Konzertberichte

Maxïmo Park – Album 3, 3 Tage, 3 Städte, 3 Konzerte

Foto: Myspace der Band

Mitten in den Vorbereitungen zum Release ihres neuen Albums „Quicken The Heart“ spielen Maxïmo Park derzeit einen Warm-Up Gig nach dem nächsten. Nach Konzerten in Deutschland, Italien und einigen Osteuropäischen Ländern waren nun auch die Benelux-Staaten an der Reihe. Als grenznahe Münsterländer für uns beinahe Heimspiel und ein guter Grund, einmal eine Art Betriebsausflug zu machen. Pünktlich am ersten April fanden wir uns dann auch in den Hallen eines Jugendclubs, Trix genannt, im beschaulichen Antwerpen wieder.

Anders als noch beim Konzert in Köln startete die Band nicht mit der neuen Single „The Kids Are Sick Again“, sondern eröffnete mit einem alten Hit. „Graffiti“ sollte die Stimmung vom Start weg anheizen, das gelang natürlich und die 423 Anwesenden (es war ausverkauft und laut Feuerschutzbestimmungen, die groß an der Wand hingen waren genau 423 Besucher zugelassen – Anm. d. Red.) tanzten fröhlich mit. Besonders spannend zu beobachten war hierbei die völlig andere Mentalität belgischer Zuschauer. Während das deutsche Publikum sich selbst bei ruhigen Maxïmo Park Stücken, wie „Going Missing“, oder „Books From Boxes“ wellen- und ruckartig von einer Seite zur anderen bewegt und die ersten Reihen der Atemnot nahe meist versuchen die Hand von Sänger Paul Smith zu berühren, war derlei Verhalten in Antwerpen überhaupt nicht zu bemerken. Hier wurde natürlich ausgelassen geklatscht und auch im Takt mitgetanzt, aber die Gefahr einer Atemnot in den vorderen Reihen bestand nie, was für ein Maxïmo Park zur Abwechslung einmal extrem angenehm war. Das Set bestand, wie bereits in Köln aus einer ausgewogenen Mischung aus alten und neuen Stücken. Unter den neueren stachen dabei in knapp 75 Minuten Set insbesondere die Songs „Questing, Not Coasting“ und „Let’s Get Clinical“ hervor. Besonderes bejubelt wurden aber natürlich bekannte Stücke, wie „Our Velocity“ und das überraschenderweise auf der Setlist befindliche „The Night I Lost My Head“. Sichtlich peinlich war dem Quintett, als es sich bei „A Fortnight’s Time“ so verspielte, dass sie den Song abbrechen mussten. Einer Entschuldigung folgte dann aber eine weiterhin energiegeladene und für Maxïmo Park übliche professionelle Show, die mit der finalen Zugabe „Apply Some Pressure“ ihr Ende fand und gewohnt viele zufriedene Gesichter hinterließ.

Foto: Ariane WhiteTapes

Die Fortsetzung unserer kleinen Maxïmo Park Reise folgte dann nur zwei Tage später im flachen Nachbarland. Per Zufall hatten wir erfahren, dass die Jungs um Paul Smith vor ihrem abendlichen Konzert in Utrecht noch ein kleines Radiokonzert beim Lokalsender BNN geben werden. Da fackelten wir natürlich nicht lange und machten uns auch dahin auf nach Hilversum, einem Städtchen etwas nördlich von Utrecht. Nach einigem Warten im extrem warmen Foyer des Gebäudes führte man uns dann über mehrere Treppen in ein großes klimatisiertes Studio, in dem Radiosendung und Performance aufgenommen werden sollten.

Foto: Ariane WhiteTapes

Nach einer kurzen Anmoderation und einem Hallo von der Band, verschwanden diese wieder aus dem Studio, um nach ca. 20 Minuten wieder zum Einsatz zu kommen. Einer Fragerunde mit Sänger Paul un Drummer Tom folgte dann mit „I Haven’t Seen Her in Ages“ auch das erste Lied. Die Besonderheit an der Performance war natürlich die Band auch einmal semi-akustisch zu sehen. Die Reduzierung auf Akustikgitarre, statt elektrischer und einer Rassel, statt eines Drum-Kits ließen den Song einmal ganz neu erblühen und gewährten einen neuen Einblick in die Live-Qualitäten der Band, die auch auf diese Weise überzeugen konnte. Was auf den Song folgte waren wieder unendlich viele An- und Abmoderationen, die aufgezeichnet wurden und wieder ein Kurz-Interview mit der Band, die kurz danach dann wieder mit zwei Stücken brillierte. Das erste „Questing, Not Coasting“ war dann in der semi-akustischen Version noch eine Spur schöner, als die Live-Version und zeigte, dass dieser Song auch einer der Hits auf „Quicken The Heart werden dürfte. Mit „Books From Boxes“ sollte dann der vorletzte Song folgen. Es folgte wieder eine Fragerunde mit der Band, dieses Mal standen ein kurzes Quiz und Publikumsfragen auf dem Programm, bevor Maxïmo Park ihren Auftritt mit der neuen Single „The Kids Are Sick Again“ beschlossen. Die ganze Show kann man sich übrigens noch bis Samstag hier anhören.

Foto: Ariane WhiteTapes

Nach diesem wirklich sehr schönen Zeitvertreib am Freitagmittag ging es dann für uns und die Band weiter nach Utrecht, wo wir an den Grachten mitten in der historischen Altstadt nach einigem Suchen das Tivoli fanden. Die Band war schneller, die waren aber auch offensichtlich an diesem Tag schon einmal dagewesen. Zur Abwechslung begann die abendliche Show im Tivoli dann mit einer Vorband. Leider müssen wir an dieser Stelle sagen, denn die 45 Minuten, welche die niederländische Band HSSLHFF auf der Bühne spielten zeigten unsäglichen Männerschwanzverlängerungsrock. Das Set wurde zu allem Überfluss auch noch mit einer wahrlich unsäglichen Version von „Love Buzz“ beschlossen. Besonders traurig, da genau heute vor 15 Jahren der König der „Love Buzz“ Cover Kurt Cobain tot aufgefunden wurde. Aber lassen wir das einmal beiseite und widmen uns den schönen Dingen, in diesem Fall Maxïmo Park Konzert Nummer 3 in 3 Tagen.

Foto: Ariane WhiteTapes

Das wurde wie bereits in Antwerpen mit „Graffiti“ eröffnet, zeigte dann aber einmal mehr eine komplett umgestellte Setlist. So fand sich nun wieder das bereits in Köln sehr tolle „The Penultimate Clinch“ in der Show wieder. Darauf folgte das auch sehr toll „In Another World“. Mit „Under A Cloud Of Mistery“ sollte auch wieder der Track im Set sein, den Paul Smith bereits in Antwerpen als „First Offiicial Maximo Park Disco Song“ bezeichnete. Das Publikum an diesem Abend erinnerte wieder an deutsche Verhältnisse und schwankte von links nach rechts und immer nach vorne. Bei den alten, aber auch bei den neueren Stücken. Die schienen so langsam gelernt und vor allem akzeptiert zu sein. Auch „A Fortnight’s Time“ klappte an diesem Abend einwandfrei, so dass insbesondere Keyboarder Lukas Wooller am Ende zufrieden lächelte. Das taten nach knapp 75 Minuten und der einmal mehr finalen Zugabe „Apply Some Pressure“ aber auch alle Anwesenden. So wuchs die Vorfreude auf „Quicken The Heart“ ein wenig mehr und zeigte auch, dass Maxïmo Park live auch bei drei Shows an drei Tagen einfach nicht langweilig werden.

Fotos: 1 Pressefreigabe, Rest Ariane WhiteTapes

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