Konzertberichte

Owen Pallett + Hauschka + Ólöf Arnalds – Tonhalle, Düsseldorf, 26. Mai 2012

Als bedeutender Komponist und Pianist der Romantik lebte Robert Shumann Mitte des 19ten Jahrhunderts auch eine Weile in Düsseldorf, wo er als Städtischer Musikdirektor aktiv war. Die Stadt Düsseldorf veranstaltet deshalb zu Ehren des großen Romantikers das Schumannfest und überließ in in diesem Jahr dem in Düsseldorf lebenden Musiker Volker Bertelmann die Kuration eines Abends. Der Musiker, der unter dem Künstlernamen Hauschka je nach Zählweise knapp elf Alben veröffentlicht hat, auf denen er mit Hilfe eines präparierten Klaviers und teilweise auch mit der Unterstützung eines Drummers und anderer Gastmusiker sphärische Klangwelten erschafft, lud sich für den Abend mehrere befreundete Musiker ein, die wie er von Schumann inspiriert sind oder ähnliche Wege gehen, wie der Romantiker.

Die isländische Musikerin Ólöf Arnalds war eine davon. Die Cousine des Pianisten Ólafur Arnalds, die seit 2007 mittlerweile zwei Alben veröffentlichte und in ihrer Musik mit der Verknüpfung klassischer Elemente und Pop-Musik eine Herangehensweise zeigt, die laut Hauschka der von Schumann ähnelt, eröffnete den Abend. In schwer akzentgeschwängertem Deutsch kündigte sie an, im folgenden Set ein wenig Quatsch machen zu wollen. Dieser Quatsch beschränkte sich dann jedoch meistens auf ihre kurzen, häufig auf Deutsch gesprochenen Ansagen.

Ihr Set selbst bestand aus schnörkellosen, spärlich instrumentierten, meist auf isländisch vorgetragenen Gitarren-Stücken, in denen vor allem ihre hohe, klare Stimme im Vordergrund stand. Für einen Song bat sie Owen Pallett ans Piano, der noch artig ihre Ansage abwartete und sie mit ein paar sanften Klängen unterstützte. Hauschka tat ihm dies an anderer Stelle gleich. Schmunzelhöhepunkt war wohl ein Punkt, an dem Ólöf ankündigte einen Song über ihr kleines Heimatdorf zu spielen, in dem nicht wirklich viel passiert. Im Stück passierte dann auch nicht wirklich viel, das bestand nämlich nur aus einer ca. 30 Sekunden langen Gitarrenmelodie, die Ólöf mit den Worten „that’s it“ abschloss. Nach einem insgesamt sehr unaufgeregten und charmant vorgetragenen Set verabschiedete sich die Isländerin unter großem Applaus von der Bühne.

Owen Pallett

Der anschließende Umbau beschränkte sich auf die Präparation des Klaviers durch den Kurator des Abends, namentlich Hauschka. Als Gastgeber wählte er für sich den Slot in der Mitte und ließ sich vom isländischen Drummer Samuli Kosminen unterstützen. Bereits 2006 sahen wir den Düsseldorfer Hauschka im Vorprogramm von Owen Pallett, der damals noch unter dem Namen Final Fantasy firmierte, in Dortmund. Trotz der sechs Jahre, die seitdem vergangen sind, unterschied sich das damalige Set des Künstlers nicht groß vom aktuellen. Im Grunde bestanden die Klavierstücke aus sich stetig wiederholenden Motiven, die sich zusammen mit dem Schlagzeug immer lauter steigerten und auch etwas Tempo aufnahmen. Das machte die knapp vierzig Minuten seines Set leider etwas langwierig. Danach folgte die für eine Philharmonie obligatorische Pause, nach der Owen Pallett und das Lee Quartett angesetzt waren.

Bevor jedoch die Streicher neben dem Kanadier Platz nahmen, spielte der zunächst noch ein paar Stücke allein. Er kündigte an, größtenteils Stücke seines 2006er Albums „He Poos Clouds“ spielen zu wollen, da dieses Album zu großen Teilen von der Lyrik Schumanns inspiriert sei. Damit sorgte er bei einigen, vermutlich eher aus dem klassischen Genre stammenden Besuchern, für ein wenig Verwirrung. Denn zunächst mussten diese noch verarbeiten, dass er mit seinem Fuß Geigenparts loopte, wodurch sich die Stücke zu vollen Kompositionen ausweiten, die so klingen, als wären gleich mehrere Geiger auf der Bühne. Überall um uns herum hörten wir jedenfalls derartiges Getuschel mit derlei Erklärungen.

Man merkte schnell, dass Owen Pallett an diesem Abend gut aufgelegt war. Auf seine Frage, ob jemand im Publikum irgendwelche Fragen habe, kam direkt ein Songwunsch, den er sogleich erfüllte. Auch danach fragte er noch, ob er einen Song spielen solle, beschloss dann aber doch mit der geplanten Setlist fortzufahren. Nach sechs Songs schaute er dann erst verwirrt nach hinten und sagte „this is the point the Lee Quartett should come on stage. Well, I might as well play another solo song“. Aber gerade als er das ausgesprochen hatte, kam das Quartett um die Geschwister Trey und Elissa auf die Bühne und spielte mit ihm „The Arctic Circle“, den Opener vom 2006er „He Poos Clouds“.

Insgesamt war das Set zwar gewohnt klasse und fesselnd, wie man es von Owen gewöhnt ist, das Streichquartett war stellenweise jedoch eher störend, als eine wirkliche Bereicherung für das Set. Die Stücke wirken einfach ungewöhnlicher und eine Spur einzigartiger, wenn Owen Schicht für Schicht aufträgt, die Einzelemente loopt und sich der Songs dadurch nach und nach aufbaut. Das Streichquartett wirkte auch stellenweise ein wenig künstlich und versuchte sich mit ausladenden Bewegungen und lautem Spiel ein wenig in den Vordergrund zu spielen. Dennoch war das knapp einstündige Set des Kanadiers natürlich wieder einmal einfach nur wunderschön und absolut einzigartig und der Abschluss eines insgesamt recht runden Abends.

Auch deshalb, weil es im Set von Owen Pallett einige schöne Momente und Szenen zum Schmunzeln gab. Etwa bei den beiden Gastauftritten der Isländerin Ólöf Arnalds. Zunächst sollte sie den hohen Gesangspart von „This Lamb Sells Condos“, wo sie die ganze Zeit verschüchtert neben Owen stand und erst im zweiten Anlauf und mit Hilfe von Owen ihren Einsatz schaffte. Ihre Stimme passte dann aber natürlich perfekt und machte das Lied noch einzigartiger. Aber auch Owen zeigte sich stimmlich an diesem Abend gewohnt stark. So demonstrierte er bei „The Pooka Sings“, bei dem man auf „He Poos Clouds“ noch ein dünnes Stimmchen gewohnt ist, die Stimme eines wahren Chorknaben. Der Gesangsunterricht der letzten Jahre hat sich bei ihm eindeutig gelohnt.

Ein besonderes Highlight waren auch die beiden Zugaben. Zur ersten kam er noch mit dem Streichquartett zurück und spielte eine tolle Version von „The CN Tower Belongs To The Dead“, nach der er sich direkt wieder verabschiedete. Als er dann noch einmal unter wieder nicht enden wollendem Applaus allein zurückkam, meinte er, die Anwesenden mögen doch bitte nach dem nächsten Song nicht zu sehr klatschen, weil er nicht weiß, was er noch spielen soll. Das fiel natürlich schwer, denn mit dem Joanna Newsom Cover „Peach Plum Pear“ setzte er zum Abschluss des Abends noch einen richtigen Glanzpunkt.

Setlist ([via])

Took You Two Years To Win My Heart (Solo)
Lewis Takes Action (Solo)
This Is The Dream Of Win And Régine (Solo)
E is for Estranged (Solo)
Scandal At The Parkade (Solo)
The Arctic Circle
He Poos Clouds
This Lamb Sells Condos
I’m Afraid Of Japan
Song Song Song
Many Lives -> 49 MP
The Pooka Sings

The CN Tower Belongs To The Dead

Peach Plum Pear (Joanna Newsom Cover) (Solo)

Foto auf Startseite und im Beitrag: Ariane WhiteTapes (vom Haldern Pop 2009), mehr hier

Eine Galerie gibt es auf dem Flickr-Profil des Schumann-Fests

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