Konzertberichte

Owen Pallett + Apparat, Philharmonie, Köln, 23. Juni 2011

Weit mehr als ein Jahr ist es jetzt schon her, dass wir das Vergnügen hatten den großartigen Owen Pallett live zu sehen. Da spielte er kurz vor dem Release von „Heartland“ im Hamburger Übel & Gefährlich. Aber die Wartezeit war es wert, denn was gäbe es für einen passenderen Ort, um Owen Pallett live zu sehen, als die Kölner Philharmonie.

Der Abend erschien noch vielversprechender, als mit Apparat die Vorband bekannt gegeben wurde. Das Projekt des 33 jährigen Berliners Sascha Ring veröffentlicht in diesem Jahr sein neues Album „The Devil’s Walk“. Von diesem sollte er an diesem Abend natürlich auch ein paar Songs spielen. Dafür hatte er sich noch drei Gastmusiker auf die Bühne der Philharmonie geladen, um in der Location für einen angemessenen Sound zu sorgen. Gemeinsam erschufen Apparat in Bandbesetzung mitsamt Schlagzeug, Klavier und Keyboards einen wuchtigen Sound, der in seiner Intensität an eine Mischung aus Sígur Ros, The Notwist und Polarkreis 18 zu Zeiten ihres ersten Albums erinnerte. Die Klangteppiche waberten regelrecht von der Bühne und sorgten in der Philharmonie für eine einzigartige Atmosphäre.

Nach 65 intensiven Minuten war das kurzweilige Set von Apparat vorbei und die runde Bühne wurde für Owen Pallett geräumt. Dessen Live-Aufbau unterschied sich ebenfalls von dem, was man sonst so von ihm gewohnt ist. Bei seiner letzten Tour zur Veröffentlichung von „Heartland“ spielte er zusammen mit Thomas, der Owen mit Gitarre und Keyboard unterstützte. Auf dem Haldern Pop 2006 und der Spiegelzelt Tour von Haldern Pop wurde er damals von Leon begleitet, der den Stücken an den Drums eine zusätzliche Portion Druck verlieh. Meist war Owen aber allein auf der Bühne, manchmal begleitet durch Overhead-Projector-Kunst von Steph Comilang. Das sollte nun nicht so sein, denn neben seinem Keyboard in der Mitte standen links und rechts von ihm noch ein Gitarrenständer und ein Drum-Kit. Diese sollten von Rob Gordon und Matt Smith bedient werden, mit denen Owen Pallett die Band Les Mouches bildete und 2003 das Album „You’re Worth More To Me Than 1000 Christians“ veröffentlichte.

Die Besucher hatten also das Vergnügen so etwas wie eine Les Mouches Reunion zu erleben. Zunächst startete er aber mit den ersten beiden Songs allein ins Set, bevor für „A Man With No Ankles“ Matt und Rob zu ihm stießen. Mit dem Duo an Gitarre und Drums wurden die Stücke von Owen deutlich druckvoller und direkter. Das Grundgerüst der Stücke bildete natürlich nach wie vor Owen mit seiner Geige, auf der er mit klopfen, streichen und zupfen viele verschiedene Töne hervorlockt, loopt und so seine einzigartigen Melodien erzeugt. Mit Band kommt ihm dabei aber ein wenig die Intimität abhanden, wie Owen auch selbst scherzhaft sagte, als sich Matt und Rob wieder für ein paar Songs von der Bühne verabschiedeten.

Dennoch erzeugte das Trio wie es da ganz allein im Licht der runden Bühne werkelte eine faszinierende Stimmung und zog das Publikum für fast 90 Minuten auf eine Reise durch das „Heartland“, von dem die meisten der Stücke stammen sollten. Abgerundet wurde das Set noch durch Stücke von den beiden Alben „He Poos Clouds“ und „Has A Good Home“, bei denen Owen noch unter Final Fantasy firmierte. Nach dem regulären Set ließ er sich dann auch nicht lange bitten, um noch für Zugaben zurück zu kehren. Im ersten Block gab es darunter das famose Simon Bookish Cover „The Interview“ und sein vielleicht beliebtestes Stück „This Is The Dream Of Win and Regine“. Es folgte natürlich lauter Applaus, der nicht enden wollte, da die Philharmonie Techniker sich auch nicht anschickten das Licht anzuschalten. Das merkte auch Owen und so kam er für eine weitere Zugabe auf die Bühne zurück. „Originally I didn’t want to play another encore, but they didn’t turn on the lights, so here I am, ready to play whatever you like“. Dem Wunsch nach dem Caribou Cover „Odessa“ kam er dann auch tatsächlich nach und rundete den Abend wunderbar ab, an dem er sich einmal mehr neu erfinden konnte.

E Is For Estranged
The Arctic Circle
A Man With No Ankles
Flare Gun
Lewis Takes Action
The Great Elsewhere
Lewis Takes Off His Shirt
Scandal At The Parkade
That’s When The Audience Died
Oh Heartland, Up Yours!
Midnight Directives
Keep The Dog Quiet
Mount Aplentine
Tryst With Mephistopheles

Many Lives -> 49 mp
Interview (Simon Bookish Cover)
This Is The Dream Of Win And Régine

Odessa (Caribou Cover)

Fotos: Ariane WhiteTapes, von den Konzerten in Würzburg und Utrecht 2009

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