn jedoch mehr noch, als bei „Margins“ nach einem Band-Album anfühlte und sich die Besetzung seiner Band seitdem auch nicht geändert hat, wurde es kurzerhand als Paul Smith and the Intimations veröffentlicht. Und einige Wochen, bevor die erwähnte Jubiläumstour mit Maxïmo Park ansteht, hat er sich nun auch mit The Intimations auf eine kleine Europa-Tour begeben.

Live gab es jedoch eine kleine Besetzungsänderung der Band. Statt Rachel Lancaster übernahm nämlich Paul Rafferty von Hot Club De Paris, der mittlerweile auch Bassist bei Maxïmo Park ist, den Platz an der Gitarre. Doch bevor die beiden Pauls und der Rest der Intimations die Bühne im Gebäude 9 in Köln betraten, war erst noch Tour-Support Devon Sproule an der Reihe. Die begann ihr vierzigminütiges Set zunächst recht kurzweilig mit einem Marilyn Monroe Cover, in der Folge gestaltete sich das Set dann leider weniger unterhaltsam. Schnell fiel auf, wie beliebig und austauschbar ihre ruhigen, nur von ihrer Akustikgitarre instrumentierten Songs sind. Langwierige Ansagen zwischen den Songs, bei denen sie nicht auf den Punkt kam und Lyrics wie aus dem Poesiealbum, gestalteten die vierzig Minuten nicht unbedingt zum Konzerthighlight des Jahres.

Nach Devon Sproule folgte nur eine kleine Umbaupause, in der das Mikro gewechselt und die Setlists bereit gelegt wurden. So konnte der Auftritt von Paul Smith and the Intimations dann auch pünktlich, in einem etwas mehr als halb vollen Gebäude 9, beginnen. Der Beginn des Sets mit dem Album-Opener „The Deep End“ war perfekt gewählt. Der flotte Song machte direkt Laune und lud zum ausgelassenen mitwippen ein. Die große Spielfreude von Paul Smith (der solo nicht von einer Ecke der Bühne in die andere stürmt, sondern etwas bewegungsärmer mit Gitarre am Mikro steht) und seiner Band beflügelte die gute Laune zusätzlich.

Auch die drei folgenden Stücke waren von „Contradictions“ und in der Liveversion noch ein wenig schneller und eine Spur rauer. Ein deutlicher Unterschied zum letzten Auftritt von Paul Smith im Gebäude 9, als er „Margins“ in ruhiger Atmosphäre und in berührender Weise vorstellte. Da „Contradictions“ auch relativ frisch veröffentlicht ist, stellte das Album auch den Großteil des Abends dar und so spielte die Band bis auf „The Mezzanine Floor“ auch jeden Song des Albums.

Unterbrochen nur von ein paar Stücken von „Margins“ und kleinen Anekdoten und Ansagen von Paul, der an diesem Abend besonders gut aufgelegt schien. Neben den ein oder anderen Witzchen, mit denen er die Zeiten überbrückte, in denen er seine Gitarre nachstimmte, erzählte er auch immer wieder, wie gern er in Deutschland ist.

Natürlich nicht, ohne sich auch wie bei Konzerten von Maxïmo Park dafür zu entschuldigen, dass sein Deutsch immer noch nicht besser sei, weshalb er auf Englisch spricht. Wie gut sein Deutsch in der Zwischenzeit aber dennoch geworden war, zeigte er etwa in der Mitte des Sets dann bei „People On Sunday“. Den Song, der vom 1930er Klassiker „Menschen am Sonntag“ inspiriert ist, hat er kürzlich für Musikexpress komplett auf Deutsch eingesungen und so gab er ihn auch in Köln auf Deutsch zum besten. Die Stimmung war natürlich auf dem Höhepunkt und der Vortrag gelang Paul bis auf einen Texthänger, bei er neu einsteigen musste, fast komplett fehlerlos.

Aber nicht nur nach „People On Sunday“, sondern nach jedem Song, war der Applaus sehr groß, weshalb Paul Smith vor Ende des regulären Sets kurz andeutete, dass er und die Band sehr gern zurück auf die Bühne kämen. Dem kamen die Besucher gerne nach und so betrat Paul recht schnell wieder die Bühne, um „While You’re In The Bath“ allein mit seiner E-Gitarre vorzutragen. Für den anschließenden Maxïmo Park Song „I Haven’t Seen Her In Ages“ kam wieder die ganze Band auf die Bühne und lieferte ein tolles Finale für einen mehr als unterhaltsamen Abend mit Paul Smith and the Intimations.

Setlist:

1. The Deep End
2. Reintroducing The Red Kite
3. Fluid Identity
4. Coney Island (4th July)
5. North Atlantic Drift
6. Dare Not Dive
7. Before The Perspiration Falls
8. All The Things You’d Like To Be
9. I Should Never Know
10. People On Sunday (auf Deutsch)
11. Quick
12. Our Lady Of Lourdes
13. Break Me Down
14. The Golden Glint
15. Fill In The Blanks

16. While You’re In The Bath (solo)
17. I Haven’t Seen Her In Ages (Maxïmo Park)

Paul Smith and the Intimations auf Deutschland-Tour

17. September 2015, München – Strom
18. September 2015, Berlin – Bi Nuu
19. September 2015, Hamburg – Molotow

Support bei allen Terminen: Devon Sproule

Fotos: Ariane WhiteTapes

Interview zu „Margins“ // Facebook // Website

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