Konzertberichte

Maxïmo Park + Blood Red Shoes, Philipshalle, Düsseldorf, 22. Oktober 2009 und Pier 2, Bremen, 23. Oktober 2009

Kurz vor dem Start ihrer Deutschland-Tour spielten Maxïmo Park bereits einige Daten in den Benelux-Staaten, darunter auch ein Konzert in Brüssel. Trotz großartigem Vorprogramm mit Pete And The Pirates und einer schönen Location war das Ancienne Belgique nur knapp zur Hälfte ausverkauft. Mit Hinblick auf die Deutschland-Termine, die in Hallen mit einem Fassungsvermögen von knapp 10.000 Leuten angesetzt waren, versuchten wir das nicht als schlechtes Vorzeichen zu sehen, bekamen diesen Gedanken aber auch nicht wirklich aus dem Kopf. So waren wir dann auch leider wenig überrascht, als zum Einlass vielleicht hundert Fans an den Türen warteten. In der Philipshalle waren dann auch die Oberränge komplett abgehängt, die hintere Tribüne ein ganzes Stück nach vorn geschoben und im hinteren Teil auch einige Bereiche mit Vorhängen abgetrennt. So war die nur wenig ausverkaufte Halle dann während des Einlasses auch nicht ganz so traurig anzusehen. Warum Maxïmo Park überhaupt in eine Halle dieser Größe gebucht wurden war uns bereits im Vorfeld ein Rätsel, sollte unsere Stimmung aber nicht weiter trüben. Lieber den Blick nach vorn und auf die Vorgruppe gewartet. Ursprünglich waren für diesen Part die Friendly Fires vorgesehen, die vielleicht noch für einen etwas größeren Ansturm gesorgt hätten. Allerdings waren wir wenig traurig, als die Friendly Fires absagten, denn als Ersatz waren die tollen Blood Red Shoes gebucht. Im Sommer beim Festival de Affaire in Nijmegen hatten die schon einige neue Songs vorgestellt, auf die wir uns an diesem Abend besonders freuten.

Zu Beginn des Sets sagte Schlagzeuger Steven dann auch „Wir haben die Songs unseres ersten Albums jetzt schon so oft gespielt, dass wir heute lieber nur neue Stücke spielen möchten“. Taten sie auch und legten von Beginn an mit einer Energie los, als wäre das ihr Headlining-Konzert. Besonders Steven drosch beherzt auf die Tierhäute ein. Laura-Mary zeigte sich an der Gitarre zu Beginn noch etwas zurückhaltender, taute mit fortschreitendem Set aber immer mehr auf. Die neuen Stücke der Blood Red Shoes machten auch beim zweiten Hören eine gute Figur und liefern einen schönen Vorgeschmack auf das zweite Album der Band, das Anfang 2010 erscheinen soll. Abgerundet wurde der Auftritt der 2 durch das starke „I Wish I Was Someone Better“ vom Debüt der Band, das auch das erste Lied sein sollte, bei dem das Publikum schon zu Beginn freudig jubelte. Nach dem Set folgte dann eine 30-Minütige Umbaupause, in der sich die Halle noch Kleckerweise ein wenig mehr füllte. So warteten dann vielleicht 4.000 Musikfreunde auf den ersten Auftritt von Maxïmo Park in Düsseldorf seit vier Jahren.

Damals trug Paul Smith noch keinen Hut, sondern noch einen streng gegelten Seitenscheitel. Der Anzug ist jedoch geblieben, das Haar aber nicht mehr gegelt, sondern allein durch seinen Borsalino gebändigt. Eines hat sich auch nicht geändert, die Energie nämlich, mit der die Band ab der ersten Minute die Bühne füllen. Dafür hatten sie zur Eröffnung auch gleich einen Klassiker mitgebracht, „A19“ nämlich vom 2005er B-Seiten Album „Missing Songs“. Die Energie wollte allerdings nicht so ganz auf das Publikum überspringen, das tanzte eher verhalten für sich auf der Stelle. Aber das ist auch kein Problem, schließlich fragten wir uns schon immer, wie man eigentlich zu einem eher ruhigen Song, wie „Books From Boxes“ ernsthaft moshen kann. Das tat auch erst einmal kleiner, dennoch sah man während der ersten Minuten in viele glückliche Gesichter. Besonders „Russian Literature“ vom zweiten Album „Our Earthly Pleasures“ erntete direkt Szenenapplaus, wenn man das bei einem Lied so nennen kann. Noch toller dann „Signal And Sign“, der Opener des Debüts „A Certain Trigger“. Nettes zusätzliches Detail am Rande dazu noch kleine Filmchen, die auf die Leinwand hinter der Band projeziert wurden. Was die Jungs dazu geritten hat für „Signal And Sign“ gerade eine Spinne zu filmen, die sich in einer Lampe verkriecht, wissen wohl nur sie selbst, aber sei’s drum.

Paul Smith selbst war jedenfalls sichtlich stolz als er auf die Filmchen hinwies und fragte, ob sie auch jedem gefielen. Aber wer konzentrierte sich schon darauf, der Hüpffrosch aus Newcastle war doch viel interessanter. Mit ihm mithalten konnte nur Lukas Wooller am Keyboard, der in seinen Spielpausen immer wieder umhersprang, bei seinem Spiel sein Keyboard schräg stellte und sogar auch drauf herumsprang. Sogar der sonst so ruhige Bassist Archis Tiku ließ sich zu ausgelassenen Tanzschritten hinreißen. Die Band war also sichtlich gut gelaunt und bemühte sich durch ihr Spiel die Halle so wirken zu lassen, als sei jeder Platz gefüllt. Bei „The Unshockable“ schienen dann auch die Dämme zu brechen und das Publikum begann sich wellenförmig zu bewegen. Dem standen Maxïmo Park natürlich besonders durch die Bühnenpräsenz von Paul Smith in nichts nach und so tanzte er, wie ein wildgeworderner Aerobic-Vorturner vor der Menge. Die zweite Konzerthälfte zeigte sich dann auch mit einer größeren Hit-Dichte und dürfte dank Songs, wie „Apply Some Pressure“, „Girls Who Play Guitars“ und „Our Velocity“ eigentlich keine Wünsche offen gelassen haben. Nach knapp 75 Minuten verabschiedete sich das Quintett dann durchgeschwitzt (im Falle von Sänger Paul Smith so sehr, dass sein blaues Hemd nun eher schwarz war) und mit einem breiten Grinsen. Für uns blieb die Gewissheit, dass auch vier Jahre nach ihrem letzten Besuch in Düsseldorf die Band zu überzeugen wusste. Einzig den Umstand, warum es ihnen gelang nur so wenige Leute in diese riesige Halle zu ziehen wollten wir nicht so recht begreifen. Aber das bedeutet dann eben, dass Maxïmo Park auf ihrer nächsten Deutschland-Tour nicht in ganz so großen Locations spielen, was auch gut so ist.

Einen Tag später in Bremen sollte sich die Szenerie ähnlich gestalten. Wie erwartet war auch das Konzert im Pier 2 leider nicht einmal zur Hälfte ausverkauft, was bedeutete, dass der Balkon nicht zugänglich gemacht wurde und sich vielleicht 2.000 Menschen im Innenraum drängten. Gut, drängten ist eindeutig der falsche Ausdruck, denn es gab viel Raum zur freien Entfaltung für jeden der Anwesenden. Unter denen schien es noch nicht die Runde gemacht zu haben, wer als Ersatz für die Friendly Fires das Vorprogramm bestreiten würde, so riefen dann einige der Fans nach dem ersten Lied laut „What’s your name?“, was die Blood Red Shoes aber wohl überhörten. Natürlich stellte Steven dann doch irgendwann die Band vor, das tat er auch fast genau wie am Vortag: „Hallo, wir sind die Blood Red Shoes und wir spielen heute einige neue Lieder“. Ein paar Lieder später wieder die Frage von hinten „What’s your name?“, was die Band wohl wieder nicht hörte, aber Steven’s Vorstellung hat ja auch offensichtlich nichts gebracht gehabt. Steven schien an diesem Abend in Bremen noch etwas besser drauf als am Vortag, nur Laura-Mary wirkte etwas abwesend und starrte die meiste Zeit an einen Punkt weiter hinten in der Halle.

Während des Sets von Maxïmo Park kam sie kreidebleich aus dem Backstage-Bereich, was wohl auch die Erklärung dafür ist, warum sie während ihres Sets nicht wirklich auf der Höhe schien. Umso höher ist es dem Duo anzurechnen, dass sie wieder ein energiegeladenes Set spielten. Diesmal sogar mit 2 alten Songs, neben „I Wish I Was Someone Better“ hat es auch noch „It’s Getting Boring By The Sea“ ins Set geschafft. Anders bei Maxïmo Park, deren Setlist war wieder identisch mit der vom Vortag. Die Energie auch, zumindest bei Sänger Paul Smith und so ging das Publikum ab der ersten Minute ausgelassen mit. Einzig seine Band schien etwas reservierter als noch in Düsseldorf, bei Duncan und Archis fanden die Bewegungen in einem weitaus kleineren Radius statt, selbst Lukas nahm sich an seinem Keyboard etwas zurück. Paul rannte dafür umso mehr, als wolle er diesen Umstand kompensieren. So japste er dann bei der letzten Zugabe „Our Velocity“ gegen Ende nur noch Textfetzen ins Mikro und ließ sich an dessen Ende erschöpft zu Boden sinken. Erstaunlich war auch wieder, wie es eine Band an zwei Tagen hintereinander mit der identischen Setlist immer noch schaffen kann so zu begeistern. So freuen wir uns denn nun auch auf das Konzert in Frankfurt. Eindrücke vom Konzert in Berlin gibt’s übrigens bei Nicorola nachzulesen.

Setlist Maxïmo Park:

A19
The Penultimate Clinch
Wraithlike
Russian Literature
Signal And Sign
Questing, Not Coasting
Roller Disco Dreams
Karaoke Plays
A Cloud Of Mystery
The Kids Are Sick Again
That Beating Heart
Going Missing (akustisch)
I Haven’t Seen Her In Ages
The Unshockable
Let’s Get Clinical
Books From Boxes
Apply Some Pressure
Girls Who Play Guitars

Calm
Acrobat
Our Velocity

Fotos: Frank (Pretty Paracetamol)
Bildergalerie Bremen bei Bremen Vier

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