Konzertberichte

Mikroboy + Sebastian Block, FZW, Dortmund, 19. Oktober 2011

Mikroboy? Wer zum Teufel ist denn dieser Mikroboy? – So oder so ähnlich klingen immer die Fragen der meisten Menschen, wenn ich diesen Namen erwähne. Nein, Mikroboy ist nicht nur einer. Gestartet als Soloprojekt von Michael Ludes, wuchs das Projekt schnell zu dem heran, was es heute ist… zu einer Band. Dem Besetzungswechsel Anfang 2010 geschuldet ist nun auch der etwas rockigere Sound, der meiner Meinung die Band in ein noch besseres Licht rückt. Da es einfach viel mehr das verkörpert, womit sie mich live schon seit Jahren begeistern.

Ein kleiner gedanklicher Zeitsprung. Ende 2009. Mikroboy live im FZW in Dortmund. Déjà-vu: Knapp zwei Jahre später sind sie wieder zu Gast hier. Felix Mannherz, der Drummer der damaligen Vorband Cargo City, spielt nun Gitarre und Keyboard in der Tourband. Und so schließt sich der Kreis.

Sebastian Block wurde als Support geladen. Dieser begrüßt uns mit sanften Singer-Songwriter-Titeln, gepaart natürlich mit der schön eingesetzten deutschen Sprache. Seine Songs legen sich teilweise schwer auf’s Herz, wickeln sich geradezu darum herum und scheinen es gar nicht mehr loszulassen wollen. Gerade mittendrin in diesem Gefühl, reißt Sebastian mich plötzlich wieder dort heraus. Es geht bergauf. Keine Spur mehr von Melancholie. Sebastian fordert das Publikum zum Mitsingen und Klatschen auf. Was auf mich erst etwas befremdlich wirkt, macht Spaß und lockert die Menschen vor der Bühne deutlich spürbar auf. Anders als auf seiner aktuellen Platte „Bin ich du“, wo Sebastian von seiner Band begleitet wird, musste er sich in Dortmund allein den Mikroboy Fans stellen. Das machte er allerdings wirklich gut, auch wenn die Songs dadurch wesentlich ruhiger rüberkommen. Aber auch das hat einen gewissen Charme. Besonders der Titel „Ich hoffe ja“ hat es mir seitdem total angetan. Live war er ein Genuss und seitdem läuft er auch auf der Platte, die mir Sebastian später noch in die Hand drückte, rauf und runter.

Nachdem Herr Block die Bühne freigab, wurde diese von den Mikroboys innerhalb von kürzester Zeit belagert. Sofort fühlte ich mich zurückversetzt auf die Konzerte der ganzen letzten Jahre, die ich mit Michi und Co erleben durfte. Münster, Osnabrück, Köln, Dortmund… Die altbekannten Klänge des Intros zogen mich einfach direkt in ihren Bann.

Mikroboy

Erst war ich ziemlich erschrocken wie viele neue und vor allen Dingen junge Gesichter ich im FZW sehen durfte. Die waren dann allerdings wohl ziemlich überrascht als Mikroboy so richtig Gas gaben und wie immer bei ihren Liveauftritten ihre rockige Seite hervor holten. Bassist Kai Steffen war unter den Mengen an wogendem Haar kaum noch auszumachen, als er regelrecht über die Bühne fegte. Kein neues Bild. Michis Arme zieren mit jedem Mal immer mehr Tattoos. Auch das hat sich nicht verändert. Wovon genau sprechen Mikroboy also, wenn sie sagen: „Es hat sich Einiges getan“? Tobias am Schlagzeug war zumindest mir noch neu, genauso wie die restliche Bandbesetzung der Tour. Die Popularität der Truppe wächst vor allem nach dem Auftritt bei Stefan Raab und der gemeinsamen Tour mit Lena. Eigentlich Punkte, die zumindest mich normalerweise eher abschrecken. Aber wir reden hier ja schließlich von Mikroboy. Egal, was sie tun, sie haben einfach immer hunderte von Sympathiepunkten bei mir.

Schön durchmischt präsentierte uns die gute gelaunte Band fast alle Songs von ihrem Debütalbum „Nennt es wie ihr wollt“ und vom Nachfolger „Eine Frage der Zeit“. Natürlich durften auch so wunderbare Titel wie „Nach dem Höhepunkt links ab“ und „Bis zum Ende“ nicht fehlen. Besonders gefreut habe ich mich natürlich über meine Lieblinge „Pre oder Post“, „Solang der Mut den Zweifel schlägt“, „Herzen aus Holz“, „Lass mich irgendwas sein“ und „Vom Leben und Verstehen“, bei dem meine Freunde und ich beim letzten Gig im FZW 2009 unfreiwillig Statisten in ihrem Musikvideo wurde.
Besonders schön war auch die lustige Anekdote von Michi, dass Felix angeblich Herbert Grönemeyer sehr ähnlich sieht, woraufhin dieser natürlich seine Grönemeyer-Qualitäten unter Beweis stellen musste. Das lag vor Allem aufgrund der geografischen Lage von Bochum zu Dortmund nahe.

Wie immer rockten die Jungs was das Zeug hält und waren kaum noch zu bremsen. Jedes Mal erstaunt es mich auf’s Neue, dass sie einfach in keine Schublade passen wollen. Wie oft höre ich, dass das „Mädchenmusik“ sei? Doch immer wenn ich dann auf einem ihrer Konzerte einen Blick in die Runde werfe, werde ich eines Besseren belehrt. Ob jung oder alt, ob Mann oder Frau, irgendwie scheint jeder irgendwann zu Mikroboy zu kommen und das ist einer der vielen Gründe, der die Band so sympathisch macht. Zusätzlich haben sie unglaublich geile Texte, feiern auf der Bühne was das Zeug hält und sind einfach auf dem Boden geblieben. Sie sind vielseitig, haben Spaß an dem, was sie tun und das bereitet mir jedes Mal eine besondere Freude.

Meiner Meinung nach hat diese großartige Band viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Umso gespannter bin ich darauf wie es weitergeht mit Mikroboy.

Fotos: Chiara WhiteTapes, mehr hier

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