Konzertberichte

Miyagi Abschiedskonzert – AMP, Münster, 27. November 2010

Lange versuchte ich diesen Tag einfach zu verdrängen, aber letztendlich kommt man um gewisse Dinge leider nicht herum. Am Samstag war es dann soweit. Miyagi luden ein zum Abschiedskonzert im münsteraner Amp. Die Abendkasse brauchte man an diesem Tag nicht mehr. Das Konzert war kurz vor Beginn ausverkauft, was ja eigentlich auch nicht anders zu erwarten war.

Ohne Support stürmten die fünf um kurz nach 22 Uhr die Bühne. 250 Gäste. Das Amp platzte aus allen Nähten. Zu Recht. Das, was uns Miyagi in den letzten Jahren live geboten hatten, wollten alle Anwesenden selbstverständlich noch ein letztes Mal erleben… um sich das Konzert so fest ins Gedächtnis einbrennen zu lassen, dass man es zu seinen Lebzeiten nicht mehr vergisst. Wer an diesem Abend das erste Mal in den Genuss gekommen ist Miyagi on Stage zu erleben, wird sich wohl noch Jahre lang ärgern diese Band nicht schon früher gekannt zu haben.

Für Tränen war an diesem Abend aber definitiv nicht viel Platz. Miyagi hauten einen genialen Song nach dem anderen raus und letztendlich musste ich wirklich feststellen, dass sie am Samstag alle Titel gespielt haben, die seit ihrer Gründung veröffentlicht wurden… zusätzlich natürlich auch die neuen Songs, die sie gerade wöchentlich in ihrem Adventskalender verschenken. „Reborn“ und „Hand in mine“ fügten sich perfekt zum Set mit den älteren Titeln ein und wurden genauso mitgesungen, mitgegröhlt, mitgeschrien wie alle anderen Lieder.

Die beiden bis jetzt veröffentlichten neuen Songs lassen erkennen welches Potential noch in dieser Band gesteckt hat. Aber wie die fünf ja auch schon bei der Bekanntgabe der Trennung sagten, ist es definitiv besser Miyagi auf dem Höhepunkt aufzulösen als nicht mehr die notwenige Energie reinstecken zu können, die erforderlich wäre, um die Band auf dem Niveau weiterführen zu können.

Miyagi begleiteten mich nahezu täglich seit ich das erste Mal vor dem Eurocityfest 2008 in ihre Songs reingehört habe. Viele Konzerte folgten und das Abschiedskonzert war neben der Albumreleaseparty ihres Debütalbums „Hydraulic Son“ im November 2008 definitiv das Beste, was ich von den fünfen gesehen habe. Als dann für einen Song auch noch der ehemalige Gitarrist Jörn (I am the Architect) wieder zurück an die Gitarre geholt wurde, war mein Abend perfekt.

Wer behauptet, dass er als Daniel für das ruhige „Chimes“ an die Gitarre wechselte nicht die eine oder andere Träne zurückhalten musste, kann eigentlich nur lügen. Und wer es wagt diese Band nur auf „Whatever 2.0“ zu beschränken, hat einfach keinerlei musikalisches Verständnis, geschweige denn Geschmack. Besonders gefreut habe ich mich über „Holidays in Okinawa“, „Ice Cream“, „Misery/Battery“, „Sideways“ und natürlich über meinen absoluten Favoriten vom Album „Shoot Shoot“.

Das Konzert, der Abschied oder die eigentliche EP-Releaseparty, wie Sänger Stefan so schön sagte, war wirklich das Beste, was ich dieses Jahr auf den Bühnen dieser Welt erlebt habe. Das Ende war kurz und schmerzlos… obwohl die Jungs schon ziemlich traurig aus der Wäsche guckten, als sie von der Bühne verschwanden. Wie ich, haben sie wahrscheinlich auch erst danach realisiert, dass das Kapitel Miyagi nun für immer vorbei ist.

Was bleibt mehr zu sagen? Wer nicht dort war, hat definitiv was verpasst und wer dort war, weiß was im Amp abgegangen ist.

Ihr werdet fehlen. Absolut… aber immerhin hinterlasst ihr der Welt drei geniale EPs und euren hydraulischen Sohn. Vielen, vielen Dank für die schöne Zeit und die Erinnerungen, die ich mit eurer Musik verknüpfe.

Macht’s gut… Miyagi.

Fotos: Chiara WhiteTapes mehr hier

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