Konzertberichte

Kristofer Aström + Lowood (Therese Johansson), Gleis 22, Münster, 10. Dezember 2009

Münster verfügt bekanntlich über zwei Wohnzimmer, die musikalisch zumeist besonders verwöhnt werden. Das eine ist das Amp, in dem am 19.12. Johannes Mayer aka The Late Call sich die Ehre gibt. Das andere ist das alt-ehrwürdige Gleis 22, welches zur Zeit mit besonders guter Musikauswahl glänzt. So holten die Damen und Herren um Frank Dietrich nach William Fitzsimmons mit Kristofer Aström zum zweiten Mal binnen einer Woche einen absoluten Hochkaräter in die Domstadt.

Das Wohnzimmer an der Hafenstraße war also bestens vorbereitet. Der Teppich auf der Bühne war ausgelegt, die Gäste trockneten sich bei Kaltgetränken, die durch den Münsteraner Dauerregen verursachten nassen Füße und freuten sich auf ein abermaliges Gastspiel des schwedischen Bruce Springsteen, wie unlängst in einer Rezension zu lesen war.

Den Auftakt bildete jedoch Therese Johansson, ihres Zeichens Sängerin der schwedischen Band Lowood und sowohl optisch als auch akustisch eine sehr angenehme Erscheinung. Auf ihrem Debütalbum „Close To Ciolence“ lässt sie die Herzen mit ihrem melancholischen, verträumten Pop höher schlagen und sorgt einmal mehr für den Beweis, dass es in Schweden ein scheinbar niemals erschöpftes Reservoir an talentierten Musikern gibt. Während ihres Auftritts wurde sie bei dem Stück „It’s A Mess“ auch von Kristofer Aström stimmlich begleitet. Ein mehr als gelungener Auftakt der Dame aus Stockholm, die uns hoffentlich bald wieder beehren wird.

Nach einer kurzen Pause betraten mit „The Rainaways“ auch die Band von Kristofer Aström, die ihn auch auf seinem aktuellen Album „Sinkadus“ unterstützt, die Bühne und sorgten für ein absolut begeisterndes Konzert. An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Bassist eine frappierende Ähnlichkeit mit Captain Barbossa aus „Fluch der Karibik“ besitzt. Ähm ja, aber seriös weiter im Text. In extremer Spielfreude zeigten sich die schwedischen Herren und bewiesen, dass Aström neben seiner melancholischen Ader auch eine Vorliebe für ehrlichen Folk und Blues-Rock besitzt. Diese Vorliebe kommt auch bei seinem aktuellen Album wieder mehr zum Vorschein.

Nichtsdestotrotz wurden natürlich auch die Klassiker, wie das großartige „All Lovers Hell“ oder die grandiose Ballade „Fallen“ gespielt. Insbesondere bei diesen Liedern tritt Aströms Gabe zu Tage, die traurigsten und melancholischsten Gefühle in musikalische Form zu übersetzen ohne dabei in die große Kitsch-Falle zu tappen. Der Einsatz von Mundharmonika durfte an dieser Stelle natürlich auch nicht fehlen. Besonders positiv muss erwähnt werden, dass der Band ihre große Freude am Auftritt anzumerken war. So überzeugte insbesondere Aströms Gitarrist, der sich und die Zuschauer mit mehreren Gitarrensoli erfreute.

Ein, nicht nur in der Adventszeit, sehr stimmungsvoller Abend, der Herrn Aström hoffentlich bald wieder in eines der gemütlichen musikalischen Wohnzimmer Münsters führen wird.

Fotos: Myspace Kristofer Aström

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