Konzertberichte

Patrick Wolf + Chinawoman, Übel & Gefährlich, Hamburg, 08. November 2011

Als wir am 1. April das letzte Mal das Vergnügen hatten bei einem Auftritt von Patrick Wolf zugegen zu sein (seinerzeit im Brüsseler Botanique), waren die Songs vom nunmehr fünften Patrick Wolf Album „Lupercalia“ noch ganz neu für uns. Man konnte erahnen, dass sich Patrick Wolf ein wenig von der Düsternis des Vorgängers „The Bachelor“ hin zu deutlich helleren, versöhnlicheren Klängen entwickelt hat. Im Interview mit uns erklärte er die Inspiration, die ihm die Liebe zu seinem Ehemann William gegeben hat und wie sich das in seinen Songs niedergeschlagen hat.

Mit dem Release von „Lupercalia“ war diese große Umarmung für die Popmusik und einen für den Künstler ganz besonderen Menschen nicht mehr aus unserer Heavy Rotation wegzudenken und so freuten wir uns natürlich sehr auf die Herbsttournee zum Album. Da sie Patrick nicht nach Nordrhein-Westfalen führte, machten wir uns eben auf in die Hansestadt und harrten kurz vor Einlass in der herbstlichen Kälte vor dem Bunkergebäude, in dem das Übel & Gefährlich seine Heimat hat. Nachdem der Einlass sich mehr als eine halbe stunde hinauszuzögerte, durfte die wartende Menge dann doch irgendwann rein und erklomm die Wendeltreppen zur höchsten Ebene.

Angekommen dauerte es dann nicht mehr lange und mit Chinawoman stand auch schon der Support auf der Bühne. Chinawoman ist das Soloprojekt der russischstämmigen Kanadierin Michelle Gurenvich. Live wurde sie noch von einem Begleitmusiker unterstützt, der Keyboard und Gitarre beisteuerte. Das was Chinawoman auf der Bühne vortrug war elegischer Avantgarde-Pop. Das Set dauerte zwar nur 30 Minuten, Michelle verstand es aber wie keine andere, ihre Songs so in die Länge zu ziehen, dass es einem schon eher vorkam, wie eine Stunde. Musik ruft Gefühle in jedem von uns hervor. Während die eine ob des wirklich anstrengenden und schlecht abgemischten Sets migräneartige Kopfschmerzen bekam, machte sich ein junger Mann weiter hinten Luft und verkündete lauthals „This is shit“. Protest gegenüber dieser Aussage machte sich in den ersten Reihen vor der Bühne breit. Die Sängerin entgegnete charmant, sie sei allein für besagten jungen Mann an diesem Abend nach Hamburg gekommen. Charmant ja, trotzdem schien sie etwas irritiert ab diesem Moment und stimmte dann auch sichtlich verunsichert den letzten Titel an. Avantgarde-Pop ist nicht jedermanns Sache und absolut nichts, was wir nun beurteilen wollen. Tatsache ist, dass sie nach ihrem letzte Song herzlichen und lauten Applaus erntete.

Nach einer kurzen Umbaupause war dann die Bühne frei für Patrick Wolf. Der stürmte um kurz nach zehn Uhr gut gelaunt die Bühne und ließ keinen Zweifel daran, dass ihm nach feiern zu Mute war. Wild hüpfte er beim Opener „Time Of My Life“ über die Bühne und verharrte auch in der Folge nur dann still, wenn er gerade Violine, Ukulele, Piano oder Harfe spielen musste. Sobald seine Hände frei waren löste er das Mikro aus der Halterung und bewegte sich tanzend und stolzierend über die Bühne. Patrick WolfGemeinsam mit seiner Band zog er die Stücke auch mal ein wenig länger und konnte sich selten ein Lächeln verkneifen, wenn das Publikum nach ein paar Noten das jeweils nächste Stück erkannte und Szenenapplaus gab oder gleich mitsang. Mit „Bluebells“ fand sich schon sehr früh im Set ein echtes Highlight und bei diesem sollte es nicht bleiben. Die Setlist hielt jede Menge besondere Leckerbissen bereit. Da gab es etwa noch „Pigeon Song“, „Gypsy King“, „Tristan“ und vor allem das großartige „Get Lost“, das vom gesamtem Publikum freudig aufgenommen wurde.

Das war aber auch bereits ab der ersten Minute Feuer und Flamme und ließ sich direkt von der Spielfreude von Patrick Wolf und seiner Band anstecken. Als Patrick nach „Bermondsey Street“ eine kleine Geschichte zu „The Falcons“ erzählte wurde auch klar, warum er eine solche Energie hatte. Es war nämlich der Geburtstag von William, seinem Lebensgefährten und den wollte er gebührend feiern. So animierte er das Publikum denn auch dazu William ein Ständchen zu singen und das taten die Anwesenden natürlich auch. „Zum Geburtstag viel Glück“ wurde von seiner Geigerin begleitet und mit ähnlich viel Applaus bedacht, als hätte Patrick selbst gesungen. Für die letzten Stücke verausgabte er sich dann noch einmal richtig, besonders bei „Accident & Emergency“ rannte er immer wieder am Bühnenrand auf und ab, reichte seine Hand ins Publikum, küsste die ein oder andere Hand und richtete am Ende das Mikro auf einem Stände Richtung Publikum mit dem Hinweis, dass er erst wieder kommt, wenn der Refrain laut genug wiederschallt.

Irgendwie muss man ja einen Kostümwechsel rumbringen. Nach vollzogenem Kostümwechsel kam Patrick Wolf mit frischem Glitzerhemd zurück, das bestens zum anschließenden Elektro-Pop von „Together“ passte. Das Stück zog die Band zum Abschluss noch einmal auf doppelte Länge, um anschließend die Bühne zu verlassen. Schon nach kurzer Zeit kehrten die Musiker aber für die Zugabe zurück. Auf den Sänger mussten sie aber noch etwas länger warten, der unterzog sich nämlich noch einem letzten Kostümwechsel. Als er endlich kam, trug er ein frisches Hemd, auf dessen Schulter ein ausgestopfter Falke angebracht war. Auf jeden Fall ein interessantes Accessoire. Quasi noch einmal von neuer Kraft beflügelt stürzte er sich mit seiner Band dann auch in die Zugaben und ließ mit „The Magic Position“ und „The City“ noch einmal ein echtes Feuerwerk los. Erschöpft aber glücklich verließen die Besucher anschließend das Übel & Gefährlich und machten sich nach einem Konzert voller Wärme und Herzlichkeit auf in die kalte Nacht der Hansestadt.

Patrick Wolf auf Tour:

18. November, Leipzig, UT Connewitz
22. November, München, Freiheit
23. November, Heidelberg, Karlstorbahnhof

Tickets gibt es bei Karsten JahnkeEventim, oder dem Tickethändler eures Vertrauens.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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