Konzertberichte

MONEY + Tellef Raabe – Molotow Sky Bar, Hamburg, 29. Februar 2016

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Wenn es in diesem Jahr bisher ein Album gab, auf das wir uns besonders sehnsüchtig gefreut haben, dann war es wohl das zweite Album der Briten von MONEY, die uns 2013 mit ihrem Debüt „The Shadow Of Heaven“ mehr als nachhaltig begeisterten. Bereits Ende des letzten Jahres deutete sich mit den Stücken „You Look Like A Sad Painting On Both Sides Of The Sky“, „I’ll Be The Night“ und „A Cocaine Christmas And An Alcoholic’s New Year“ an, was die Band dann auf voller Länge mit „Suicide Songs“ bestätigte. Ein vielschichtiges Album, das den Tod keinesfalls glorifiziert, sondern gekonnt als Bild nutzt und abwechslungsreiche Sounds zwischen ausufernden Klangwänden und spärlich instrumentierter Songwriterkunst bietet.

Dass MONEY mit diesem Sound auch live fesseln können, zeigten sie bereits Ende 2013 in Utrecht und so war die Vorfreude natürlich groß, als die Band nun kurz nach dem Release von „Suicide Songs“ für zwei Konzerte in Deutschland vorbeischaute. Nachdem die Briten bei ihrem letzten Abstecher noch im Übel&Gefährlich Halt machten, war dieses Mal das Molotow an der Reihe. Dort war bereits bei Einlass eine lange Schlange zu sehen. Jedoch leider nicht für die Band um Jamie Lee, sondern die US-Amerikaner von Front Bottoms, die am selben Abend im Clubbereich des Molotow spielen sollten, MONEY mussten deshalb schon etwas früher ran und spielten in der gemütlichen Sky Bar.

Dort begann der Abend dann auch bereits um 20 Uhr mit dem Norweger Tellef Raabe, der sonst mit vierköpfiger Band auftritt, an diesem Abend aber nur seine jüngste Schwester als Begleitung dabei hatte. Die gehörte nach seinen Worten zwar nicht zur Band, machte ihre Sache dennoch gut. In Bandbesetzung heimste der Norweger bereits viel Lob ein und durfte sich über Vergleiche mit The National und Interpol freuen. Live vorgetragen im Molotow präsentierte Tellef allerdings nur nette kleine Liebeslieder, die meist von akustischer Gitarre und dem teils einsetzenden Background-Gesang der kleinen Schwester unterstützt wurden. Zu einem Song namens „Dear Aphrodite“ erklärte er, dass dieser auf seinen Erfahrungen bei Tinder aufbaut und witzelte ein wenig dazu. Das machte seinen Supportslot insgesamt ganz kurzweilig, die Stücke nur leider nicht wirklich einprägsam.

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Nach dem Set folgten 30 Minuten Umbaupause, in denen weniger umgebaut, sondern einfach nur gewartet wurde. Es musste nämlich nur ein Mikro gewechselt werden, die Gitarre von Tellef wurde ausgestöpselt und die Drums noch einmal geprüft.

Ähnlich unspektakulär, wie die Umbaupause war dann auch der Beginn des Sets. Frontmann Jamie Lee schnappte sich seine akustische Gitarre, das Licht wurde etwas runter geregelt, die Musik ausgemacht und der Wahl-Londoner begann sein Set zunächst solo. Dafür stellte er seinen Mikroständer etwas weiter von der Bühne entfernt auf, entschuldigte sich, dass er immer etwas Streit mit diesen Dingern habe.

Im Anschluss begrüßte Teile des Publikums persönlich mit einem Hi und sagte: „this one is dedicated to Shane MacGowan [The Pogues, Anm. der Red.] who died earlier this day.“ Die schockierte Reaktion des Publikums abwartend sagte, klärte er den Witz dann auch und begann zunächst solo, bevor für die nächsten Stücke dann auch der Rest der Band zu ihm stieß.

Live waren MONEY neben der Grundbesetzung aus Jamie Lee, Charlie Cocksedge, Billy Byron und Nick Delap in aktuellen Tourbesetzung ein Sextett, das neben der klassischen Bandbesetzung aus Drums, Bass, Lead- und Akustik-Gitarre, noch von Geige und Cello unterstützt wurde.

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Gemeinsam präsentierte die Band ein fesselndes Set, das größtenteils aus neuen Stücken bestand und eine wunderschöne, im positiven Sinne, torkelnde Stimmung entwickelte. Das war schon ab dem aktuellen Album-Opener „I am the Lord“ bemerkbar. Die Band spielte sich teils in einen Rausch, der auch auf das Publikum überging und für eine einzigartige Stimmung sorgte, die schnell jeden der knapp 70 Besucher einfing. In der vorderen Reihe stand Jamie Lee und kämpfte in den Songpausen immer wieder mit seinem Mikroständer, den er von hier nach dort schob, mal auf der Bühne, mal dicht vor dem Publikum. Das trug zu einer besonders intimen Stimmung des Sets bei, da der Sänger zwischen Distanziertheit und Verletzlichkeit tändelte und den verletzlichen Stücken damit noch eine weitere Ebene gab.

Besonders intensiv wurde das Set während der Stücke des Debüts. Diese haben MONEY nämlich in den Stil des neuen Albums übertragen. So brauchte es zwar einen Moment, bis auch „Bluebell Fields“ erkennbar war, die Intensität wurde dadurch aber nur gesteigert. Der größte Moment des Abends folgte in der letzten Hälfte des Abends mit „Letter To Yesterday“. In der aktuellen Version zog die Band während der Strophen das Tempo immer mehr an und verdichtete die Stimmung im Laufe zu einem Sound, der auch The Twilight Sad gerecht würde. Ein Stück, das nicht nur für Gänsehaut sorgte, sondern auch die Band auf der Bühne überraschte, die sich immer wieder verwundert an sah, als könnten die Musiker untereinander beinahe nicht glauben, wie gewaltig das derzeitige Zusammenspiel sei. Kein Wunder, dass der Applaus für MONEY nach knapp einer Stunde am Ende des Sets groß war und sich Sänger Jamie Lee ausnahmsweise mal zu einer Zugabe breit schlagen ließ. Gemeinsam mit Geige und Cello trug er den „The Shadow Of Heaven“ Closer „Black“ in einer sanft verletzlichen Version am Keyboard vor und sorgte für ein wunderschönes Ende eines Abends, der wohl zu unseren Konzerthighlights des Jahres zählen dürfte.

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Fotos: Ariane WhiteTapes

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