Konzertberichte

Maxïmo Park + Leoniden, Übel&Gefährlich, Hamburg, 05. Dezember 2015

Maximo Park

Zehn – genau genommen zehneinhalb – Jahre sind nun schon vergangen, seit Maxïmo Park ihr Debüt-Album „A Certain Trigger“ veröffentlichten und damit nicht nur Teil einer Welle waren, sondern zu deren Speerspitze gehörten. Die Rede ist von einer Welle neuer britischer Musik, die zehn Jahre nach dem Brit-Pop den Kontinent eroberte, dabei jedoch nicht in der Tradition der 90er, sondern, in bester Tradition des 80er Jahre, Sounds von Bands, wie XTC, Gang Of Four, Joy Division, Wire und vielen anderen standen. Neben Maxïmo Park waren auch Bloc Party, The Rakes, Kaiser Chiefs, The Futureheads, Field Music und vor allem Franz Ferdinand Vorreiter dieser Bewegung. Die meisten dieser Bands gibt es heute noch, die wenigsten jedoch noch in Originalbesetzung und kaum eine noch mit dem Erfolg von damals.

Zehn Jahre sind nun einmal auch eine lange Zeit. Schaut man sich allein an, wie viele Bands es zum Beispiel überhaupt von 1985 bis 1995 durch gehalten haben und wie viele es von 1995 bis 2005 (Pulp? Fehlanzeige! Oasis? Geschichte. The Verve? Wieder vereinigt und dann wieder beerdigt.) geschafft haben, ist es schon ein starkes Zeichen, dass, bis auf The Rakes, alle der eben genannten Bands noch mehr oder weniger aktiv sind.

Allen voran eben Maxïmo Park, die das zehnjährige Jubiläum ihres Debüts nun zum Anlass nahmen, eine Jubiläumstour zu spielen, bei denen die Songs von „A Certain Trigger“ im Fokus stehen sollten. Nachdem zunächst nur eine UK-Tour bekannt gegeben wurde, kamen bald auch Termine in Deutschland und kurz darauf noch mehr UK-Termine hinzu.

Den Start in Deutschland machten Maxïmo Park dabei in Hamburg, wo der Herbst-Dom sich in der selben Nacht dem Ende zuneigen sollte. Deshalb und vielleicht auch weil es ein Samstag-Abend war, fand der Einlass ins ausverkaufte Übel&Gefährlich bereits um 18:30 Uhr statt. Nur eine Stunde später – die Locations war mittlerweile mehr als gut gefüllt – stand der Support auf der Bühne. Dabei handelte es sich nicht, wie ursprünglich angekündigt, um die Londoner Clock Opera, sondern um die junge Band Leoniden, deren Sound von manchen als Aggro-Pop bezeichnet wird. Das klingt noch nach dem besten, was man über die Band, in der manche Mitglieder anscheinend an ADS und anderen Problemen leiden, sagen kann (ernsthafte Sorge, kein grundloses Pöbeln. Kann bitte mal jemand nach dem Gitarristen sehen?). Nach ein wenig mehr als einer halben Stunde machten Leoniden dann auch schon Platz für den Umbau auf der Bühne des mittlerweile mehr als stickigen Clubs in der vierten Etage des Bunkergebäudes. Wobei stickig hier noch etwas wenig gesagt ist. Denn trotz um die 7 °C in Hamburg war es im Ballsaal des Übel&Gefährlich mittlerweile sommerlich heiß, mit einer Luft, die man schneiden konnte.

Doch zum Glück wurde ein wenig für Frischluft gesorgt und das Publikum von vorne mit kaltem Wasser versorgt, damit jeder für das Set von Maxïmo Park bei Kräften war.. Die standen relativ pünktlich um 20:30 Uhr auf der Bühne und sorgten direkt dafür, dass sich neben der Halle nun auch die Stimmung anheizte. Denn vor ihr Spezialset hatte die Band noch so etwas wie ein Greatest Hits gesetzt. Eine Ansammlung von Hits, mit der direkt klar war, Maxïmo Park waren da, um mit ihren Fans zu feiern und so war mit „Girls Who Play Guitars“, „Wraithlike“, „Our Velocity“ und anderen temporeichen Nummern, zu Beginn gleich Feierlaune angesagt. Das Publikum dankte es mit lautem Mitsingen und noch lauterem Applaus nach den Songs. Im ersten Konzertteil, der knapp 45 Minuten umfasste und bis auf „Leave This Island“ und der B-Seite “Wasteland”, kaum Zeit zum Durchatmen bot, zeigte sich auch, dass Maxïmo Park in den zehn Jahren seit dem Release von „A Certain Trigger“ weder Spielfreude, noch Energie eingebüßt hatten.

Einzig ihren Bassisten sieht man mittlerweile nicht mehr auf der Bühne. Archis Tiku ist bekanntlich nur noch als Studiomusiker für die Band aktiv, Paul Rafferty von Hot Club de Paris füllt diese Lücke live aber bekanntlich schon seit fast vier Jahren mehr als gekonnt und so ertappten wir uns nur kurz dabei, wie wir beim zweiten Konzertteil kurz fast wehmütig Richtung Bass schauten. Der Nostalgie halber, wäre ein kleines Comeback von Archis Tiku an dem Abend die Kirsche auf dem Sahnehäubchen gewesen.

Das ist aber auch nur ein mickrig kleiner Makel am Jubiläumsteil des Abends, bei dem Maxïmo Park nach kurzer Umziehpause, ihr Debüt „A Certain Trigger“ in voller Länge spielen sollten. Für den Beginn dessen bekam Drummer Tom English beim Opener „Signal & Sign“ direkt seinen großen Auftritt in Form eines Drumsolos, während dem der Rest der Band sich nach und nach zu ihm gesellte. Wäre die Stimmung nicht zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt gewesen, hätte spätestens das folgende „Apply Some Pressure“ dazu geführt. Das wurde jedoch so sehr gefeiert, dass die Stimmung unentwegt hoch blieb, weshalb Sänger Paul Smith in den Songpausen teils nur zu einem breiten Grinsen und einem „Thank You“ fähig war, bevor die Band mit hohem Tempo weiter spielte.

Zehn Jahre haben der Band also wenig anhaben können und die Reaktion des Publikums bei Stücken wie „Limassol“, „The Coast Is Always Changing“, „The Night I Lost My Head“ und dem Rest von „A Certain Trigger“, zeigte, dass auch die Liebe der Fans nicht abgeflacht war. Jede Note wurde gefeiert und Maxïmo Park nach insgesamt 90 Minuten bejubelt, als stünde dort eine Band der Ausmaße The Cure auf der Bühne. Durchatmen konnte man kurz vor Schluss dann bei der Ballade “Acrobat”, einem langsamen Stück, das spärlich instrumentiert allein vom gesprochenen Text lebt. Das Ende des Sets markierte natürlich der Albumcloser „Kiss You Better“, dem tosender Applaus und noch lauterer Jubel folgte, was erst zehn bis fünfzehn Minuten abebben wollte, als das Mikrofon von Paul Smith eingeklappt wurde. Eine Zugabe gab es nicht. Wozu aber auch. Der Abend markierte einen Tourbeginn, den Fans und Band so schnell nicht vergessen werden, denn auch die fünf Musiker konnten sich nach der letzten Note kaum von der Bühne lösen, strahlten, winkten und drehten sich immer wieder um, als könnten sie es nicht glauben.

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