Konzertberichte

Klubgrün & Diego, Amp, Münster, 27. Oktober 2010

Ganz spontan und wie es der Zufall so will, fand ich mich am Mittwochabend am Alten Güterbahnhof wieder. Ich wollte an diesem Tag sowieso meine neue Kamera testen und im Amp bot sich einfach die perfekte Gelegenheit dazu.

Über den Sunday Chocolate Club, deren Sänger Kai ebenfalls bei Klubgrün am Mikro steht, fand ich auch zu eben dieser Band. Ich, kein besonders guter Freund elektronischer Musik, war beim ersten Hören der Songs im Internet noch etwas skeptisch, ob mir die Musik wohl gefallen könnte. Viel zu schnell habe ich wohl mal wieder eine Band in eine Schublade gesteckt, aber ich lasse mich ja gern vom Gegenteil überzeugen.

Schubladen-Denken ist ja eh eine kritisch zu betrachtende Sache und in der heutigen Musikszene eigentlich antiquiert – einfach nicht mehr angebracht, da sich alles vermischt. Elektronische Einflüsse findet man ja bereits seit geraumer Zeit an jeder Ecke genau wie Ska- oder Folk-Elemente. Also war ich einfach neugierig. Ich wollte nicht vorschnell ein vernichtendes Urteil fällen und so begab ich mich am Mittwoch in ein neues Territorium.

Mit 30 Gästen war das Amp nicht gerade überfüllt, aber immerhin hatte man dadurch etwas Luft zum Atmen und das Gefühl mal wieder einen Geheimtipp entdecken zu können.

Klubgrün starteten ihr Set. So elektronisch klangen sie plötzlich gar nicht mehr, zumindest ein bisschen weniger als auf Platte. Erstaunlich, aber wahr… es gefiel mir sehr, was ich da zu sehen und zu hören bekam. Spätestens bei Crystal Castle hatte ich sie in mein Herz geschlossen. Der Song blieb auch einfach mal tagelang in meinem Kopf. Welch ein unglaublich toller Ohrwurm. Ein Titel, der eigentlich auf keiner Party fehlen dürfte.

So richtig viel Bewegung kam allerdings nicht ins Publikum. Wippende Füße und nickende Köpfe waren schon auszumachen, wodurch ich davon ausging, dass es den meisten wohl zu gefallen schien. Vielleicht wollten sie sich auch schon mental und physisch auf den bevorstehenden Auftritt von Diego vorbereiten. Ein durch Tanzen zu schneller Puls wäre bei deren etwas düsterer und melancholischerer Atmosphäre eventuell hinderlich gewesen.

Klubgrün gaben trotzdem alles und zumindest haben sie mich überzeugen können an diesem Abend. Elektronische Musik ist ja doch gar nicht so schlimm wie ich immer dachte.

Kurze Umbauphase und schon ging es weiter mit Diego. Der Name erinnert eher an eine spanische oder südamerikanische Latinoband als an das, was mir dann begegnete. Diego sind nämlich fünf Herren aus Karlsruhe. Schön! Schon wieder war das mit den Schubladen keine gute Idee.

Bereits mit dem ersten Stück „Echoes“ zog mich die Stimme von Sänger Andreas in ihren Bann. Sie erinnerte mich, genau wie die musikalische Untermalung, an die Editors. Aber an die „guten“ Editors, die Editors von früher.
Ich stellte bei meinen Recherchen zu dieser Band fest, dass sehr häufig im Zusammenhang mit Diego die Namen Editors und Interpol fallen, aber den Vergleich brauchen die fünf auf keinen Fall zu scheuen.

Sie erschufen über den gesamten Abend hinweg eine unglaublich dichte Atmosphäre und führten uns, begleitet von einigen älteren Songs, durch ihr neues Album „Gold“ (erschienen am 24. September 2010). Besonders herausragend fand ich den Titel „Grizzly Bear“.

Irgendwas war an diesem Abend dann noch mit dem Gitarrengurt von Gitarrist Ralf passiert. Eine kurze, aber lustige Unterbrechung folgte, als sich die Band auf die Suche nach einem neuen Gurt begab. Irgendwo fand sich dann tatsächlich noch einer und es konnte weitergehen.

Als ich schließlich samt CDs von Diego und Klubgrün das Amp verließ, war ich einfach nur begeistert. So schnell kann es gehen, dass man tatsächlich zwei Geheimtipps für sich entdeckt. Ich hoffe, dass sie das nicht mehr allzu lange bleiben werden.

Ach ja… und Schubladen sind übrigens sowieso von gestern.

Fotos im Artikel: Chiara WhiteTapes mehr hier
Foto auf Startseite: Steffi Koch (neongold.org

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