Konzertberichte

Martin & James + Oh, Napoleon, FZW, Dortmund, 15. Mai 2011

Ziemlich überrascht betrat ich das Dortmunder FZW. Ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet bei einem Konzert von Martin & James so vielen Menschen zu begegnen. Nicht, weil ich es ihnen nicht gönnen würde, sondern weil Bands eines ähnlichen Kalibers meistens weniger Publikum anziehen. Aber der Laden war richtig voll. Also erst ein Mal nach vorne durchkämpfen, um auch für die Vorband eine gute Position zu erwischen. Mit Oh, Napoleon haben sich Martin & James nämlich ziemlich gute Gesellschaft mit auf Tour genommen. Die Band aus Krefeld ist bekannt für tollen Indie-Pop. Diesen trugen sie am Sonntag ausnahmsweise akustisch vor. Passt ja besser zu Martin & James… passt aber auch zu Oh, Napoleon. Die sonst fünfköpfige Besetzung war auf drei Köpfe reduziert. Sie ernteten ziemlichen Beifall und konnten neben den Songs der bereits veröffentlichten, selbstbetitelten EP auch neue Stücke präsentieren. Eine wunderbare Einführung für diesen Abend, so dass es fast schon schade war die drei Musiker von der Bühne gehen zu lassen.

Aber wir hatten ja noch etwas vor. Martin & James betraten unter ziemlich heftigen Applaus die Bühne. Zuerst noch zu zweit, holten sie sich bald Verstärkung an Bord. Die Songs wurden um Bass und Schlagzeug ergänzt. Das ganze FZW bebte, trotz der eigentlich ruhigen Atmosphäre. Ruhig war es tatsächlich, zumindest im Publikum, sehr zum Erstaunen der beiden Schotten. Sie stellten fest, dass es in Schottland wohl eher üblich sei, sich bei Konzerten zu treffen, um sich zu besaufen und die musikalische Darbietung mit lautem Reden zu untermalen. Dortmund: Das Kontrastprogramm. Alle hörten ganz andächtig zu, was ja auch verständlich ist oder sein sollte, wie ich finde. Schließlich ist es nicht besonders respektvoll vor allem bei ruhiger, akustischer Musik noch lauthals zu reden. Das muss allerdings geradezu unheimlich auf Martin & James gewirkt haben.

Neben den Songs von ihrem aktuellen Album spielten sie auch die altbekannten Titel ihrer „Bad Dreams EP“. Hier stachen für mich vor Allem „Bad Dreams“ und „You’re a window“ hervor. Auch „Maybe it’s time“ durfte natürlich nicht fehlen. Mein Highlight des Abends, vor allem wegen der ganzen Erinnerungen, die ich seit Jahren mit diesem Song verknüpfe. Allerdings sorgten auch „Crashing into love“ oder „All over the news“ dafür, dass ich nicht mehr still stehen konnte. Ein paar neue Titel gab es auch noch. Unter Anderem einen, der einem Freund von den Beiden wohl in einem Pub einfiel und der seitdem fest zu den abendlichen Kneipentouren von Martin und James gehört, falls ich mich Recht erinnere.

Nach dem Konzert baten Martin & James an den Merchstand. Die Aufforderung erfolgte unter der Auflage, dass man sich dort doch bitte weniger ruhig verhalten sollte. Soweit ich das beurteilen kann, hielten ihre Fans das auch ein. Als wären die beiden nur zwei Straßenmusiker aus der Dortmunder City unterhielten sie sich mit ihren Fans, erfüllten Autogramm- und Fotowünsche, verabschiedeten sich höflich und wünschten allen eine gute Heimreise.

Ein unglaublich sympathisches Duo, dessen Konzerte ich wirklich jedem wärmstens ans Herz legen kann. Auf ihrem selbstbetitelten Album, das vor Kurzem erschienen ist, wirken sie ziemlich poppig, was sie live allerdings einfach mit ihrem Singer-Songwriter-Charme wieder wettmachen. Super.

Fotos: Chiara WhiteTapes, mehr hier

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