Konzertberichte

Maxïmo Park + The Maccabees, Hamburg, Stadtpark, 06. August 2009

Foto: Ariane WhiteTapes

Der Release des dritten Maxïmo Park Albums „Quicken The Heart“ liegt jetzt fast genau drei Monate zurück. So war das Konzert im Hamburger Stadtpark im Rahmen des „Open R“, nach der Warm-Up Show im März in Köln, den Konzerten in Belgien und den Niederlanden und dem Radio-Konzert in Münster, für uns das erste, bei dem die Eindrücke vom neuen Album bei den Fans im Vorfeld richtig sacken konnten. Inzwischen folgte auf die Vorab-Single „The Kids Are Sick Again“ die zweite Auskopplung „Questing Not Coasting“ und natürlich die Erkenntnis, dass Maxïmo Park auch mit Album 3 das hohe Niveau der Vorgänger voll halten konnten. Die Rahmenbedingungen hätten dann auch nicht besser sein können das Quintett aus Newcastle das letzte Mal vor der Tour im Herbst als Headliner zu sehen, das auch noch bei einem Open Air und Traumwetter. Hinzu kam dann mit The Maccabees, die vor ein paar Wochen mit „Wall Of Arms“ ein tolles zweites Album veröffentlichten, auch noch eine tolle Support-Band. Die kamen dann aber erst einmal, vermutlich aufgrund der Verkehrssituation in und um die Hansestadt zu spät zu ihrem Soundcheck, dessen Beginn sich dann mit dem Einlass überschnitt. Der Veranstalter hatte schließlich einen Zeitplan einzuhalten, da kann man nicht auf den Soundcheck des Supports Rücksicht nehmen. Das schien zumindest der Gedanke dahinter und so wurde der Einlass begleitet von „Love You Better“ vom aktuellen Album, das The Maccabees etwas irritiert ob der reinströmenden Menge dann noch zu Ende spielten, um sich unter leicht aufkommendem Applaus dann bis zum offiziellen Beginn von der Bühne zu verabschieden.

Zwischen Einlass und frühem Beginn des Konzerts um 19 Uhr folgte die Sonne konsequent ihrem Lauf entlang des Horizonts und strahlte gnadenlos zwischen zwei Bäumen auf das Veranstaltungsgelände, so dass der Abend bereits vor seinem Beginn zu einer Schweiß treibenden Angelegenheit wurde. Als The Maccabees dann die Bühne betraten hatte sich die Sonne glücklicherweise wieder so weit bewegt, dass ein paar Bäume wieder Schatten spendeten, davon hatte die Band allerdings wenig, die Sonne lachte ihnen beinahe frontal entgegen und erleichterte das Spiel wohl nicht gerade. Dennoch legten die beiden Gitarristen Hugo und Felix White beherzt los und zeigten sich von ihrer spielfreudigen Seite. Insbesondere Felix ging immer wieder Richtung Rasen und feuerte das Publikum an. Sänger Orlando Weeks hingegen bewegte sich maximal in einem Radius von einem Meter um sein Mikro und zeigte sich auch sonst mehr als zurückhaltend. So hatte er im Vergleich zu seinen Bandkollegen die Ausstrahlung einer Weinbergschnecke, was natürlich nichts am tadellosen Vortrag seiner Sangeskünste änderte. So zeigten sich The Maccabees während ihres knapp 30minütigen Sets durchaus sympathisch und auch kurzweilig, auch wenn der letzte Funke nie wirklich überspringen wollte.

Foto: Ariane WhiteTapes

Pünktlich um 20:30 Uhr und bei inzwischen milderer Sonneneinstrahlung auch auf der Bühne betraten Maxïmo Park die Bühne, Sänger Paul Smith trug seinen obligatorischen Borsalino und ein hellblaues Sakko über einem weißen Hemd. Eröffnet wurde das Set mit „Graffiti“ vom Debüt „A Certain Trigger“, das unmittelbar vom „Quicken The Heart“ Opener „Wraithlike“ gefolgt wurde. Von Beginn an rannte Sänger Paul Smith wie von einer der vielen rumfliegenden Wespen gestochen von links nach rechts über die Bühne und über die vor der Bühne befindliche Treppe Richtung Publikum. Der Rest der Band stand dem in nichts nach, so drosch Lukas Wooller, übrigens mit neuem Kurzhaarschnitt, gewohnt spielfreudig auf sein Keyboard ein und bewegte sich in jeder seiner Spielpausen Richtung Bühnenfront. Auch Gitarrist Duncan Lloyd zeigte sich ausgelassen, erklomm mal das Schlagzeug-Podest, spielte seine Gitarre über Kopf und lieferte sich einen Battle mit Bassist Archis Tiku. Wieder dabei auch das Megaphon, das Paul bei der ein oder anderen Gelegenheit zückte und Richtung Mikro hielt. Auf der aktuellen Tour zu „Quicken The Heart“ scheint das Quintett auch die älteren B-Seiten wiederentdeckt zu haben und so präsentierten sie das erste Mal seit langem endlich wieder den Song „A19“, ein Song der auch zu einem der Highlights des Sets werden sollte. Ungewohnt auch, dass sich „Apply Some Pressure“ sehr früh im Set wiederfand, nachdem das Stück schon zu so etwas wie dem obligatorischen Rausschmeißer geworden war.

Ein besonderes Highlight stellte dann wieder ein Song aus der Anfangszeit der Band dar, „Once, A Glimpse“ fand nämlich mitsamt aus Paul’s rotem Notebook vorgetragenen Lyrics wieder den Weg ins Set. Interessant anzusehen war im Anschluss bei „Let’s Get Clinical“ die neue Gitarre, die Duncan präsentierte. Ein gewöhnungsbedürftiges Modell mit dünnem Hals und kleinem Korpus, das ein wenig an eine alte Gitarre von Prince erinnerte. Hier kam dann auch erstmals richtig Bewegung in die Menge, die sich sonst auf’s auf der Stelle tanzen und vor allem lautes Mitsingen beschränkte. Auf „Let’s Get Clinical“ folgte mit „Books From Boxes“ der Song, der die Band in Deutschland dank massivem Radio-Airplay bekannter gemacht hat. Das Stück war auch genau an der richtigen Stelle platziert, denn so langsam ging die Sonne unter und verlieh der Zeile „Night Falls“ noch mehr Ausdruckskraft. Mit „Going Missing“ folgte noch eine Perle von „A Certain Trigger“. Dann hieß es kurz Pause, bevor Maxïmo Park für drei weitere Zugaben auf die Bühne zurück kehrten. Die erste davon sollte die aktuelle Single „Questing, Not Coasting“ sein, die dann vom gefühlvollen „Acrobat“ gefolgt wurde, das die Band das letzte Mal in Deutschland auf ihrer Tour 2007 gespielt hat. Ein Song, der live mit den aus dem roten Notizbuch vorgetragenen Spoken Words noch gewaltiger rüber kommt als auf CD und für einen herrlichen Gänsehautmoment gesorgt hat. „In Another World“, das die Band beim Souncheck, den Sänger Paul Smith wegen der starken Sonneneinstrahlung noch oben ohne bestritt, geprobt hatte fand leider nicht den Weg ins Set. Dafür wurde der Abend nach knapp 75 Minuten mit dem druckvollen „Our Velocity“ beschlossen. Jetzt heißt es nur noch warten auf die Herbst-Tournee und vielleicht noch weitere Überraschungen in Form alter B-seiten.

Setlist:

Graffiti
Wraithlike
The Penultimate Clinch
Girls Who Play Guitars
The Kids Are Sick Again
I Want You To Stay
Overland, West Of Suez
A Cloud Of Mistery
A19
By The Monument
Apply Some Pressure
Nosebleed
Limassol
Roller Disco Dreams
Once, A Glimpse
Let’s Get Clinical
Books From Boxes
Going Missing

Questing Not Coasting
Acrobat
Our Velocity

Fotos: Ariane WhiteTapes

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