Konzertberichte

Maxïmo Park, Köln, Gebäude 9, 03. März 2009

Es gibt Traditionen, die möchte man auf keinen Fall missen. Eine davon ist die von Maxïmo Park vor wichtigen Warm-Up Shows zu spielen. Im letzten Jahr spielte sich die Band in Nijmegen für ihre Festival-Tour warm, dieses Jahr wurde sogar ein noch besserer Grund gefunden, der Release des Albums „Quicken The Heart“ am 8. Mai nämlich, den die Band mit einigen kleinen Konzerten vorbereiten möchte, ein Genuss, in den nur das europäische Festland kommt, in der Heimat tourt das Quintett dann bereits durch Arenen. Bis dahin sollen die neuen Songs natürlich auch sitzen, so spielten wir auch gern Versuchskaninchen für die Band und ließen einige neue Songs an uns ausprobieren.

In klassicher Maxïmo Park Warm-Up Manier gab es dann auch keinen Support, sondern nur Paul Smith und seine Mannen, die ab 21:30 Uhr das Gebäude 9 zum beben brachten. In anderen Teilen der Stadt sollen Gebäude eingesetürzt sein und Brauereien gebrannt haben, in Mühlheim sollte das für die nächsten 75 Minuten niemanden kümmern. Hier zählten nur fünf junge Männer aus Newcastle, die ihr Set mit „The Kids Are Sick Again“ eröffneten. Kein klassischer Opener, aber dennoch als solcher gewählt, da der Song wohl die erste Single von „Quicken The Heart“ darstellen wird. Langsam schleicht sich der Song an das Publikum heran, um gegen Ende etwas das Tempo anzuziehen und die ersten Schweißtropfen auf der Stirn schimmern zu lassen. Die sollten sich noch vermehren, denn mit „Our Velocity“ folgte ein Lied vom Vorgänger-Album „Our Earthly Pleasures“, das es vom Tempo und dem daraus resultierenden Bewegungsdrang des Publikums in sich hat. Mit diesem Wechsel ging es auch weiter. Auf einen neuen folgte fast immer ein alter Song, so dass auch das Publikum stets zwischen andächtig lauschend, um möglichst viel vom neuen Song aufzusaugen, und ausgelassen tanzend hin und herwechselte. Sänger Paul Smith interessierte das wenig, der sprang von Anfang an wild herum, wedelte mit den Armen, ließ sein Becken kreisen, stürmte von einer Ecke der Bühne in die andere und rollte wie besessen mit den Augen. Auch der Rest der Band zeigte eine ungemeine Spielfreude und lauerte besonders bei den neu(er)en Stücken auf die Reaktionen des Publikums.

Foto: Ariane WhiteTapes

Beim neuen Material stach besonders heraus, dass Maxïmo Park konsequent auf Weiterentwicklung gesetzt haben. Keines der neuen Stücke klang wie ein Abklatsch der Songs auf „A Certain Trigger“, oder „Our Earthly Pleasures“, sondern war deutlich als eben neuer Song zu erkennen. Natürlich klangen sie dennoch nach Maxïmo Park’s unverkennbarer Soundwelt, nur dass inzwischen sogar die Balladen als solche zu erkennen sind, so dass etwa der Song „I Haven’t Seen Her In Ages“ zwar druckvoll aber auch herzzereißend schön daher kam. Den nun langsamer gewordenen „Balladen“ (wenn man das bei Maxïmo Park überhaupt so nennen kan) standen unter den neuen Songs dann umso punkigere, schnellere Nummern entgegen. Bestes Beispiel dafür war „The Penultimate Clinch“ mit einer Schrammelgitarre, die etwas an die Rakes erinnerte und einem etwas längeren Gesangspart von Keyboarder Lukas Wooller. Die Gesangsparts sind zudem noch ein weiteres Merkmal der neuen Songs, neben Lukas Wooller und Duncan Lloyd, der nun noch lauter mitsingen darf (was wohl auch am Mischer lag) übernahm sogar Bassist Archis Tiku bei „That Beating Heart“ einen Teil der Backing-Vocals. Ein Song, der auf Anhieb in Beine und Ohren ging und sich da auch noch eine Weile nach dem Konzert festsetzte. Seltsamerweise findet er sich laut Aussage der Band nicht auf dem Album wieder und so wird er sich wohl zu den B-Seiten der Band gesellen müssen, unter denen sich mit „A19“ und „I Want You To Leave“ schon seit Release des ersten Albums echte Hits befinden.

Nach 75 Minuten blieb die Gewissheit, sich keine Sorgen um die Qualität des dritten Maxïmo Park Machwerks machen zu müssen und jene, dass das Quintett aus dem Nordosten Englands nach wie vor eine der besten Live-Bands der Insel ist.

Foto 1: Pressfreigabe
Foto 2: Ariane WhiteTapes

Discussion

Comments are closed.

Archive