Konzertberichte

Oasis + Everlaunch, Düsseldorf, Philipshalle, 04. Februar 2009

Heute, mit kleiner Verspätung und als Vorbereitung auf den letzten Deutschland-Termin von Oasis, blicken wir einmal auf das Konzert vor drei Wochen, also am 04.02.09 in der Düsseldorfer Philipshalle zurück,wo der Ersatztermin für das aus Krankheitsgründen verschobene Oasis-Konzert vom 19.Januar stattfand. Das Oasis ein Konzert verschieben, gehört ja nun fast schon zum guten Ton, in diesem Fall war jedoch keine etwaige Ungereimtheit, sondern ein Ödem an Liam’s Stimmbändern schuld.

Die Ersatz-Vorband Everlaunch , die pünktlich die Bühne betrat, bot dann grundsoliden, leichten Poprock mit Britpopanklängen aus norddeutschen Landen. Als geneigter Zuhörer darf man durchaus Anwandlungen von Nada Surf und wesentlich offensichtlicher noch Placebo wahrnehmen. Zweifelsohne setzt die Band auf die stimmliche Ähnlichkeit des Sängers mit Brian Molko, denn der Höhepunkt des halbstündigen Sets war tatsächlich auch ein Placebo Coversong. Soweit so gut. Eine Vorband sollt ja auch keinesfalls das Licht des Hauptact unter den Scheffel stellen. Davon konnte in diesem Fall auch keineswegs die Rede sein, denn Oasis lieferten pünktlichst mit einem standesgemäß dahin geschmetterten „Fucking in The Bushes“ den Opener zu einem grandiosen „Rock´n Roll Star“. Das generationsübergreifende Publikum in der randvollen Philipshalle honorierte dies mit dem üblichen Bierbechergeklapper und einigen „beer-supernovas“.

Mit „Lyla“, sowie einem gnädigen „sorry, better now than never“ von Liam, als Entschuldigung für seine krankheitsbedingte Konzertverschiebung, bekam der Oasis-Fan gleich zu Beginn mehr als zu erwarten war. Der ersten Singleauskopplung des nunmehr 7. Studioalbums „The Shock of the Lightning“, folgte „Cigarettes & Alcohol“, „The meaning of Soul“ (absoluter live favourite) und mit „To be where there´s life“ und „Waiting for the rapture“ zwei weitere Songs von Dig out your Soul.

Liam legte, wie üblich, während des gesamten Konzerts peinlichst Wert darauf, bei keinem Noelsong auf der Bühne anwesend zu sein. Die brüderlichen Hierarchiekämpfe scheinen demnach weiterhin aktuell zu sein. Man darf gespannt bleiben. Leider performten die Herrn aus Manchester nur einen Song vom 2002er Heathen Chemistry Album, und zwar den mit Abstand gefälligsten – „Songbird“. Persönliches Highlight und Überraschungsmoment war eindeutig „Slide Away“, so noch nie im Liveset gehört. Es folgten ein fast schon nostalgisches „Morning Glory“, in gelungenem, auch stilistischem Kontrast zum brandneuen „Ain’t Got Nothin“. Im letzten Drittel wurden einmal mehr die Beatlesanleihen der Gallaghers hörbar. Zunächst „The importance of being idle“, meiner Meinung nach der vertonte Bauplan schlechthin für einen Britpopsong, vom oft unterschätzten Don’t believe the Truth-Album. Fortgeführt wird diese Honoration mit der 2. Single von Dig Out Your Soul „I´m Outta Time“. Die Lennon Interview Tonspur, mit welcher dieser Song ,von Liam selbst als “John Lennon Tribute Song” bezeichnet, in der Studioversion unterlegt ist, wurde live nicht eingespielt. Dennoch eines der Highlights, aus Liams Feder und mit größter Mühe von selben gesungen. Mühe, leider weil Liams Stimme,wohl noch immer leicht angeschlagen, nicht zur Bestform finden konnte.

Foto: Myspace der Band

Auch die im Übrigen weniger textsicheren unter den Besuchern kamen beim obligatorischen „Wonderwall“ voll und ganz auf ihre Kosten. „Wonderwall“, hier gestern mal wieder ganz klassisch – (leider) nicht in der Ryan Adams Version von 2002, die in den vergangenen UK-Sets von Oasis auch selbst performed wurde. Den Abschluss bildete ein unvergleichliches „Supersonic“. Nach einem schlichten „You’re welcome“ von Noel gab’s zu dem auch ansonsten eher wortkargen, von Understatement beherrschtem Konzert noch vier dicke Zugaben. Vom Feinsten. Mit „Don´t look back in anger“ sang sich Noel zu musikalischer Höchstform und toppte einmal mehr Liam. Jeder Skeptiker Noels gesanglicher Künste wurde an dieser Stelle eines besseren belehrt. Es folgten „Falling Down“, „Champagne Supernova“ und als abschließender Leckerbissen, das Beatlescover vom Masterplanalbum „I am the Walrus“!

Fazit: Oasis haben die ohnehin schon hochgesteckten Erwartungen solide erfüllt. Liam wird einmal mehr Recht behalten: „We will surely see us again!“

Fotos: Myspace der Band, viele tolle Bilder vom Konzert bei Eins Live

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