Konzertberichte

Jeremy Warmsley + Mein Mio, Münster, AMP, 25. April 2009

Foto: Ariane WhiteTapes

Mit Album Nummer 2 in den Läden, nach jeder Menge Produktionstätigkeiten mit unter anderem Emmy The Great und vielen Konzerten in England und Japan, machte sich Jeremy Warmsley das gefühlte erste Mal in seiner Karriere endlich auch auf, deutsche Bühnen zu bespielen. Der vierte Abend seiner Deutschland-Tour sollte ihn in Münster’s Kuschelecke, das AMP führen. Ein Abstecher, den er wie die gesamte Tour nicht allein, sondern mitsamt Band bestritt. Bevor die Dreiergruppe allerdings die Bühne betreten durften, war diese erst eine ganze Weile belegt durch die Berliner Indiepopper von Mein Mio. Die lieferten ein gefühlt endloses Set seichten Knoppers-Pops, der in der dargebotenen Form auch ideal in einem Spot für die Deutsche Bahn, Merci, oder ein anderes deutsches Unternehmen gepasst hätte. Unaufdringlich und ziemlich austauschbar plätscherte das Set dahin, schien aber beim Publikum durchaus gut anzukommen. Warum auch nicht, auch zu Schlagerpop kann man gute Laune haben. Das tat nicht weh, blieb nicht hängen, belästigte höchstens durch die extreme Länge des Sets. Warum Mein Mio letztlich eine knappe Stunde spielten, obwohl sie nur als Support da waren wissen wohl nur sie selbst, für uns wurde der Abend trotz einigem Jubel für die Band, musikalisch auf jeden Fall um einiges interessanter, als sie die Bühne verließen.

Foto: Ariane WhiteTapes

Zu vorgerückter Stunde vertrödelten Jeremy Warmsley und seine Begleiter dann auch nicht viel Zeit, steckten zügig ein paar Instrumente um und begannen mit ihrem Set. Im ersten Stück, dass Jeremy dann nur mit seinem Drummer Russel bestritt zeigte er sein gesamtes Talent als Performer. Nach einem kurzen Gesangspart setzte er sich das erste und einzige Mal am Abend ans Klavier und spielte ein längeres Solo. Nach diesem tollen Intro-Song stößt auch der Rest der Band, in Form eines Bassisten mit 80er Jahres Gedächtnis-Frisur zu ihm, den Jeremy selbst später als „The Wolfman“ vorstellt. Zusammen verwandelten sie Jeremy’s verschroben folkige Kompositionen in eingängigere Indie-Rock-Tracks. So gewannen die Songs, die besonders auf „The Art Of Fiction“ herrlich verkopft und sperrig wirken, einiges an Direktheit, was ihnen live extrem gut tat. Eine besondere Verwandlung machte dabei „Lose My Cool“ durch, dessen markante Piano-Melodie gänzlich über Jeremy’s Gitarre dargeboten wurde und dadurch noch rockiger geriet, als auf dem Album. Besonders schön auch die Songs „5 Versions“ von „The Art Of Fiction“ und der Titeltrack von Album Nr. 2 „How We Became“. Durch das gekonnte Zusammenspiel der drei Musiker fiel es nicht einmal auf, dass die kleinen elektronischen Spielereien und Beats der Studio-Versionen gänzlich wegfielen. Zwischen den Stücken konnte der groß gewachsene Jeremy Warmsley einem dann schon leid tun, stand er doch direkt am vorderen Rand der Bühne, mit Scheinwerfern gefühlt direkt über seinem Kopf. So fragte er auch höflich wie er ist immer wieder, ob das Licht nicht etwas runter gedreht werden könne. Diesen Nachfragen folgte häufig im Laufe der Stücke ein erneutes hochdrehen  der Lichtintensität. Das schien Warmsley aber nicht sehr zu ärgern, der fragte einfach nach den Stücken wieder, ob das Licht nicht herunter gedreht werden könne. Das charmante Set des jungen Briten wurde beendet von seiner Interpretation des New Order Klassikers „Temptation“, dass sich auch als Bonus auf „How We Became“ wieder fand und live auch von Jeremy sichtlich genossen wurde. Eher spontan folgte nach einer kurzen Pause dann noch die Zugabe „Modern Children“, das er als „our killer Disco track“ ankündigte. Damit beendeten die drei dann auch ihr kurzweiliges Set und hinterließen jede Menge gute Laune.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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