Konzertberichte

Nick Mulvey + Eaves, Uebel & Gefährlich, Hamburg, 3. Dezember 2014

Wie erwartet, war das Turmzimmer des Uebel & Gefährlich im Bunker in der Feldstraße in Hamburg am Mittwochdbend, den 03. Dezember 2014 sehr gut besucht. Das lag nicht nur an Nick Mulvey, dem Hauptprotagonisten des Abends, sondern auch an dem Anfang Zwanzigjährigen Joseph Lyons aus Leeds mit seinem Projekt Eaves, der das Vorprogramm bestreiten sollte. Dieser hatte bereits einige Wochen zuvor beim Reeperbahnfestival in Hamburg in der St. Pauli Kirche ein großartiges Konzert gegeben.

Eaves

Genauso zurückhaltend, wie Eaves in der Vergangenheit mit ersten Youtube-Videos, einigen Songs im Soundcloud-Stream Anfang 2014 und jetzt mit der am 10. November 2014 auf Heavenly Recordings erschienenen Debüt-EP „As Old As The Grave“, langsam die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam gemacht hatte, betrat er im Turmzimmer die kleine minimalistische Bühne.

Schon fast schüchtern präsentierte er dann in einem 40-minütigen Set die Songs seiner EP und auch bereits einen Großteil der Songs, die er zur Zeit für sein 2015 erscheinendes, erstes Album aufnimmt.

Wie auch auf der EP gewohnt reduziert und den gefühlvollen Gesang nur mit seiner Akustik-Gitarre begleitend, spielte sich Joseph Lyons durch seine persönlichen Erlebnisse und prägende Momente aus seinem jungen Leben. Die Melancholie wird hier großgeschrieben und trotzdem war es immer wieder die Schönheit der einzelnen Songs, die über die Trauer und Dunkelheit in seinen Texten triumphierte und dem (großteils weiblichen) Publikum immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zauberte.

Wunderschöne Melodien, eine Stimme, die sowohl in den ganz ruhigen, als auch in den etwas lauteren Momenten, überzeugte. Ein Musiker, der sich sympathisch dem Hamburger Publikum präsentierte und der, stellenweise an Labelmate Fionn Regan erinnernd, offenbarte, dass da ein weiteres großes Talent im Singer-/Songwriter-Bereich auf dem Weg ist, sich in die Herzen vieler Musikliebhaber zu spielen.

Und so leise und unauffällig, wie er gekommen war, verschwand Joseph Lyons am Ende seines Sets unter großem Applaus auch wieder von der Bühne, um Platz zu machen für den Hauptact des Abends. Bleibt nur zu hoffen, dass er bald wieder auf Deutschlands Bühnen zu sehen ist – vor allem dann vielleicht auch mit seiner Band, denn die Liveumsetzung im Bandsound ist mit Spannung zu erwarten.

Nick Mulvey

Nach kurzer Pause ging es dann weiter mit Nick Mulvey. Dem 28-jährigen Engländer wird nicht bereits seit seinem Mitwirken in der Band Portico Quartett, aus der er 2011 ausstieg, eine große Karriere prophezeit. Nach zwei veröffentlichten Singles hatte er im Gegensatz zu Eaves auch bereits sein erstes, am 12. Mai 2014 erschienenes, Album „First Mind“ im Gepäck und dieses sollte auch den Schwerpunkt seines 70-minütigen, ebenfalls nur mit Akustik-Gitarre vorgetragenen, Solo-Sets darstellen.

Äußerst sympathisch und ab dem ersten Song auf Kommunikation mit dem Publikum ausgerichtet, zog Mulvey schnell einen Großteil des Raums in seinen Bann.

Seine ruhigen Songs, schöne Melodien, seine sanfte markante Stimme und die Gitarre, hier und da unterstützt mit elektronischen Hilfsmitteln, sein gutes Aussehen, seine äußerst charmante Art das Publikum in sein Konzert mit einzubeziehen… all dies sorgte für wahrscheinlich den Großteil des Publikums für einen tollen Abend, mir persönlich fehlte allerdings noch irgendetwas um mich vollends zu begeistern.

Vielleicht war es einfach der falsche Abend für ein Nick Mulvey-Konzert, vielleicht war aber auch der Auftritt von Eaves noch zu präsent, jedenfalls war das Konzert für mich nach 35 Minuten beendet. So etwas bestraft der Gott der guten Musik aber natürlich sofort, denn das Finale hätte mich mit Sicherheit dann wieder sehr erfreut.

Joseph Lyons hatte anscheinend noch nicht genug von Hamburg und erschien wieder, um zusammen mit Nick Mulvey im Publikum dessen Song „Look at Miss Ohio“ zu spielen.

Ein, wie von Augenzeugen berichtet wird, tolles Finale eines insgesamt runden Abends.

Text: Sebastian Madej
Fotos: Doreen Reichmann

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