Konzertberichte

Maxïmo Park + Pete and The Pirates, Brüssel, Ancienne Belgique, 17. Oktober 2009

Bereits im April machten wir uns Richtung Belgien auf, um Maxïmo Park bei ihrem Konzert in Antwerpen zu lauschen. Feststellung damals, das belgische Publikum ist eine ganze Spur entspannter als das deutsche und auch die Clubs sind kleiner als bei Konzerten der Band in Deutschland. Für uns stand also fest, sollte das Quintett aus Newcastle noch einmal in diesem Jahr in das Land der Pommes Frites und Waffeln kommen, sind wir natürlich dabei. Als das Konzert in Brüssel dann fest stand waren Karten auch schnell gebucht und die Vorfreude groß, denn die für die belgische Hauptstadt ausgewählte Location Ancienne Belgique fasst gerade einmal 2.000 Menschen, wenn beide Balkone geöffnet sind, im Gegensatz zu bis zu 10.000 Menschen, die in manche der für die Deutschland-Tour gewählten Locations passen.

Es versprach also vergleichsweise gemütlich zu werden, auch wenn 2.000 Fans schon eine Masse sind im Vergleich zu den Konzerten mit 50 Menschen, bei denen wir manchmal zugegen sind. Besonderer Clou des Abends sollte dann auch die Wahl der Vorgruppe sein, den Part übernahmen nämlich die großartigen Pete and The Pirates, die wir zuletzt im September 2008 sahen (und auch zum Interview baten). Etwas irritierend verlief dann neben den katastrophalen Verkehrszuständen der Einlass an der hübschen Konzertlocation mitten in der Innenstadt. Irritierend nicht etwa wegen seltsamen Personals, oder komischer Fans, sondern einfach wegen der schieren Masse an Menschen.

Die belief sich nämlich pünktlich zum Einlass auf etwa 10 Leute und sollte im Saal auch bis 10 Minuten vor Beginn auf nicht mehr als 50 Leute anwachsen. Die Veranstalter schienen damit gerechnet zu haben und so war der Saal in der Mitte und die Balkone mit einem schweren Vorhang getrennt, der mit kleinen Lichtern versehen war und im Halbdunkel zusammen mit den großen Lampen, die von der Decke hingen, eine schöne Atmosphäre zauberte. So fühlte sich der Saal dann auch trotz geringer Zuschauermenge zu Beginn nicht wirklich leer an. Dafür sorgten auch die vielen anwesenden Pete and The Pirates Fans, die von Beginn an laut jubelten und zwischen den Songs eifrig klatschten.

Schade war nur, dass der Sound mehr als komisch abgemischt war. Der auf CD (ja, wir haben noch so Silberscheiben) schon nicht wirklich überpräsente Gesang wurde so leise und hallend gemischt, dass er gegen die Gitarren und den Bass kaum eine Chance hatte und nur vage zu vernehmen war. Dafür sang das Publikum dann bei bekanten Songs, wie „Bright Lights“, „Come On Feet“ und besonders „Mr. Understanding“ umso lauter mit. Gerade die Melodie von „Mr. Understanding“ blieb bei allen noch lange im Kopf und wurde später am Abend in den Songpausen immer mal wieder angestimmt. Nach 35 Minuten waren Pete and The Pirates auch leider schon mit ihrem set durch und verabschiedeten sich unter lautem Applaus, um für eine kurze Umbaupause Platz zu machen.

Setlist Pete and The Pirates

Shotgun
Bright Lights
Motorbike
Good Girl
Little Gun
Bump
Not A Friend
Lost In The Woods
Come On Feet
Mr Understanding
Blood Gets Thick

Im Laufe des Sets von Pete and The Pirates füllte sich der Saal dann auch weiter und so standen vielleicht etwas mehr als 1.000 Fans vor der Bühne, als die einzelnen Mitglieder von Maxïmo Park nacheinander die Bühne betraten. Es war also genügend Raum zur freien tänzerischen Entfaltung gegeben. Den Beginn machte das Quintett mit der B-Seite „A19“, die noch aus „A Certain Trigger“ Zeiten stammt, aber natürlich dennoch, wie auch etwa beim Konzert im Hamburger Stadtpark vom gesamten Publikum aufgeregt aufgenommen wurde. Auf einen der ältesten Songs ließen Maxïmo Park, dann auch gleich zwei Stücke vom neuen Album „Quicken The Heart“ folgen, die noch eine Spur begeisterter aufgenommen wurde. Besonders das schnelle „Wraithlike“ heizte die Stimmung ein wenig mehr an.

Schade war aber auch hier, wie während des gesamten Sets, der wieder sehr schlecht abgemischte Sound. Die Instrumente waren alle sehr präsent, die Gitarre sogar etwas zu laut, der Gesang war dagegen jedoch viel zu leise und auch noch blechern abgemischt. Wenn Sänger Paul Smith diesen Umstand allerdings mit lauterem Singen zu ändern versuchte schien die Technik beinahe in die Knie gehen zu wollen, denn man bekam nur vereinzelte laute Silben zu hören. Also nahm er damit vorlieb in gewohnter Lautstärke zu singen. Der Energie seiner Perfomance tat das natürlich keinen Abbruch und so stürmte er in gewohnter Manier, wie ein Derwisch von einer Ecke der Bühne in die andere, schwang seinen Mikroständer, sprang auf die drei an den Bühnenrändern aufgebauten Podeste.

Auch das seit den Sommerfestivals zum festen Bestandteil der Bühnenshow gewordene Megaphon durfte natürlich nicht fehlen und stützte den Gesang bei einigen Songs. Der Effekt war aber dank des schlecht abgemischten Sounds nicht sonderlich beeindruckend, oder klar zu hören. Toll waren hingegen, wie das ja inzwischen dazu gehört bei Maxïmo Park, die kleinen Änderungen, die sie in Songs und die Setlist einbauen. Etwa die großartige B-Seite „That Beating Heart“, die bereits im März auf den Warm-Up Shows so begeistert aufgenommen wurde, fand sich in der Setlist wieder. Ein Song, der nicht zuletzt wegen des „gesanglichen“ Einsatzes von Bassist Achis Tiku sehr toll ist. Auch für den Song „Going Missing“ hatte sich das Quintett eine Variation einfallen lassen. Bassist Archis Tiku und Schlagzeuger Tom English verschwanden von der Bühne und ließen den Rest der Band für den Vortrag des Songs als Akustik-Version allein. Gitarrist Duncan Lloyd schnallte sich seine Akustik-Gitarre um und Keyboarder Lukas Wooller spielte statt Keyboard eine Melodica.

Dank der zurück gefahrenen Instrumentierung sollte dieser Song auch der erste an diesem Abend werden, bei dem auch der Gesang voll und klar zu hören war. Ein paar Songs später und nach den drei Hits „Books From Boxes“, „Apply Some Pressure“ und „Girls Who Play Guitars“ verabschiedeten sich Maxïmo Park dann von der Bühne. Die anschließende Pause sollte natürlich nicht lange währen und nach ein paar Augenblicken kehrte die Band zurück, um mit „Calm“ den besten Song ihres aktuellen Albums zu spielen. Auch das Stück „Acrobat“, ein für Maxïmo Park Verhältnisse beinahe experimentelles Spoken Words Stück fand sich in der Setlist wieder und scheint auch schon beinahe zum festen Bestandteil dieser geworden zu sein. Da man das Publikum aber nicht mit einem traurigen Song in die Samstag-Nacht entlassen kann folgte mit „Our Velocity“ dann noch eine zackige Up-Tempo Nummer, nach der sich Maxïmo Park dann nach einem unterhaltsamen und energiegeladenen Abend von der Bühne verabschiedeten und ihren Status als eine der besten britischen Live-Bands einmal mehr unterstreichen konnten.

Setlist Maxïmo Park

A19
The Penultimate Clinch
Wraithlike
Russian Literature
The Coast is Always Changing
A Cloud of Mystery
Karaoke Plays
The Kids Are Sick Again
Tanned
That Beating Heart
Going Missing (acoustic)
Let’s Get Clinical
The Unshockable
Questing, Not Coasting
Overland, West of Suez
Books From Boxes
Apply Some Pressure
Girls Who Play Guitars

Calm
Acrobat
Our Velocity

Fotos: Isabell Jankowski

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