Konzertberichte

Los Campesinos! + Sky Larkin + Lovvers, Köln, Luxor, 10. November 2008

Pete & The Pirates erzählten uns kürzlich schon im Interview, dass es ein toller Moment als Musiker ist, wenn der Punkt kommt, an dem man von der Musik und eventuell „With A Little Help From ‚a‘ Friend“ leben kann. Für drei Bands auf Wichita Recordings natürlich ein Grund diesen Umstand auch zu feiern und so machten sich Los Campesinos!, Sky Larkin und Lovvers dieser Tage zur Quit Your Job and Get Tattoos Tour durch Europa auf und fanden sich am Vorabend des Karnevalanfangs im Kölner Luxor ein.

Nachdem wir in anderen Quellen gelesen hatten, das am Vortag in Brüssel Sky Larkin den Abend eröffnete freuten wir uns um so mehr auf die erste Band des Abends. Die Rechnung hatten wir allerdings ohne Lovvers gemacht und so kamen um 21:15 die vier jungen Herren von Lovvers auf die Bühne, die vor Kurzem ihr Debüt hierzulande veröffentlicht hatten und vermutlich die einzige der drei Bands war, die auch tatsächlich Tattoos besaß. Ob sie die vor dem Kündigen schon hatten sei mal dahin gestellt.

Von dem, was man so auf dem Myspace der Band hören kann erwarteten wir schrecklichsten Punk. So schlimm wie befürchtet war es dann aber nicht. Teilweise konnte man durch die aggressive, punkig düstere Grundstimmung des Sounds und den / das mit mächtig hall unterlegten Gesang / Geschrei des Sängers sogar noch die ein oder andere Melodie und manchmal sogar Textfetzen ausmachen. Musik die man mögen muss. So blieb das Beste an den Lovvers, dass sie nach knapp 20 Minuten auch schon fertig waren.

Es dauerte danach keine 30 Minuten und schon standen mit Sky Larkin unsere Favoriten des Abends und unsere Newcomer-Band dieses (und die Band des nächsten) Jahres auf der Bühne (in Kürze auch im Interview). Katie, Doug und Duracell-Häschen Nestor (so tauften wir die drei kürzlich in einer Review, was sie sogleich für ihr Myspace aufgriffen), in die wir uns spätestens bei ihrem Konzert als Support von Conor Oberst verliebt hatten legten dann auch gleich Energie geladen, wie besagtes Duracell-Häschen, mit „Summit“ los.

Interessant war nun vor allem zu beobachten, dass die Band sich von ihrer Energie genau entgegengesetzt zu den Blood Red Shoes verhält. Während BRS auf ihrem Album eine zügellose Energie verbreiten, die live etwas verloren geht, scheinen die Songs von Sky Larkin live um einiges druckvoller als auf CD. Auch von der Bühnenpräsenz wirken die drei viel (bedienen wir uns hier mal des Vokabulars eines bekannten deutschen Tanzlehrers) tighter, als das Duo. Sängerin Katie Harkin ist zudem von ihrer Art her beinahe das genaue Gegenteil von Laura-Mary Carter, nämlich sehr aufgeweckt, offen und wie ihre gesamte Truppe überaus liebenswert.

Sky Larkin wirken so insgesamt entspannter und (entschuldigt den inflationären Gebrauch des Wortes) liebenswerter als das Duo aus Bristol. Das gilt sogar auch für Drummer Nestor, der an diesem Abend wie Animal von den Muppets wirkte und mit seinen Grimassen und seinem an Steven Ansell gemahnenden Schlagzeugspiel einige Mädchen in der ersten Reihe verschreckt haben dürfte, das hat er aber durch seinen Lausbubencharme zwischen den Stücken und vor allem nach dem Set wieder wett gemacht.

Musikalisch haben Sky Larkin, mal abgesehen von einem Mädchen an Gesang und Gitarre, dann jedoch wenig mit den Blood Red Shoes gemein, allerhöchstens die letzte Single „Fossil, I“ siedelt in ähnlichen Gewässern. Das restliche Set bestand aus leicht verspielten und immer hoch melodiösen Pop-Songs, die wie schon beim Konzert vor zwei Monaten die Vorfreude auf das Anfang 2009 erscheinende Debüt-Album „Golden Spike“ extrem steigerten.

Insbesondere bei den Keyboard-Parts (an dem sich Doug und Katie abwechselten) zeigte sich die Band von einer sehr vielseitigen Seite, Als beim Hit „Molten“ Teile des Luxor sogar mitsingen konnten war auch klar, Sky Larkin werden spätestens in ein paar Monaten auch ohne Los Campesinos! das Luxor (noch lieber das AMP oder das Gleis 22) in einem ähnlichen Maße füllen können.

Nach gerade einmal 35 Minuten und der neuen Single „Beeline“ waren Sky Larkin dann leider auch schon durch und räumten die Bühne für eine lange Umbaupause, in der das Septett der Los Campesinos! neben den üblichen Instrumenten noch allerlei Glockenspiele und andere Spielereien auf die Bühne räumten. Für uns hatte der Abend zwar schon sein Highlight gehabt, das tat aber der überschäumenden Energie, welche die Waliser dann in ihrem knapp 1-stündigem Set auf die Bühne brachten natürlich keinen Abbruch.

Eine Energie, bei der es beeindruckend war zu sehen, dass die Band bei allem Durcheinander der Instrumentierung und allen Spielereien, die Songs live eben so gekonnt umsetzte, wie auf CD. Das muss man natürlich auch hinbekommen, wenn man dafür schon seinen Job hin schmeißt (um hier das Thema der Tour noch einmal aufzugreifen). Gerade bei Stücken, wie „You! Me! Dancing!“ oder „We Are Beautiful, We Are Doomed“ sprang diese Energie sehr deutlich spürbar auf das gesamte Publikum über, das die Tanzaufforderung natürlich nur zu gern (auch auf den Boxen am Rand der Bühne) annahm.

Die neueren Stücke der Los Campesinos! vom „Zwischen-Album“ „We Are Beautiful, We Are Doomed“ gesellten sich hierbei nahtlos zu den älteren Stücke (wenn man bei 5 Monaten Abstand zwischen den Releases überhaupt davon sprechen kann) und die jungen und vor allem charmanten Waliser zeigten, warum sie eine der Bands des Jahres 2008 sein werden.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier

Discussion

Comments are closed.

Archive