Konzertberichte

Patrick Wolf + Abi Wade, Kulturkirche, Köln, 19. Oktober 2012

Patrick Wolf - Kulturkirche, Köln

10 Jahre nach Veröffentlichung seines Debuts Lycantrophy bringt Patrick Wolf „Sundark and Riverlight“ auf den Markt, ausgewählte Songs aller seiner bisherigen Alben wurden auf dem Doppelalbum akustisch neuinterpretiert.

Anlässlich dieses Albums ging Patrick auf Akustik-Tour, der letzte Halt für Deutschland war in der Kulturkirche Köln. Wie auch in den Städten zuvor war die Location bestuhlt, meistens werden bei Konzerten in der Kulturkirche die Bänke entfernt, doch für diesen Anlass waren sie durchaus passend.

Außerdem ist es dort Tradition, dass der Pfarrer der Kirche die Künstler jedes Mal ankündigt, so auch dieses Mal. Um kurz nach 21h sagte er ein paar Worte zu Abi Wade, dabei verriet er, dass sie ihn schon während der Proben verzaubert habe, und das tat sie auch mit den Zuschauern. Sie betrat die Bühne nur mit ihrem Cello und doch hatte man bei allen ihren Stücken das Gefühl, dass sich neben ihr noch mehrere Personen auf der Bühne befinden. Eine halbe Stunde nur verzückte die Britin das Publikum. Zwischendurch wechselte sie für einen Song an das für Patrick schon bereitstehende Piano. Ihre Stimme war sehr kräftig und doch gleichzeitig sehr weiblich zart und harmonierte sowohl mit dem Piano als auch dem Cello perfekt.

Da Abi Wade neben ihrem Cello nicht viel mehr auf der Bühne gebraucht hat, dauerte die Umbaupause auch nicht zu lange und so ging es nach einer halben Stunde weiter mit dem Hauptact, mit Patrick Wolf.

Gespannt warteten alle darauf, dass das Licht ausgeht und er die Bühne betritt, ist diese Atmosphäre doch eher untypisch für Konzerte. Selten sind die Unterhaltungen so gedämpft und der Location angepasst, es wirkt, als ob die Kirche eine besondere Wirkung auf die Anwesenden hat. Das wurde auch dadurch beeinflusst, dass jeder einen Sitzplatz hatte. Diejenigen, die später kamen oder trotzdem nach vorne wollten, haben sich kurzerhand einfach vorne zwischen den Bankreihen auf den Boden gesetzt.

Patrick Wolf - Kulturkirche, Köln

Als das Licht dann ganz erlosch und Patrick mit zwei seinen Musikern die Bühne betrat, wurde er freudig mit Jubel und Applaus empfangen, doch innerhalb von Sekunden waren alle im Raum so leise, dass man jede Bewegung auf der Bühne hören konnte. Allein diese Stille hat schon Gänsehaut hervorgerufen.

Sein Set begann er mit „Pumkin Soup“ am Piano, fast übergangslos ging es weiter mit House. Es folgten viele weitere Stücke, überwiegend aus seinen ersten drei Alben. Insgesamt spielte er vergleichsweise wenig aus „The Bachelor“ oder „Lupercalia“, jedoch waren die Stücke, die er spielte, eine passende Auswahl, sie reihten sich gut in die anderen Songs des Abends ein. Dazu gehörten „Armistice“ oder „Thickets“, das zwar auf dem Album schon sehr ruhig ist, live und nur auf dem Piano begleitet aber noch schöner klingt. Auch seine EP’s kamen nicht zu kurz, „Trust“ (von „Brumalia“) gab er ungefähr nach der Hälfte seines Konzertes zum Besten.

Gerade die Songs, die Patrick auf Tour eher selten spielt, schien er jetzt selber sehr zu genießen, was das Ganze so besonders machte. Gerade deshalb verging der Abend trotz der langen Setlist (20 Songs) viel zu schnell. Zu konzentriert hat man jedes einzelne Lied aufgesogen und genossen.

Diese Akustiktour war eine (hoffentlich nicht einzigartige) Gelegenheit, jeden Song den Patrick performt hat, auf eine andere Art und Weise kennenzulernen und ihnen etwas Neues abzugewinnen, dass man so vorher noch nicht rausgehört hat. Deswegen wäre es durchaus wünschenswert, wenn Patrick die Tour erweitern oder im nächsten Jahr fortsetzen würde. Zum Glück hat er bei 5 Studioalben eine Auswahl, die groß genug ist, um noch viele weitere Akustik-Konzerte zu geben.

Fotos: Stephanie WhiteTapes

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