Konzertberichte

MELT! Festival, Ferropolis, Gräfenhainichen, 15. – 17. Juli 2011

Ferropolis. Überdimensionale Discokugeln, atemberaubende Visuals und riesige Kohlebagger, die der faszinierenden Kulisse als heimliche Hauptdarsteller dienen. Mit dem MELT in Ferropolis ging am vergangenen Wochenende bereits zum 14. Mal eines der besten Festivals Europas über die Bühne.

You MELT my heart – dieses Motto hatten sich die Festivalorganisatoren, die sich aus dem intro-Dunstkreis zusammensetzen, für dieses Jahr überlegt. Übertrieben hatten sie damit ganz sicher nicht. Denn das Line-Up bot sowohl für die Freunde der Minimal-, Techno- und Elektro-Fraktion als auch für die Liebhaber von Popmusik und Indierock allerhand zu entdecken. Auch das Wetter spielte dieses Jahr zum größten Teil mit (zumindest Freitags und Samstag gab es keinen einzigen Regentopfen, dafür aber Sonnenschein und Sommerfeeling bei 26 Grad). Als Headliner hatten sich Robyn, The Streets, Editors und als exklusive Wiedervereinigung Pulp angekündigt. Auch Bodi Bill, Jose Gonzalez solo und in Begleitung seines Bandprojektes Junip sowie Crystal Castles sorgten für ein ausverkauftes Festival und viel Vorfreude. Paul Kalkbrenner, der anscheinend nun auch vom gewöhnlichen „Die Superhits der 80er, 90er und das Beste von heute“-Radiohörer gemocht wird, war ebenfalls zugegen.

Insbesondere The Streets um Frontmann Mike Skinner enttäuschten hier nicht. Mit einer fantastischen Live-Performance gaben sie eines ihrer letzten Konzerte in Deutschland. Ob „Blinded by the lights“, „Let’s push things forward“ oder das unvermeidliche, sympathische, da so dahin gerotzte “Fit but you know it“ – die feierwütige Menge dankte es ihm auf ihre Weise. Mit dem MELT-Festival schloss sich auch für Mike Skinner der Kreis. Zählte das Festival doch damals zu einen der ersten in Deutschland, denen er einen Besuch abstattete. Doch schon bald werden The Streets Geschichte sein – einen würdigen Abschied gab es mit diesem Auftritt beim MELT allmal.

Ein absolutes Highlight war auch der Auftritt der Briten mit dem griffigen Namen Totally Enormous Extinct Dinosaurs. Was dort auf der Gemini Stage passierte, als Orlando Higgingbottom mit Dinsoaurierschmuck die Bühne betrat, an seinen Reglern drehte und einen absolut abgefahrenen Stilmix aus Drum n’ Bass, Elektro-House, Dancehall und Rock kreierte, lässt sich mit Ekstase beim Publikum ziemlich gut beschreiben. Ein fantastisches Konzert, das dringend empfohlen wird. Weitere positiven Erscheinungen waren auch die Auftritte von Metronomy, die die Songs ihres neuen Albums „The English Riviera“ präsentierten. sowie ein absolut geniales Live-Set und gleichzeitige Weltpremiere von A.T.O.L.L. Dahinter verbergen sich die beiden Herren von Modeselektor zusammen mit Marcel Dettmann und Shed. Die perfekte Kulisse bot die Modeselektor-Bühne am Strand des angrenzenden Sees. Während die Sonne langsam aufging, lieferte das neue Plattendreher-Quartett einen elektronischen Morgen-Imbiss allererster Güte.

Doch auch die Big Wheel Stage war ideal um zu minimalistischen oder anderen elektronischen Klängen durchzutanzen. Die Turntables im Kohlebagger deponiert, sorgten Acts wie Fritz Kalkbrenner, Kompakt-Laber-Vertreter Michael Mayer zusammen mit Tobi Neumann oder Richie Hawtin für eine wild tanzende Menschenmasse.

Wenn die Morgensonne dann die Kohlebagger in ein rotes Licht taucht, ein paar von der Nacht gezeichnete Gestalten den Weg zum Campingplatz antreten oder noch die letzten Reserven mobilisieren, um auf dem Sleepless Floor die Tanzstunde fortzusetzen, dann kann man tatsächlich davon reden: You MELT my heart.

Foto 1: Nicolas Ritter, Rest: Manuel WhiteTapes

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