Konzertberichte

Kingsize, Drucklufthaus, Oberhausen, 09. Februar 2009

Oberhausen, eine Stadt im Westen des Ruhrgebiets, die von der Einwohnerzahl ungefähr 34 mal in die englische Hauptstadt London hinein passen würde, für waschechte Londoner wie Kingsize stellt ein Tripp in diese Stadt also ein Besuch in eine Kleinstadt dar. In bester Klassenfahrtstimmung stattete das Quartett dann auch erst noch einem dieser speziellen Läden im nahe gelegenen holländischen Venlo einen Besuch ab, bevor es als einzige Gäste in der bahnhofsnahen Jugendherberge eincheckten, wie sie uns berichteten. Anders allerdings als englische Internatsschüler auf Klassenfahrt, waren Kingsize nicht für Sightseeing gekommen, sondern um dem Ruhrgebiet eine Lektion in Sachen Brit-Rock zu erteilen. Anders als ihr Äußeres vermuten ließ standen die Vier während die Vorgruppe spielte nur eine Flasche Wasser trinkend im Publikum und nickten mit, um hundertprozentig plichtbewusst Punkt 22 auf der Bühne mit dem eigenen Set und dem exzessiveren Alkoholgenuss beginnen zu können.

Foto: Myspace der Band

22 war dann auch so in etwa die Zahl, der im Publikum Anwesenden. Für Kingsize kein Problem, die begannen ihr Set mit einer Energie, als würden sie gerade vor dem ausverkauften Wembley-Stadion spielen. Dabei servierten sie knackige Indie-Rock-Songs, in die sie viel vom Sound der Libertines und der Strokes mit ein wenig von Kings Of Leon zu ihren eingängigen Songperlen verdichteten. Wie schon am Vorabend in Krefeld hatte Sänger Mike McCartney immer wieder einen Spruch zwischen den Songs parat und sein Bier zur Hand. Besonders Gitarrist Zanny schien in Feierlaune (kein Wunder, hatte er doch Geburtstag) und stieß immer wieder mit Bandmama / Roadie Tom an. Das tat aber seinem Gitarrenspiel keinen Abbruch, das war tadellos und höchst konzentriert. In den knappen 60 Minuten ihres Sets brannten die vier Kingsizes ein regelrechtes Feuerwerk von Rocksongs ab, dass durch DEN Band-Song „Rock’n’Roll Dreams“ gekrönt wurde, an dessen Ende Mike und Zanny dann auch noch ganz Rock’n’Roll ihre Mikros von der Bühne stießen. Ein Konzert mit einer Band also, die es eigentlich verdient hätte, in einem Club für mindestens 220 Menschen und nicht vor 22 Menschen zu spielen. Die 22 Anwesenden erlebten dennoch eine tolle Rockshow von einer von London’s bester Indie-Rock-Bands. Und wenn die Band weiter solche Konzerte spielt, wird sich ihr Name so schnell rumsprechen, dass Kingsize bei ihrer nächsten Tour in Deutschland gar vor 2.200 Menschen spielen werden. Wünschen würden wir es ihnen, auch wenn es mit 22 natürlich viel intimer ist.

Fotos: Myspace der Band

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