Konzertberichte

Look See Proof + Monster Bobby – Münster, Gleis 22, 27. September 2008

Look See Proof aus dem englischen Hertfordshire hatten leider, obwohl sie wie die Eight Legs beim Label Weekender Records unter Vertrag sind, nicht das Glück durchgängig guter Besprechungen ihres Debütalbums. Das leider völlig zu unrecht, denn unter dem oberflächlich gesehen typischen britischen Indiepop-Songschema mit Hooks, Chören, akzentgeschwängertem Gesang und schrammeligen Gitarren steckt auch noch sehr gutes Songwriting, eine Menge Spielfreude und viel Kraft.

So hätten sie eigentlich im Gleis 22 auch ein ähnlich enthusiastisches und vor allem so zahlreich erscheinendes Publikum verdient, wie die Eight Legs, die eine Woche zuvor, ein Stück die Straße runter im AMP spielten. Eigentlich. Schon beim Support, der in Form des sympathischen Brightoners Monster Bobby um 21:15 die Bühne des Gleis 22 betrat, zeichnete sich ab, dass es ein intimer Abend würde.

Monster Bobby schien auf viele der Anwesenden mit seinem Stilmix aus elektronischen Effekten, Dancebeats und allerlei Spielereien, begleitet von seinem schrulligen Gesang und der akustischen Gitarre, etwas befremdlich zu wirken. Seine Tanzschritte irgendwo zwischen Tanzbär, Prince und Elvis Presley taten ihr Übriges. In den knapp 30 Minuten seines Sets zeigte er dann jedoch eine gewaltige Bandbreite seines Songwritings, von simplen Songwriter-Stücken, bis hin zu komplizierten Songs, die 2-Step mit akustischer Folkgitarre zu verknüpfen versuchten. Dabei bewies er besonders in seinen Ansagen einiges an Humor und erklärte seine Songs immer kurz. So handele der Song „Readjust The Polarity“ Jon Pertwee, der in den 70er Jahren den Doctor Who gespielt habe und alle Probleme in den Folgen durch Umkehrung der Neutronenpolarität gelöst habe. Viele Songs meinte er, würden vom Schlafen handeln und seien Bestandteil eines Konzeptalbums, das aus vierzig 1-Minütigen Stücken bestehen solle. Eine Antwort von ihm auf die Tatsache, dass ihm Kritiker vorwarfen, seine Songs seien zu kurz.

Als um 22:15 Uhr Look See Proof die Bühne betraten war die Band erst einmal sichtlich verwirrt, denn das Publikum verharrte am gleichen Ort, wie beim Support Monster Bobby, mit drei Metern Abstand zur Bühne standen sie dort in einem Oval und blickten regungslos auf die fünf Jungs, die da die Bühne betraten. Spätestens da war ihnen auch wohl klar, eine Stage Invasion, wie einige Tage zuvor im Ekko in Utrecht würde es heute nicht geben.

Das obwohl die Band mit voller Energie loslegte, mit einem Tempo, bei dem den Eight Legs wohl schwindelig würde. Das Publikum störte das allerdings wenig, das stand regungslos drei Meter entfernt und ließ sich auch von der unbändigen Energie von Sänger David Sells und vor allem von Springteufel Jamie Randall am Keyboard (der mit seinen langen Haaren eine ausgeprägte Ähnlichkeit mit Georg von Tokio Hotel hat), nicht mitreißen.

Erst nach dem vierten Song ließ sich das Publikum von Sänger David Sells dazu überreden, doch etwas näher zu kommen. Viel tat sich dadurch nicht. Look See Proof spielten dennoch ein energiegeladenes Set und bewiesen, dass sie vor allem eine Live-Band sind. Eine sehr gute dazu. Zum tanzen konnten sie die vielleicht 50 Menschen nicht bewegen, Größe zeigten sie aber, indem sie ihr 45-Minütiges Set nicht nur souverän, sondern auch leidenschaftlich spielten.

An keiner Stelle wirkten sie entnervt, oder ließen sich ihre nach der Show merkbare Enttäuschung anmerken. Sie machten in den Songpausen lieber ein paar Witzchen über sich selbst und bemerkten, dass es in Deutschland viel sauberer sei, als in England. Sogar der Kommentar, dass das Publikum an diesem Abend sehr angenehm sei wirkte nicht verbittert, oder sarkastisch, sondern ganz merklich grundehrlich gemeint, wie Keyboarder Jamie uns nach der Show noch einmal versicherte. Diese Ehrlichkeit, gepaart mit der Energie und vor allem der überaus sympathischen Art der fünf Engländer machte den Besuch im Gleis 22 zu einem durchweg gelungenen Konzertabend.

Fotos von Ariane WhiteTapes, mehr hier

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