Konzertberichte

Noah & The Whale + Exlovers, Luxor, Köln, 17. April 2011

Für vier Termine kamen Noah And The Whale im April nach Deutschland. Hamburg, Berlin, München und Köln standen auf dem Plan. Bei Letzterem konnte ich nach „Peaceful , The World Lays Me Down“, „The First Days Of Spring“ und dem tollen dritten Album der Band „Last Night On Earth“ natürlich nicht nein sagen. Obwohl ich den weiten Weg in die anderen Städte für sie definitiv auch angetreten hätte.

Mit im Gepäck hatten sie die Exlovers. Die Fünf aus London überzeugten live zwar mit einem komplett anderen Stil als Noah And The Whale, aber sie machten ihre Sache wirklich gut. Der zweistimmige Gesang, vorgetragen von Sänger Peter und Sängerin Laurel, versetzte das gut gefüllte Kölner Luxor regelrecht in Euphorie. Parallelen im Stil meinte ich bei The Pains Of Being Pure At Heart zu finden, aber das trifft es noch nicht zu 100 Prozent. Wer beginnt sich über die Londoner zu informieren, stößt häufiger auf den Namen The XX. Die Verbindung kann ich nicht wirklich verstehen, aber vielleicht bemerkt ja jemand andere Parallelen, die ich nicht hören kann… vom Spiel mit einer weiblichen und einer männlichen Stimme einmal abgesehen. Dem Publikum gefiel es, mir auch, also bleibt zu hoffen, dass wir von dieser Band noch Einiges hören werden.

Nach einer Umbaupause wurde das Luxor in Dunkelheit gehüllt. Nur ein geringer Strahl blaues Licht fiel auf die Bühne. Das Akustische „Paradise Stars“ vom neuen Album eröffnete als Intro das Konzert. Kurz darauf betraten die fünf Briten die Bühne. Normalerweise erwartet man ja auf einer Tour, die dazu da ist um das neue Album zu präsentieren, direkt Songs von genau diesem. Noah And The Whale haben sich da ein anderes Konzept überlegt und starteten mit dem wunderbaren „Blue Skies“.

Sänger Charlie und seine vier Mitstreiter mischten clever die besten Titel aus ihren drei Alben zu einer unglaublich intensiven Liveperformance zusammen. Nach dem langsamen Eingang folgte „Tonight’s The Kind Of Night“ vom neuen und danach „Give A Little Love“ vom ersten Album. Die Wechsel zwischen den drei Platten zogen sich durch das gesamte Set. Als die Band dann zum so genannten romantischen Teil des Abends übergehen wollte, kämpften die Lichttechniker mit der Technik, die anscheinend alles tat, nur nicht so wie es eigentlich geplant war. Zwischen blendend hell und Licht aus gab’s nichts. Witzelnd merkte Charlie zwischendurch an, dass dann vielleicht doch besser das Licht wieder komplett ausgeschaltet werden sollte. Nach einigen Songs bekamen die Techniker den Fehler allerdings in den Griff, die Band war dankbar nicht mehr mit zusammengekniffenen Augen in gleißendes Licht blicken zu müssen und konnte nun wirklich zum ruhigen Teil des Abends übergehen. „The Line“, „I Have Nothing“, „My Door Is Always Open“ und „Wild Thing“ folgten und hüllten das Publikum in eine düstere und gedämpfte Atmosphäre. Gänsehaut war vorprogrammiert. Es schien fast so als würde Charlie mit seiner sanften Stimme mir und dem Rest des Publikums seinen Herzschmerz direkt in die Körper pflanzen. Das Violinenspiel von Tom Hobden erledigte den Rest.

Zum Abschluss wurden Noah And The Whale wieder fröhlicher. Gerade dachten wir wohl, den Herzschmerz wieder losgeworden zu sein, da beendete die Band ihr Set mit dem traurigen „The First Day Of Spring“. Natürlich wusste jeder Anwesende, dass Noah And The Whale noch für eine Zugabe zurückkommen würden. Mit diesem niedergeschlagenen Gefühl im Bauch hätten sie uns auf keinen Fall gehen lassen können. Nach einigem Jubeln, Kreischen und Klatschen kamen Charlie, Doug, Urby, Fred und Tom zurück auf die Bühne und gaben sich noch für drei Zugaben die Ehre. Zuerst kam „Old Joy“, der leider – aber Gott sei Dank als einziger Song des Abends – den Gedanken in mir aufstiegen ließ mir die Ohren zuzuhalten. Ich bin mir auch nicht sicher, ob die abartigen elektronischen Verzerrungen in Charlies Stimme gewollt waren oder ob sich da wieder ein technischer Fehler eingeschlichen hat. Seiner Mimik nach zu urteilen, fand er das, was er hörte auch nicht besonders gut. Bei „L.I.F.E.G.O.E.S.O.N.“ war dann alles wieder beim Alten und es wurde ausgiebig mitgesungen und geklatscht. Die letzte Zugabe hätten sie sich meiner Meinung nach schenken können. Ich mag es nicht, wenn Bands auf einen Song reduziert werden, aber was soll’s… irgendwie gehört „5 Years Time“ ja auch doch dazu. Schade, dass bei diesem Song plötzlich das gesamte Publikum total abging. Vorher war die Begeisterung für Noah And The Whale zwar zu spüren, äußerte sich auch bei vielen, aber halt nicht bei allen. Nun ja. Jeder, wie er mag.

Nach dem Konzert war ich völlig verzaubert. Das Set war sensationell zusammen gestellt und schien mir geradezu ewig zu dauern. Ich hatte wirklich das Gefühl Noah And The Whale mehrere Stunden lang gesehen zu haben. Es bleibt nur eins zu sagen: Es war fantastisch.

Fotos: Chiara WhiteTapes, mehr hier

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