Konzertberichte

Maxïmo Park @ Visions Westend Indoor, FZW, Dortmund, 29. Oktober 2011

Mehr als ein Jahr ist nun schon seit dem letzten Versuch von Maxïmo Park in Deutschland vergangen. Im Juli 2010 schauten sie für ein paar Festivaltermine in unseren Gefilden vorbei und spielten dabei etwa auf dem Freiburger Zeltfestival neben den Hits ihres dritten Albums „Quicken The Heart“ auch noch zwei neue Stücke. Bis zu einem neuen Album der Band soll es allerdings auch jetzt noch etwas dauern. Das ist für das nächste Jahr vorgesehen. Dieses Mal ohne Warp Records als Label. Die Zwischenzeit seit den Auftritten im letzten Jahr haben die Jungs mit allerlei Nebenbeschäftigungen überbrückt. Sänger Paul Smith zum Beispiel mit seinem Solo-Album „Margins“, das er im Herbst des letzten Jahres veröffentlichte und anschließend ausführlich betourte.

Seit Beginn des Jahres verbrachten Maxïmo Park immer wieder Zeit im Proberaum, um an Songs für ihr viertes Album zu arbeiten. Das wollen sie nun in naher Zukunft fertigstellen. Details zu Release-Termin und Titel fehlen deshalb aber noch. Mit ein paar neuen Songs, die bereits im Kasten sind, nahm sich das Quintett nun Zeit, einige Live-Termine zu spielen. Ihr einziger Deutschland-Termin führte sie dabei ausgerechnet ins Dortmunder FZW. Aber wer wären wir, uns darüber zu beschweren, wenn eine unserer Lieblings-Bands in unser schönes Bundesland kommt.

Pünktlich fanden wir uns am FZW ein, um ein wenig verwundert festzustellen, dass eine Karte an der Abendkasse nun knapp 10 Euro weniger kostete als noch im Vorverkauf. Da unterstützt man eine Veranstaltung, indem man früh eine Karte ordert und wird am Ende quasi dafür bestraft, weil man mehr bezahlen darf, als derjenige, der es auf gut Glück an der Abendkasse versucht.

Nun ja, unsere Verärgerung wich natürlich schnell wieder der Vorfreude auf den Abend mit Maxïmo Park. Unterstützt wurden die an von gleich zwei Bands der Gattung wenig vielsagende, harte Gitarrenmusik. Die erste davon, Japanese Voyeurs, spielten lauten, wenig originellen Grunge-Rock, der auch durch die seltsame Quietschstimme von Sängerin Romily Alice nicht wirklich an Qualität gewann. Sie schrie und sang sich in hoher Stimmlage durch die Songs des Debüts „Yolk“ und die Band begleitete sie mit krachigen Gitarren. Gegen härtere Gitarrenklänge haben wir nichts, wenn sie gut gemacht sind. Was die Briten hier allerdings zum Besten gaben, zeichnete sich weder durch Originalität noch durch Witz aus.

Nach dem wenig erquickenden Set der Band folgten Therapy?. Bei den seit 1989 aktiven Punkveteranen war die Halle dann auch gut gefüllt mit vielen Fans des Trios, die jeden Song der Nord-Iren durch lautes Mitsingen abfeierten. Das was die Band in etwas mehr als einer Stunde präsentierte, war wenig spektakulär. Einfacher Pop-Punk, mit Melodien zum gröhlen und abfeiern, der nicht unbedingt Lust darauf machte, sich einmal näher mit der Vergangenheit der Band zu beschäftigen.

Nach den Sets der beiden Bands fragten wir uns erst einmal, wer auf die Idee kommt, eine solche Mischung zu buchen. Aber sei’s drum, wir freuten uns auf die Band aus Newcastle. Die stand dann auch wie angekündigt kurz vor 11 auf der Bühne und legten sich mit „Girls Who Play Guitars“ vom zweiten Album „Our Earthly Pleasures“ gleich richtig ins Zeug. Das FZW ging direkt mit und konnte jedes Wort des Stücks mitsingen. Das sah beim folgenden „Wraithlike“ von „Quicken The Heart“ etwas anders aus. Die mangelnden Textkenntnisse machten die rund 1.000 Besucher jedoch durch engagiertes tanzen und moshen wieder wett. Maxïmo Park machten natürlich keinen Unterschied zwischen neuem und altem Material. Sänger Paul Smith sprang wie gewohnt wie ein Verrückter über die Bühne, ließ seine Hüften kreisen und schwang seinen Mikrofonständer.

Maximo ParkKeyboarder Lukas zeigte sich ähnlich bewegungsfreudig und vollführte gekonnte Moves mit und auf seinem Keyboard. An diesem Abend schien die gesamte Band besondere Spielfreude zu besitzen. Vielleicht auch, weil es der Hochzeitstag von Drummer Tom English war, wie Paul vor „The Penultimate Clinch“ anmerkte. Oder vielmehr deshalb, weil die Band nun im Vakuum zwischen zwei Alben ohne jeden Druck und große Erwartungshaltungen einfach drauflos spielen konnte. Deshalb fanden auch besonders viele (sieben) Songs von „A Certain Trigger“ und mit „I Want You To Leave“ sogar eine B-Seite aus dieser Zeit den Weg ins Set. Mit denen machten Maxïmo Park merklich nicht nur ihren Fans, sondern auch sich eine Freude machten. Auch, wenn Sänger Paul Smith bei „Kiss You Better“ den Einsatz versaute und ein junges Mädchen in der ersten Reihe fragen musste, wie die erste Zeile noch einmal war.

Dank Souffleuse schaffte er dann aber auch diesen Song und wurde mit großem Beifall belohnt. Den gab es natürlich auch für das gesamte Set, nach dem das Quintett nach etwas mehr als einer Stunde erstmals die Bühne verließ. Natürlich aber nicht, ohne noch einmal für drei Zugaben zurückzukehren. Darunter auch das neue Stück „Waves Of Fear“, das sich auch auf dem neuen Album der Band wiederfinden soll und der einzige Vorgeschmack auf neues Material bleiben sollte. Der Abschluss mit „By The Monument“ und „Apply Some Pressure“ wusste aber dafür mehr als zu entschädigen und hinterließ eine schweißgebadete, zufriedene Menge.

Ohne Frage, Maxïmo Park sind definitiv eine verdammt gute Live-Band, die jede Menge Hits mitbringt. Und wie „Waves Of Fear“ erahnen ließ, auch auf Album Nr. 4 liefern wird, um dann im nächsten Jahr hoffentlich wieder für eine Reihe energiegeladener Shows auf deutschen Bühnen vorbeizuschauen.

Setlist:

Girls Who Play Guitars
Wraithlike
The Coast Is Always Changing
Our Velocity
Questing Not Coasting
Postcard Of A Painting
The Kids Are Sick Again
Graffiti
I Want You To Leave
In Another World
Unshockable
Kiss You Better
The Penultimate Clinch
Limassol
Books From Boxes
Going Missing

Waves Of Fear
By The Monument
Apply Some Pressure

Galerie vom Abend bei Get Addicted, Fotos im Artikel (vom 2009er Konzert in Düsseldorf) von Frank (Pretty Paracetamol)

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