Konzertberichte

Olli Schulz, FZW, Dortmund, 05. März 2010

Ein Gitarrist, verlassen auf einer Bühne, die sonst reichlich Platz bietet. Ganz alleine steht er dort bewaffnet mit Gitarre und einem Gitarrenkoffer voller Überraschungen. Olli Schulz im FZW.

Fluchs dem Studio entronnen, in dem Olli gerade zusammen mit dem Hund Marie (Max Schröder) Platte Nummer 5 aufnimmt, hat er sich für einen Gig im Rahmen des Visions Sabotage Party im formschönen FZW breitschlagen lassen. Im Vorfeld haben schon in zwei weiteren Hallen Guitarshop Asshole und The Hickey Underworld die Gäste in ihren Bann gezogen, nun steht Olli Schulz im großen Saal des, erst im September eröffneten, neuen Komplex. Und so wirklich wohl fühlt er sich nicht. Die Halle ist groß, nicht schlecht besucht, aber es verläuft sich. Aber Olli ist ein Mann fürs Volk. Und um sich einen Namen zu machen, hat er ordentlich Geschenke dabei, die sein bodenlos scheinender Gitarrenkoffer hergibt. Müsli- und Schockoriegel, aktuelle Visionshefte und CDs finden den Weg ins Publikum. Das Eis ist gebrochen, das Publikum ist nur per DU mit Olli und alle, die ihn noch nicht kannten, haben ihn spätestens jetzt schon als nett empfunden. Aber Olli kann mehr als nur verteilen, er kann auch Songs spielen.

Leicht betüdelt, die Haare sind etwas länger aber trotzdem mit vollem Herz und ganzem Stolz präsentiert Olli seine Hits. Ob alt oder nicht aufgenommen, sie zaubern ein Lächeln auf die Gesichter. Startend mit dem Countryangehauchten „Die Ankunft der Marsianer“ folgend von „Dann schlägt dein Herz“, „Weil die Zeit sich so beeilt“, „Was macht man bloß mit diesem Jung.“ Er spielt die Songs, die Olli Schulz ausmachen und verzichtet im akustischen Gewand auf den BiboSong der ihm seit 2008 eine gewisse Popularität eingebracht hat. Aber wer Olli vorher kannte, weiß, dass da mehr drin steckt als dieses zu intelligente Lied für den Ballermann.

Auch wenn das Eis nun gebrochen ist, so wirklich wohl fühlt er sich nicht, alleine, auf der riesigen Bühne. Die Zuschauer sollen sich allesamt auf die Bühne begeben und im Kreis sitzend um Olli Schulz lauschen. Lagerfeuer- Feeling, ganz ohne Lagerfeuer. Das Publikum stürmt von unten auf die Bühne und rund 100 Leute versammelen sich um Olli Schulz. Das Intime ist da und jetzt taut Olli komplett auf. Er verteilt sein Backstagebier, holt sich aus dem Publikum diverse Sänger auf die Bühne, covert sich durch die deutsche Popkultur, erfindet eine eigenwillige Version der Eagle Eye Cherry Songs „Safe tonight“ und singt über die Zwänge 12- Jähriger, in dieser Welt bestehen zu können ohne sich ein Leben rund ums 2.0 aufgebaut zu haben. Entertaiment pur. „Saunaaufguss in Lankwitz“ und der Song „Elefanten“ schließen rund 1 ½ Stunden Olli Schulz und beweisen, dass Olli doch kein Mann fürs Volk, sondern vom Volk ist.

Foto: Myspace Olli Schulz

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