Konzertberichte

Patrick Wolf – Christuskirche, Bochum, 13. Dezember 2013

Patrick Wolf

Ziemlich ruhig war es um Patrick Wolf seit Sundark and Riverlight und der dazugehörigen Akustiktour geworden. So kam die Ankündigung, zum Anlass der „A night of winter“-Tour auch zwei Konzerte in Deutschland zu spielen, nämlich in Berlin und Bochum, doch recht unerwartet.

Nur gefühlte kurze Zeit später saß man auch schon auf einer Kirchenbank in der Christuskirche in Bochum und schaute erwartungsvoll auf die Bühne. Diese war mit Keyboard, Harfe und einer Akustikgitarre nur spärlich ausgestattet. Das lies darauf schließen, dass man sich die 90-minütige Wartezeit nach dem Einlass so gemütlich sitzend ohne Support vertreiben konnte.

Gegen 20:30 Uhr betrat Patrick, gefolgt von seiner Violinistin Victoria Sutherland, die auch 2009 bei der Tour zu The Bachelor schon dabei war, und Akkordeonspieler „Accordion Will“ die Bühne. Auf den ersten Blick ist man doch immer wieder von seiner Größe überrascht, macht er auf Fotos öfter mal einen eher zierlichen Eindruck. Mit seinem roten Wollpulli, auf dem ein Nussknacker zu sehen war, sorgte er auch gleich für die passende weihnachtliche Stimmung im Raum.

Auch, wenn Patrick ohne große Worte direkt mit einem ruhigen Song am Keyboard loslegte, merkte man, dass seine Stimmung ziemlich gut war. Das ist ja keine Selbstverständlichkeit, vor allem wenn man an das c/o Pop Festival in Köln vor ein paar Jahren zurückdenkt. Die Auswahl an Songs war anders als beim Konzert in Berlin am Tag zuvor, wie das für Patrick so üblich ist und jedes Konzert irgendwie unberechenbar und einzigartig macht. Von den ca. 15 Songs waren größtenteils Stücke von Lycantrophy und Lupercalia vertreten, aber auch die anderen drei Alben wurden berücksichtigt, so dass eine gute Mischung entstand.

Patrick Wolf

Mehrere „Zwischenfälle“ haben den Abend sehr unterhaltsam gemacht, dazu gehörte beispielsweise eine Frau aus dem Publikum, die Patrick nach ein paar Songs einen kleinen Weihnachtsbaum überreichte. Über diesen schien er sich sehr gefreut zu haben, da seine Wohnung in London sehr klein sei und er dort nicht wirklich Platz habe. Auffällig waren auch die prüfenden Blicke, die die beiden anderen Musiker Patrick regelmäßig zugeworfen haben. So ist es doch recht amüsant zu sehen, dass immer noch der alte Perfektionist in ihm steckt. Den Song House kündigte er mit den Worten an, dass es einige im Publikum hoffentlich freut, den Song zu hören, ihn selbst würde er eher traurig stimmen. Nach dem ersten Chorus unterbricht er auch prompt, um darum zu bitten, seinen Ton etwas lauter zu stellen. Auch das ständige Stimmen der Instrumente bis zur Perfektion bringt das Publikum immer wieder zum Lachen. Selbst darauf reagiert er humorvoll, zum Beispiel mit gespielt empörter Miene und der Antwort „There’s nothing funny about what I do“.

Patrick Wolf war sehr bemüht, den Abend vielfältig zu gestalten. Eine Coverversion von Joni Mitchells River folgte nach vier eigenen Songs und im Laufe des Abends trug er sogar ein Gedicht von dem 2008 verstorbenen Dichter Stephen Vickery vor. Darauf konnte kein anderer Song als The Sun Is Often Out folgen, der nach der gleichnamigen Sammlung von Gedichten des Künstlers benannt ist.

Patrick Wolf

Vor fast jedem neuem Stück nahm er sich die Zeit, um etwas zu dem folgenden Song zu sagen oder einfach nur mit dem Publikum zu interagieren. Diese Gesprächigkeit spiegelte sich auch darin wieder, dass Patrick dazu aufforderte, ihn alles Mögliche zu fragen. Spontan kommen einem dann natürlich keine interessanten Fragen in den Sinn, so wurde er dann beispielsweise danach gefragt, wo er den Pullover gekauft hat (den hat ihm Jesus natürlich persönlich überreicht).

Gegen Ende des Abends durfte man Songwünsche äußern, er entschied sich letztlich für Hard Times. Gute 5 Minuten versuchte er, seine Gitarre zu stimmen und verzog leicht angewidert das Gesicht, als er Victoria ein C spielen ließ. So lief es dann darauf aus, auf die Gitarre zu verzichten und Hard Times in einer speziellen Akkordeon-Violinen-Version zu spielen.

Mit Pigeon Song und Bloodbeat in den Zugaben ging dann dieser traumhafte Abend zu Ende. Für die meisten im Publikum war es sicherlich das letzte Konzert im Jahre 2013 und man hätte das Konzertjahr nicht schöner ausklingen lassen können. Patrick Wolf hat einen mit seiner musikalischen Vielfalt einmal mehr überzeugt. Trotzdem wird es so langsam wieder Zeit für eine „richtige“ Tour mit voller Bandbesetzung, Schlagzeug und Co., aber bitte mit mindestens genauso viel Humor und guter Laune.

 

Fotos: Michael Gamon, Sparklingphotos

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