Konzertberichte

Maxïmo Park + Blood Red Shoes, Jahrhunderthalle, Frankfurt, 28. Oktober 2009

Es ist wohl kein wirkliches Geheimnis mehr, dass wir große Fans von Maxïmo Park sind, so war es natürlich auch selbstverständlich, dass wir mindestens ein Konzert der aktuellen Tour besuchen, um darüber zu berichten. Nachdem sie beim Konzert in Brüssel so sehr überzeugten und auch die Konzerte in in Düsseldorf und Bremen trotz nur halbvoller Hallen mit gewaltiger Energie von der Band zum Besten gegeben wurden, entschlossen wir uns spontan der Band auch noch bei ihrem Tour-Abschluss in Frankfurt einen Besuch abzustatten. Also auf in Richtung fünftgrößter Stadt Deutschlands. Vor der Jahrhunderthalle – die wie wir auf einer Tafel am Eingang lernten, 1963 zur Feier des 100 jährigen Jubiläums der Höchster Farbwerke erbaut wurde – warteten kurz vor Einlass vielleicht 100 Fans, um ins Foyer gelassen zu werden. Ein Bild, das wir so bereits von den anderen Konzerten dieser Tour kannten und wieder bestätigte, dass Maxïmo Park zwar die beste Band der 2005er Welle britischer Bands sind, deshalb aber noch lange nicht in übergroße Hallen gehören müssen. Gedanken, ob daran auch noch zusätzlich das von vielen Fans nur mit mäßiger Begeisterung aufgenommene dritte Album schuld ist, wollen wir nicht weiter nachhängen, führen wohl auch zu nichts.

Pünktlich wie auf der gesamten Tour standen dann auch um 20 Uhr die Blood Red Shoes auf der Bühne. Laura-Mary, die bereits beim Konzert in Bremen kränkelte war noch eine Spur blasser und kaum präsent, spielte aber dennoch ein souveränes Set vor einer in der Zwischenzeit vielleicht zur Hälfte gefüllten Halle. Wer nicht da war, hatte eben Pech und den besten Auftritt des Duos auf der Tour mit Maxïmo Park verpasst. Denn was den beiden, die sichtlich kränkelten, an Gesundheit fehlte, kompensierten sie nämlich durch ein druckvolles Set. Unter den vielen neuen Songs, welche die Blood Red Shoes wieder ganz selbstbewusst zum Besten gaben kristalisierte sich dann sogar ein richtiger Hit heraus. Ein Stück mit hübscher, ruhiger Gitarrenmelodie, bei dem Laura-Mary den Gesangspart fast komplett allein übernahm. Mit diesen Songs müssen sich die Blood Red Shoes auf jeden Fall keine Sorgen um den Erfolg ihres zweiten Albums machen.

Es folgte zum Abchluss noch das obligatorische „I Wish I Was Someone Better“ und eine Umbaupause mit Ladytron vom Band. Während dieser füllte sich die Halle auf vielleicht die Hälfte ihres Fassungsvermögens füllte. Punkt 21 Uhr stürmten Maxïmo Park dann die Bühne der Jahrhunderthalle um ihren Tour-Abschluss gebührend zu begehen. Das taten sie wie auf der gesamten Tour mit „A19“ als Opener. Der Hörgenuss wurde zunächst aber etwas getrübt, denn die Bass-Drum und auch der Bass von Archis Tiku sorgten für ein lautes Dröhnen aus den Boxen, das für viele der Besucher wohl auch mehr als nur eine unangenehme Nebenerscheinung war. Die obligatorischen Oropax, die wir als gesundheitsbewusste Konzertgänger trugen schwächten das Dröhnen so weit ab, dass wir es eigentlich gar nicht so schlimm empfanden. Die Techniker versuchten in der Folge auf Hinweise von Sänger Paul Smith, dem das Dröhnen offensichtlich durch seine In-Ear-Monitore wohl das Trommelfell durchzublasen drohte, fleißig das Problem zu beheben. Zunächst mit wenig Erfolg, aber irgendwann fanden sie einen guten Mittelweg. Der Klang war dadurch nicht brillant, aber augenscheinlich für alle zu ertragen.

Im Vergleich zu den Abenden in Düsseldorf und Bremen hatten Maxïmo Park nun auch ihre Setlist etwas variiert. So fanden sich nun auch das tolle „By The Monument“ von „Our Earthly Pleasures“ und „The Night I Lost My Head“ vom Debüt „A Certain Trigger“ im Set wieder. Die Energie der Band war jedoch die gleiche, wie zuvor. Es gab kaum eine Sekunde, in der man Paul Smith mal still stehend gesehen hätte. Auch der Rest der Band, insbesondere Keyboarder Lukas Wooller, ackerte wieder auffällig viel. Lukas nutzte beinahe jede Spielpause, um in einem kleineren Radius auf der Bühne zu tanzen, Luftgitarre zu spielen, oder auch das ein oder andere Mal anfeuernd auf sein Keyboard zu klettern. In den ersten Reihen wurde dieser Einsatz auch mit ausgelassenem Tanzen dankbar aufgenommen. Schon nachmittags hatte Paul Smith Bedenken bezüglich des Konzertverlaufs geäußert, da seine Stimme etwas angeschlagen sei. Mit fortschreitender Dauer des Sets machte sich das dann auch bemerkbar. Er sei heute morgen heiser aufgewacht, erklärte er dann auch den Ausfall seines „Arbeitsgeräts“, bevor er mit seiner Band die beiden Zugaben „Calm“ und „Our Velocity“ anstimmte. Aus diesem Grund fehlte dann leider auch „Acrobat“ unter den Zugaben, hätte sich mit Paul’s  krächziger Stimme aber bestimmt auch seltsam angehört. Das Ende nach nur zwei Zugaben quittierten zwar ein paar Fans mit Buh-Rufen, die aber sehr schnell durch überschwänglichen Jubel der restlichen Anwesenden übertönt wurden. So hinterließen Maxïmo Park auch bei ihrem Tour-Abschluss wieder einen durchweg guten Eindruck, der durch Sound- und Stimm-Probleme zwar nicht ganz perfekt, aber dennoch absolut fesselnd war. So freuen wir uns jetzt schon auf die nächste Tour des Quintetts aus Newcastle, dann auch bestimmt wieder in angemessenen Hallen.

Setlist

A19
The Penultimate Clinch
Wraithlike
By The Monument
Signal And Sign
A Cloud Of Mystery
Karaoke Plays
The Kids Are Sick Again
The Night I Lost My Head
Questing, Not Coasting
Tanned
That Beating Heart
Going Missing (akustisch)
Let’s Get Clinical
The Coast Is Always Changing
Books From Boxes
Apply Some Pressure
Girls Who Play Guitars

Calm
Our Velocity

Fotos (vom Konzert in Düsseldorf) von Frank (Pretty Paracetamol)

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