Konzertberichte

Kasabian + Astairre, E-Werk, Köln, 15. November 2011

Lange mussten sich die deutschen Fans gedulden, bis Kasabian mal wieder ein paar Konzerte in Deutschland gaben. Sind sie in England die groß gefeierten Oasis-Nachfolger, so sind sie hier doch relativ unbekannt und spielen in im Vergleich kleineren Konzerthallen. Stadienfüller sind sie hier, für eingefleischte Fans unverständlich, noch lange nicht. In das E-Werk in Köln passen jedoch immerhin 1.500 Fans und ausverkauft war es auch, dass ließ neben der Tatsache, dass sie nicht im unbeliebten Palladium gegenüber spielten, die Erwartungen vorfreudig steigen. Nicht viele Fans warteten vor der Halle als sich ca. eine Stunde vor Einlass eine etwas größere Menschenmenge ansammelte, auch das hing bestimmt mit dem Bekanntheitsgrad der Band und mit den doch plötzlich kühleren Temperaturen zusammen. Sehr entspannt ging der Einlass zu, man konnte in Ruhe seinen Platz einnehmen.

Entgegen einiger Hoffnungen, dass es wie am Vortag in Berlin keine Vorband gibt, wurden dann auch bald zerschlagen, als man die Instrumente der Hamburger Band Astairre, diesen Schriftzug konnte man auf dem Schlagzeug erkennen, erblickte. Gegen 20 Uhr fingen diese dann auch an zu spielen, und zwar einen Versuch des deutschen Punks, mehr oder weniger gelungen. Mit schnellen Rhythmen und lauten Gitarren wusste man die Musik zunächst nicht richtig zuzuordnen, doch kaum begann der Sänger mit seinen deutschen Texten die restlichen zwei Bandmitglieder zu begleiten, konnten schon einige Zuschauer erkennen, dass Astairre überhaupt nicht zu Kasabian passen. Der Veranstalter oder die Plattenfirma hätte sich hier eindeutig mehr Mühe geben müssen und nicht kurzfristig die nächstbeste Punkband buchen nur um einen Support bieten zu können. In diesem Fall wäre es wohl besser gewesen, es ganz sein zu lassen, auch wenn sie sich bemüht haben. Das Gute jedoch ist, dass das der Stimmung nichts anhaben konnte und man mehr und mehr bemerkte, wie die Spannung stieg. Nachdem die Hamburger eine gute halbe Stunde die Ehre hatten, hat sich das E-Werk gut gefüllt, die große Nachfrage hing teilweise auch damit zusammen, dass 1LIVE das Konzert präsentiert hat, in NRW erreicht der Radiosender wohl die meisten Zuhörer.

Übrig blieben nach dem Umbau und dem Stimmen der teilweise schon zuvor aufgebauten Instrumente von Kasabian ein eher bescheidenes Bühnenbild, aufwendige Deko oder Lichteffekte suchte man vergebens. Als das Warten dann bald ein Ende hatte und das Licht erlosch, brach das Kölner Publikum in Jubel und pfeifen aus. KasabianZu Stroboskoplicht betrat die Hauptbesetzung bestehend aus Sänger Tom, Gitarrist Sergio, Schlagzeuger Ian und Bassist Chris die Bühne. Unterstützt werden sie live von dem Gitarrisen Jason Mehler und einem Trompetenspieler. Tom und Sergio „Serge“ bilden jedoch die Frontmänner und gleichzeitig ein gut eingespieltes Live-Team. Dieses Mal wusste Tom auch genau, in welcher Stadt er sich befand, begrüßte er das Publikum des Hurricane Festivals in Schleeßel dieses Jahr doch peinlicherweise mehrfach mit „Hamburg“. Gute 20 Songs standen auf der Setlist für diesen Dienstagabend. Klar, dass Songs von Album Nummer Vier „Velociraptor!“ im Vordergrund stehen sollten. So legten die vier aus Leicester auch mit der aktuellen Single „Days Are Forgotten“ los und zogen das Publikum von Beginn an mit. Die Setlist keine Wünsche offen, „Club Foot“, „Shoot the Runner“ oder „Empire“, alle älteren Hits wurden gespielt und die starken Stücke des neuen Albums wie der Titelsong „Velociraptor“, „Re-Wired“ oder „Switchblade Smiles“ bekam man zu hören.

Selten schaffen es Bands, eine Mischung aus allen Songs zusammenzustellen, wird dies auch mit jedem Album schwieriger. Doch in Köln zog sich so etwas wie eine Art roter Faden durch das Set und nachdem die Jungs nach „L.S.F.“ die Bühne verlassen haben, wusste man gar nicht so Recht, was sie jetzt überhaupt noch als Zugaben spielen sollten. „Fire“ und „Vlad the Impaler“, was vor Allem live sehr überzeugt, gehörten dann letztendlich zu zwei von drei Zugaben. Kasabian live @E-Werk CologneBei zwei Songs überließ Tom den Gesang Sergio, er ist wahrscheinlich das kreativste Mitglied der Band, und stellte sich wie Liam Gallagher mit Tamburin daneben um das Instrument später in die Menge zu werfen.

Durchaus lässt dieser Abend den Wunsch nach mehr Kasabian-Konzerten in Deutschland aufkommen. Es wirkte so, als ob die Band nicht damit gerechnet hat, so gut angenommen und von dem Publikum unterstützt zu werden. Viele Fans sangen textsicher mit und bewegten sich ausgelassen zur Musik. Diese angenehme Atmosphäre und die Spielfreude, die man den sechs Leuten auf der Bühne anmerken konnte, trugen zu dem Gelingen des Konzertes bei. Die Zuschauer hatten nicht das Gefühl, eine Setlist vorgesetzt und runtergespielt zu bekommen und konnten ein paar Neckereien, im positiven Sinne, zwischen Tom und Sergio beobachten. Die Mühe die sie sich gaben, hat sich gelohnt, der Applaus nach den einzelnen Songs hielt oft lange an. Obwohl sie diese Aufnahme seitens des Publikums in England gewohnt sein dürften, schien dies für sie eher überraschend.

Wie man diesen positiven Worten entnehmen kann, wird Köln Kasabian in guter Erinnerung behalten, andersrum wird dies sehr wahrscheinlich auf Gegenseitigkeit beruhen, so dass im Frühjahr hoffentlich noch ein paar weitere Live-Termine folgen.

Setlist:

Days Are Forgotten
Shoot The Runner
Velociraptor!
Underdog
Where Did All The Love Go?
I.D.
Man Of Simple Pleasures
Take Aim
Club Foot
Re-wired
Empire
La Fée Verte
Fast Fuse
Pulp Fiction
Goodbye Kiss
L.S.F. (Lost Souls Forever)

Switchblade Smiles
Vlad the Impaler
Fire

Fotos: Stephanie WhiteTapes

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