Konzertberichte

Patrick Wolf, Le Botanique, Brüssel, 01. April 2011

Foto: Ariane WhiteTapes

Zwei Jahre nach seinem vierten Album „The Bachelor“ veröffentlicht das inzwischen 27 Jahre alte Pop-Wunderkind Patrick Wolf am 17. Juni endlich sein fünftes Album „Lupercalia“. Ursprünglich war das als zweiter Teil des Doppelalbums „The Battle“ unter dem Namen „The Conquerer“ geplant, aber seitdem ist viel Wasser die Themse runter geflossen und Patrick hat lieber aktuellere Erlebnisse in neuem Material verarbeitet. Unsere Vorfreude hält sich jedenfalls kaum in Grenzen, insbesondere da die beiden Vorabsingles „Time Of My Life“ und „The City“ ein wahres Popfeuerwerk versprechen.

Da war ein Besuch eines der Konzerte im Vorfeld des Albumreleases natürlich wieder Pflicht für uns und da die Konzertreise Patrick Wolf auch ins Botanique führte, nahmen wir am 1. April Kurs auf den Hauptsitz der Europäischen Union. Und bereits einige Zeit vor Einlass war dort im kleinen botanischen Garten mitten in der Brüsseler City die Vorfreude auf den jungen Briten groß und bei Einlass herrschte bereits großer Andrang. Das bedeutete auch schon volle Hütte beim Support Rowdy Superst*ar. Zusammen mit seinen beiden Background-Tänzerinnen The Hype Girls legte der Londoner eine abgedrehte Liveshow hin, die seine Mischung aus Elektro und Hip Hop in den ca. 30 Minuten der Show zumindest ein wenig erträglich machten. Insbesondere bei seiner in Kürze erscheinenden Single „Get Ur Shizzit Riiiiight“ brachte er das Botanique zumindest kurzzeitig zum köcheln.

Die folgende Umbaupause war im Anschluss angenehm kurz und so stand Patrick Wolf relativ früh auf der Bühne. Neu in seiner Band war eine junge Dame, die sich für verschiedene Blasinstrumente, Saxophon und Clarinette, verantwortlich zeigte. Zu Patrick’s Instrumentenfundus war auch noch eine Harfe hinzugekommen. Nach einem kurzen Intro ging die Band direkt in das neue „Time Of My Life“ vom im Juni erscheinenden „Lupercalia“ über. Die Stimmung war gleich gut, auch wenn das Brüsseler Publikum seine Freude eher auf Lächeln und sanftes Mitwippen beschränke. Ausgelassenes Tanzen, wie man es vom deutschen Publikum gewöhnt wäre, gab es hier nicht.

Patrick Wolf selbst wirkte in seinem roten Anzug mitsamt passenden roten Schuhen und Halstuch ähnlich beschwingt und gut gelaunt wie auch schon bei seiner letzten Deutschland-Tour. Auch wenn ihm gleich während des ersten Stücks die Stimme kurz wegbrach und er nach hinten signalisierte, dass da wohl etwas mit Hals, Kehlkopf oder Stimmbändern nicht stimmte, gab er dennoch alles. Allerdings wies die folgende Setlist darauf hin, dass er angeschlagen von einer leichten Erkältung seine Stimme ein wenig schonen wollte. Stücke, wie „Tristan“, bei denen er auch einmal richtig schreien müsste, ließ er aus. Dennoch war die Setlist gespickt mit tollem Material. Etwa mit dem großartigen „Bluebells“, das auch in seiner Live-Umsetzung einer der besten Songs aus dem reichhaltigen Repertoire von Patrick Wolf ist. Auffällig war auch, dass er viel von der Schwere, die seine Stücke vor nicht allzu langer Zeit noch prägten, abgefallen zu sein scheint. Das machte sich zum Beispiel bei „Who Will“, der wohl fesselndsten Ballade von „The Bachelor“ bemerkbar. Mit Beats angereichert und deutlich höherem Tempo lud das Stück sogar beinahe zum tanzen ein.

Foto: Stephanie Häupl

Besonderes Augenmerk lag an diesem Abend aber für uns natürlich auf dem neuen Material von „Lupercalia“. Davon fanden gleich sechs Songs ihren Weg in die Setlist und fügten sich sehr harmonisch in die beschwingte Stimmung des Abends ein. Die traurigen Tage von „The Bachelor“ scheinen somit vorbei zu sein und einer positiveren Grundstimmung gewichen zu sein. Die Vorfreude auf „Lupercalia“ ist jetzt jedenfalls nochmal um einiges gewachsen.

Ein weiteres Highlight des Abends war auch das Joni Mitchell Cover „Slouching Towards Bethlehem“, bei dem sich Patrick Wolf seine Singer-Songwriter Seite wieder durchscheinen ließ, die ihn auf „Lycanthropy“ und „Wind in the Wires“ auszeichnete. Ein Moment, der einen schönen Gegensatz zu den sehr poppigen Stücken bildete. Mit seinem wohl größten Pophit „The Magic Position“ verabschiedete sich der Londoner dann nach etwas mehr als einer Stunde von der Bühne, um aber schon nach kurzer Pause und einem von der Band allein gespielten Remix von „Hard Times“ für das Finale mit der im Mai erscheinenden Single „The City“ ein letztes Mal zurück zu kehren. In einer tollen Performance hängte er sich noch einmal richtig rein und verabschiedete sich dann artig bei Brüssel. Im Anschluss schien offensichtlich noch Uneinigkeit zwischen Soundtechniker und Bühnentechniker, ob die Band nicht doch noch für eine Zugabe auf die Bühne zurück kehrt. Patrick’s Stimme war dann wohl der Grund, es bei der Zugabe mit „The City“ zu belassen.

Das nahm ihm aber niemand übel und so sah man nur glückliche Gesichter beim verlassen des botanischen Gartens im Brüsseler Stadtzentrum. Kann nicht schon Juni sein?

Foto 1: Ariane WhiteTapes
Alle anderen Fotos: Stephanie Häupl

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