Konzertberichte

Owen Pallett + Hannes Smith, AV Picknick im Café Schlossgarten, Münster, 15. April 2015

Hannes Smith beim AV Picknick

Mehr als drei Jahre nach „Heartland“, dem ersten Album von Owen Pallett, seit er seinen Künstlernamen Final Fantasy ablegte, erschien am 23. Mai 2014 mit „In Conflict“ endlich der langerwartete Nachfolger, auf dem Owen Pallett erstmals auch prominente Gäste begrüßte. Darunter auch Musiklegende Brian Eno.

Auf „In Conflict“ zeigte sich Owen Pallett gewohnt stark, mit fesselnden Songs, kunstvollen Spannungsbögen und seinen bisher vielleicht persönlichsten Texten. Aufgrund seiner Tätigkeit als Live-Violinist von Arcade Fire, die im letzten Jahr auf ausgedehnter Welttournee waren, gab es seit dem Release relativ selten die Gelegenheit Owen mit seinen neuen Songs live zu sehen.

So kam es im letzten Jahr bisher nur zu sechs vereinzelten Headline-Konzerten des Künstlers in Deutschland. Nach dem Abschluss der Tour mit Arcade Fire startete Owen Pallett nun endlich eine Solotour, die ihn vor allem nach England und Ost-Europa, aber für zwei Termine zumindest auch nach Deutschland führen sollte.

Erstmals trat er dabei auch in Münster auf, ein Konzert, das wir uns als Münsteraner natürlich nicht entgehen lassen konnten. Der Auftritt in der Domstadt war in die Konzertreihe „AV Picknick“ eingebunden. Ein Projekt, bei dem Musiker als Begleitung zu Videoinstallationen zweier Münsteraner Videokünstler auftreten, die live zur Musik Videos und Animationen auf künstlerisch verzierte Leinwände projizieren. Das Publikum nimmt dazu in gemütlicher Picknickatmosphäre Platz auf Decken und lässt sich verzaubern.

Da der übliche Rahmen für den Kanadier etwas zu klein war, wurde das AV Picknick in den roten Saal des Schlossgarten Cafés hinter dem Schloss in Münster verlegt. Neben einem größeren Bereich vor der Bühne, in dem man es sich auf mitgebrachten Decken oder Kissen gemütlich machen konnte, gab es auch mehrere Stuhlreihen und dahinter noch einen kleinen Stehplatzbereich. Die Picknickatmosphäre ging dadurch zwar etwas verloren, genug Platz für die zahlreichen Besucher war jedoch gegeben.

Eröffnet wurde der Abend mit einiger Verspätung vom Berliner Electronica Künstler Hannes Smith, der aus seinem Laptop mit allerlei Effekten, Samples und Synthies elektronische Musik zauberte, die durch ihren sphärischen Grundsound perfekt als Unterstützung für die visuelle Komponente diente. Ein wenig ermüdend wurde es während des einstündigen Sets aber doch. Das lag jedoch nicht an der Qualität der Musik, sondern vielmehr daran, dass im abgedunkelten Raum die Luft vom warmen Wetter an diesem Tag zu späterer Stunde schon ziemlich stickig wurde.

So wurde dann für Owen Pallett erst einmal ordentlich durchgelüftet. Nach einer etwa halbstündigen Umbaupause und dem begleitenden Soundcheck begann der Kanadier sein Set ein wenig unvermittelt mit der Melodie von „That’s When The Audience Died“. Während des Songs strömte der größte Teil des Publikums dann in den Saal und der Ansager schlich zu seinem Platz zurück, gern hätte er Owen noch persönlich auf die Bühne gebeten. Der war jedoch bereits voll in seinem Element und ließ sich auch nicht davon beirren, dass etwa nach der Hälfte der Songs ein paar Nachzügler direkt vor seinen Füßen Platz nahmen. Die hatten dort vermutlich auch die beste Sicht auf den Musiker, da, wegen der Videoanimationen, die auf die um die Bühne angebrachten, blattförmigen Leinwände geworfen wurden, das Licht auf der Bühne relativ spärlich war.

Owen Pallett beim AV Picknick

Nachdem Owen den Anfang des Sets noch allein bestritten hatte, wurde er von seinen Bandmitgliedern Robbie Gordon und Matt Smith unterstützt. Die Stücke wurden dadurch noch eine Spur druckvoller, als sie wegen der vielen geloopten Keyboard- und String-Elemente ohnehin schon sind und sorgten dafür, dass die Zuschauer noch gebannter jede Note der Stücke aufsogen. Den Großteil des Sets machten natürlich Songs vom aktuellen Album „In Conflict“ aus, aber auch Stücke von „Heartland“ und den beiden Final Fantasy Alben fehlten nicht. Darunter großartige Gänsehaut-Momente, wie „The Arctic Circle“ und „Many Lives -> 49 MP“.

Auch wenn man Owen Pallett während des Sets nur im Halbdunkel sehen konnte, merkte man ihm doch an, wie viel Spaß er am Vortrag der Stücke hat und wie viel ihm der Zuspruch des Publikums, das nach jedem Song tosenden Beifall spendete, bedeutet. Besonders groß war der Beifall nach dem aufbrausenden Finale mit dem fast breitbeinig rockenden „The Riverbed“ und dem „Heartland“ Hit „The Great Elsewhere“. Nur kurz verabschiedeten sich die drei Musiker danach von der Bühne. Mit ihnen gingen jedoch auch Teile des Publikums.

Das lag aber nicht an der Musik, sondern daran, dass viele scheinbar den letzten Bus oder Zug nach Hause kriegen mussten. Zu diesem Zeitpunkt war es nämlich schon kurz nach 12. Seltsamerweise hat die zeitliche Planung schon im Vorfeld für Kritik gesorgt, dabei ist es in Städten wie Köln, Düsseldorf, München, Hamburg und Berlin ganz normal, dass ein Konzert auch gern mal bis halb 1 geht. Münsteraner Studenten sind aber anscheinend fleißiger und verließen in kleinen Gruppen vor dem Zugabenteil den Saal, weil sie „morgen früh raus“ mussten.

Was sie verpassten waren jedoch drei echte Highlights. Zunächst spielte Owen Pallett nämlich allein das Steve Reich Cover. Ein Stück, bei dem ein einzelnes Motiv zunächst immer wieder geloopt wird, bis es klingt, als würde eine ganze Schar Violinen ertönen. Anschließend wurden weitere Melodiefetzen hinzugefügt und in knapp zehn Minuten Vortrag immer mehr verdichtet und aufgetürmt. Ein Stück, das zu später Stunde für einige Zuschauer vielleicht auch ein wenig anstregend war, aber für jene gab es direkt im Anschluss eine Entschädigung. Es folgten nämlich die Stücke „The CN Tower Belongs To The Dead“ und
„This Is The Dream Of Win And Régine“. Zwei Songs, die zu den eindeutigen Lieblingen von Owen Pallett Fans zählen dürften und die für einen perfekten Abschluss des Abends sorgten.

Das AV Picknick war für uns eine ganz neue Art die Musik von Owen Pallett zu erleben und vielleicht für den Musiker auch eine ganz neue Art, seine Songs zu performen, die ihm hoffentlich so gut gefiel, dass er sich vielleicht bald mal wieder in der Westfalenmetropole blicken lässt.

Setlist:

That’s When The Audience Died
The Arctic Circle
Many Lives -> 49 MP
In Conflict
Keep The Dog Quiet
Soldier’s Rock
Tryst With Mephistopheles
Song For Five & Six
I Am Not Afraid
The Secret Seven
Infernal Fantasy
The Riverbed
The Great Elsewhere

Violin Phase (Steve Reich Cover)
The CN Tower Belongs To The Dead
This Is The Dream Of Win And Régine

Fotos: Ariane WhiteTapes

Video zu „The Sky Behind The Flag…“


Owen Pallett – The Sky Behind The Flag… von domino

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