Konzertberichte

Los Campesinos! + Copy Haho, Gebäude 9, Köln, 13. März 2010

Das letzte Mal, als wir Los Campesinos! live sehen durften, spielten sie im November 2008 im Kölner Luxor. Damals unterstützt von Lovvers und den famosen Sky Larkin. Gerade Sky Larkin, dieses charmante Trio aus Leeds schaffte es da, eine Performance abzuliefern, die noch einen Funken mitreißender und erfrischender war, als die ohne Zweifel auch höchst unterhaltsame Show der Waliser. Mit ihrem dritten Album „Romance Is Boring“ im Gepäck machten sich Los Campesinos! nun endlich nach dem November 2008 wieder auf Tour durch Deutschland. Dabei zeichnete sich nun bereits im Vorfeld ab, dass es dieses Mal wieder ähnlich verlaufen könnte, wie beim letzten Abstecher der Band nach Deutschland. Denn mit den Schotten von Copy Haho hatte die Band aus Wales wieder einen großartigen Support ins Boot geholt.

Die Klasse des schottischen Quartetts schien sich wohl leider noch nicht in der Indie-Jugend der Domstadt rum gesprochen zu haben und so warteten höchstens eine Hand voll Menschlein auf Einlass von Barbereich in die Halle, als um Punkt 19 Uhr die Türen des Gebäude 9 öffneten. Das spärliche Erscheinen der Fans kann aber auch gut an der sehr frühen Einlasszeit gelegen haben, aber in Köln spielt nun einmal das Disco-Nachtleben eine große Rolle und so musste der Konzertteil auch bis spätestens 22:30 Uhr abgeschlossen sein, um alles für die um 23 Uhr startende Indie-Disco-Nacht herzurichten. Selbst die Bands schienen nicht auf einen so frühen Beginn eingestellt, weshalb pünktlich zum Einlass Los Campesinos! noch beim Soundcheck in der Halle zu hören waren. Es folgte im Anschluss noch der Soundcheck der Schotten von Copy Haho und dann 10 vor 8 auch der Einlass in die alte Industriehalle.

Um 20:15 Uhr und damit pünktlich zur Prime-Time, in der auch parallel Dieter Bohlen seinen nächsten Super Karaoke-Sänger suchte, traten dann vier unscheinbare junge Herren auf die Bühne. Mittlerweile hatte sich auch das Gebäude 9 auf beinahe 300 Besucher gefüllt und die Party konnte beginnen. Danach schien Copy Haho auch zu sein und ab dem ersten Takt spielten sie mit großer Freude auf. Der Soundmann schien zwar offensichtlich nur auf die anschließend aufspielenden Los Campesinos! eingestellt und mischte dem Quartett einen hübschen Brei, aus dem der Gesang kaum zu hören war, dennoch waren aber die Hitverdächtigen kleinen Indie-Melodien von ihrer EP „Bred For Skills & Magic“ heraus zu hören. Ihre erfrischend vorgetragene Mischung aus 90er Jahre Indie-Rock in bester Pavement Tradition und einer Prise Surf-Rock, schien auch beim Publikum gut anzukommen und bescherte Copy Haho in den Songpausen immer ordentlich Applaus. Die Chemie zwischen Band und Publikum hätte besser nicht sein können und so wagte es Joe Harty auch nach ein paar Songs sich ein wenig mit den Anwesenden zu unterhalten, um sich nach Ausgeh-Möglichkeiten in Köln zu erkundigen. Das Schokoladen-Museum wurde ihm empfohlen, ob das nun der beste Ort für Samstag-Abend-Gestaltung ist, sei dahin gestellt, einen Besuch ist es auf jeden Fall wert.

Aber zurück zu Copy Haho, deren Freude übertrug sich wie gesagt auf das Publikum, was den jungen Schotten anscheinend so sehr gefiel, dass sie den Abend mit einem Foto des Publikums festhalten wollten. Dazu sollte jeder der Anwesenden mit seinen Armen einen Schwan machen. Mit einer extra von Gareth Campesinos herbei gebrachten Kamera gelang dieses Foto und einen Song später verabschiedeten sich Copy Haho dann leider auch schon nach knapp dreißig Minuten.

Als sich Copy Haho von der Bühne verabschiedeten war eigentlich auch bereits klar, dass es Los Campesinos! schwer haben würden dieses Set noch zu toppen. Das was sie dann boten war natürlich dennoch alles andere als langweilig, sondern die inzwischen live dank Sparky Deathcap auf acht Mitglieder angewachsene Band zeigte wieder, dass sie alle einen ordentlichen Knall haben. Aber natürlich in ganz gesundem Ausmaß. Eröffnet wurde erst einmal mit zwei Stücken von „Romance Is Boring“, nämlich „Heart Swells/100-1“ und „I just sighed. I just sighed, just so you know“. Von Beginn an hüpfte und verrenkte sich Gareth Campesinos an seinem Mikrofon, als würde ihm jede Sekunde, die er still stehend verbringt, vom Publikum übel genommen. Das sah dann aus, wie eine Mischung aus Breakdance, Aerobic und Rumpelstilzchen. Beim Publikum brachen die Tanzdämme dann mit „Death To Los Campesinos“, dem Opener des ersten Albums. Ein Mosh-Pit entwickelte sich zwar nicht, die ersten Reihen waren aber in offensichtliche Wallung geraten, ein Zustand, der dann genau so auch eine ganze Stunde anhalten sollte. Dafür spielten sich Los Campesinos! mit einem so rasanten Tempo und einer hohen Dosis Spaß durch ihr Set. Ein besonderes Highlight dabei waren unter anderem kleine Choreographien, die Kim Campesinos und Gareth bei einigen Songs mit einem breiten Grinsen vorführten.

Zum kochen geriet die Stimmung allerdings durch einen Abstecher von Gareth ins Publikum. Irgendwann hielt es ihn nicht mehr in seinem Bewegungsraum vor den Menschen und er begab sich, ermutigt durch einige inzwischen geleerte Flaschen Bier mitsamt Mikrofon in die tanzende Meute. Kurz nachdem er die Bühne wieder betreten hatte, wagte auch Gitarrist Neil Campesinos einen Abstecher in die Menschenmassen. Nachdem sich die acht Los Campesinos! nach „Sweet dreams, sweet cheeks“ kurz von der Bühne verabschiedet hatten, kehrten sie noch ein letztes Mal zurück, um „Broken heartbeats sound like breakbeats“ zum Besten zu geben. Dafür begaben sich dann Gareth, Kim, Neil und Sparky Deathcap ins Publikum. Die Stimmung kochte noch ein letztes Mal so richtig und sichtlich zufrieden verabschiedeten sich alle achte Los Campesinos! danach in die Nacht. Bei Twitter schrieben sie im Anschluss noch AWESOME show in Cologne, best of tour so far. Das können wir zwar nicht nach prüfen, mitreißend und unterhaltsam war sie aber alle Mal.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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