Konzertberichte

Owen Pallett + Stargaze – Ruhrtriennale, PACT Zeche Zollverein, Essen, 06. September 2015

Owen Pallett + Stargaze – Ruhrtriennale, PACT Zeche Zollverein, Essen, 06. September 2015

Eigentlich ist es ja erst ein Jahr und vier Monate her, seit Owen Pallet sein viertes Album „In Conflict“ veröffentlichte. Für Owen war das Album zum Zeitpunkt des Releases jedoch schon etwas älter. Irgendwann 2013 wurde es nämlich bereits fertiggestellt und immer wieder verschoben, weil er andere Verpflichtungen hatte. Dazu gehörte zum Beispiel der Soundtrack für „Her“, für den er auch eine Oscar-Nominierung erhielt, und vor allem seine Arbeit als Tour-Violinist von Arcade Fire. Eine kurze Tourpause ließ zu, dass er ein klein wenig Zeit für seine eigene Albumpromo im letzten Jahr hatte. Die restliche Zeit verbrachte er dann aber wieder in Konzertsälen weltweit mit Arcade Fire.

Erst Ende letzten Jahres schaffte es Owen Pallett ein paar eigene Konzerte zu spielen und seitdem hat er sich nur wenige Pausen gegönnt, in denen er die Arbeiten an seinem neuen Album „Island“ begann, auf dem er die Geschichte von „Heartland“ weiterführt. Nach so vielen arbeitsreichen Monaten ist es kein Wunder, dass Owen Pallett sich nun eine ausgedehntere Pause vorgenommen hat. Allerdings nicht, ohne kurz vor seinem 36ten Geburtstag noch ein paar Konzerte zu spielen. Drei davon in ganz besonderer Besetzung mit dem elfköpfigen Orchester von Stargaze im PACT Zollverein, im Rahmen der Essener Ruhrtriennale.

Das PACT befindet sich direkt auf dem Gelände der Zeche Zollverein, genau genommen in der ehemaligen Waschkaue. Die Spuren davon sind auch heute noch mehr als deutlich sichtbar, so waren die Säle vollständig weiß gekachelt, es roch irgendwie noch nach Clor und auf den Gängen waren, als Reminiszenz an die historisch Verwendung, Seifenstücke in den Ablagen ausgelegt. Der Auftritt von Owen Pallett fand im größten der drei Säle statt, der kurz vor Beginn dann bis auf vereinzelte Plätze, komplett gefüllt war. Die Spannung war zu diesem Zeitpunkt bereits greifbar und als die Musiker von Stargaze um ca. zehn nach 8 die Bühne betraten, hätte man sogar die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. Owen selbst ließ noch eine halbe Minute länger auf sich Warten und betrat dann pünktlich zum Beginn von „On A Path“ die Bühne.

Owen Pallett + Stargaze – Ruhrtriennale, PACT Zeche Zollverein, Essen, 06. September 2015

Da es sich um ein Konzert mit Orchester handelte, stand der Kanadier ohne Geige und Loopstation auf der Bühne, dafür zur Abwechslung mit Schuhen. Nach der wunderschönen Eröffnung mit „On A Path“ wandte sich Owen Pallett erstmals dem Publikum zu und erläuterte, dass der den Abend nutzen wolle, um gemeinsam mit Stargaze die Songs seines neuen Albums „Island“ live vorzustellen. Das bedeutete auch, dass das Publikum die folgenden neun Songs förmlich aufsaugte.

Auch Owen Pallett zeigte sich auf der Bühne hochkonzentriert wie immer und ging förmlich in den Songs auf. Interessant war dabei zu beobachten, wie seine Blicke immer wieder zu den einzelnen Orchestermitgliedern wanderten.

Dabei erfreute er sich daran dass schwierige Passagen der Stücke so gekonnt vorgetragen wurden. Dadurch wirkte Owen merklich gelöst, denn er merkte, dass er bei Stargaze problemlos die Zügel aus der Hand geben kann und die einzelnen Musiker nicht nur untereinander perfekt harmonierten, sondern auch zusammen mit ihm selbst.

Aber nicht nur das Zusammenspiel der Akteure auf der Bühne sorgte für astreine Unterhaltung, sondern vor allem die vorgetragenen Songs. Man kann ohne Zweifel jetzt schon sagen, dass diese vorgeführten Demos von „Island“ eine gelungene Fortführung von „Heartland“ versprechen, auf die es sich zu warten lohnt.

Owen Pallett + Stargaze – Ruhrtriennale, PACT Zeche Zollverein, Essen, 06. September 2015

Apropos warten. Das musste das Publikum nicht lange, als Owen Pallett und Stargaze sich nach dem letzten Stück „The Pooka Sings“ – einem von zwei Final Fantasy Stücken, die am Ende des Sets gespielt wurden – von der Bühne verabschiedeten. Recht schnell kamen alle Akteure zurück und spielten bereitwillig ein paar Zugaben. Genau genommen vier Stücke von „In Conflict“, die er bis auf „The Riverbed“ mit Stargaze vortrug. Bei „The Riverbed“ haute Owen gegen Schluss in einem wahnsinnigen Spieltempo auf die Tasten des Flügels ein und sorgte damit für eines der Highlights des Abends. Eines Abends, der sicherlich zu den Konzerthighlights des Jahres zählt und einen wehmütig werden lässt, dass Owen Pallett sich nun erst einmal in eine Pause verabschiedet.

Bei Facebook findet ihr noch eine tolle Performance zu „The Great White Noise“ / „Lewis Gets Fucked Into Space“ und ein paar Worte von Owen.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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