Konzertberichte

Ólafur Arnalds / Kiasmos, Gleis 22, Münster, 22. November 2010

Ganz überraschend kündigte das Gleis 22 am 15. November an, dass bereits eine Woche später der junge Isländer Ólafur Arnalds seinen freien Tourtag nutzen würde, um eine exklusive Solo-Show im Münsteraner Kultladen zu spielen. Was genau zu erwarten war, war zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Normalerweise spielt Ólafur Arnalds nämlich nicht solo, sondern mit Streichquartett. So geisterte denn auch der Name seines Nebenprojekts Kiasmos mit durch die Ankündigungen, schließlich ist Janus Rasmussen, die 2te Hälfte von Kiasmos auch Mitglied von Ólafur’s Tourtruppe und dort unter anderem für elektronische Effekte verantwortlich.

So recht schien auch der Isländer nicht zu wissen, was er da so vor hatte und schrieb vor dem Konzert bei Facebook „trying to prepare some vague ideas for my first full improvised solo set in Munster tonight. Janus will join me for a bit of it to do some sounds as well“. Wobei, eigentlich beschrieb er damit dann doch ganz gut, was den Besucher erwarten sollte. Die füllten zwar das Gleis 22 dann nicht bis zum Anschlag, waren aber dennoch zahlreich erschienen, ließen aber so viel Platz, das man gemütlich am Boden Platz nehmen konnte. Etwa eine 3/4 Stunde nach Einlass ging dann auch schon der Vorhang auf, hinter dem zuvor bereits einige flackernde Lichter zu sehen waren. Ólafur Arnalds betrat die Bühne und begann erst einmal die gesamte, auf der Bühne versammelte Technik zu erklären. Neben seinem Piano hatte er dort jede Menge Effektgeräte, Loops und sein Notebook aufgebaut. Auf dem hatte er bereits einige Notizen und Sounds gespeichert, die in der Folge in die Show einfließen sollten.

Nach dieser kurzen Einführung begann er dann bereits mit einer ersten Improvisation, die sich als ein typisches Ólafur Arnalds Stück mit gefühlvollem Piano und geschickt gesponnenem Spannungsbogen entpuppen sollte. In den Songpausen überspielte der Isländer seine Unsicherheit immer wieder mit kleinen Witzchen und weiteren Erklärungen, dessen, was nun passiere und welche technischen Geräte er dafür einsetzen würde. Für einige Songs holte er dann auch schon Janus und eine seiner Geigerinnen auf die Bühne, die ihren freien Tag nun also auch mit Arbeit verbrachten. Gerade Janus gab den Stücken einen deutlich elektronischeren Touch und bereitete so das vor, was später noch folgen sollte. Nach knapp 60 Minuten, die sich eher wie 20 anfühlten, war Ólafur Arnalds nämlich auch schon mit seiner Show fertig und verabschiedete sich kurz von der Bühne. Nicht aber, ohne kurze Zeit später wieder aufzutauchen und zusammen mit Janus den Bühnenaufbau ein wenig zu ändern, um im Anschluss mit ihm gemeinsam einige Kiasmos Songs vorzustellen. Aus schwelgerischer Stimmung wurde nun Tanzlaune und die zuvor auf der Bühne aufgestellten Kerzen ausgeblasen und durch Stroboskop-Licht ersetzt.

Ein Abend also mit viel Abwechslung, der wohl einer der experimentellsten freien Tage von Ólafur Arnalds gewesen sein dürfte. Sollte er also auf seiner nächsten Deutschland-Tour wieder nicht nach Münster kommen, findet sich ja vielleicht ein freier Tag. Wir wären jedenfalls gern wieder dabei.

Foto: Myspace

Discussion

Comments are closed.

Archive