Konzertberichte

James Yuill, Osnabrück, Glanz & Gloria, 17. April 2009

Foto: Ariane WhiteTapes

Vor genau drei Monaten, am 17. Januar stellten die Rakes im Rahmen eines Intro Intims ihr neues Album „Klang“ vor. Die interessanteste Entdeckung waren an diesem Abend allerdings nicht die neuen Songs der Band, sondern vielmehr der Londoner James Yuill, der sich auf der Tour mit den Rakes das erste Mal auf deutschen Bühnen präsentierte. Auch er hatte ein Album im Gepäck, sein Debüt „Turning Down Water For Air“, aus dem er eine tolle Auswahl präsentierte. Kurz nach dem Konzert wurde das Album also sogleich begutachtet, mit der klaren Feststellung, live transportiert Yuill die Songs um einiges gekonnter, rauer und härter. Was auf dem Album häufig einfach nur dahin plätschert entwickelt sich live zu einem Dancefloor-Füller. Klar also, dass wir dabei sind, wenn James Yuill wieder deutsche Bühnen, dieses mal auf seiner ersten Headlining-Tour, betritt.

Das tat er dann auch ganz ohne Support um Punkt 22 Uhr. Für einen Freitag-Abend war das schmucke Glanz & Gloria in unmittelbarer Uni-Nähe, sogar gut, wenn auch etwas luftig, gefüllt. Für Yuill scheinbar Grund genug erst einmal ganz verlegen auf die Bühne zu trotten und ohne ein Wort zu sagen an seinen Reglern rum zu drehen und die ersten Beats aus den Boxen ertönen zu lassen, um ganz in die Musik versunken mit seinem Set zu starten. Das Publikum war hoch gespannt auf die Performance und lauschte andächtig den Beats, die sich mit einsetzender Akustikgitarre und spät einsetzendem sanften Gesang Yuill’s zum Opener „You Always Do“ entwickeln. Im Gegensatz zur Album-Version wird der Song mit langem Intro und lautem Beat-Intermezzo als Bridge auf knapp 4 Minuten gezogen. Erst nach dem zweiten Stück zeigt sich Yuill dann auch mutig genug dem Publikum Hallo zu sagen und für das Erscheinen zu danken. Um sich weiter seinen Reglern zu widmen. In die ist er so vertieft, dass er kaum während der Songs in das Publikum schaut, wir prophezeiten ja auch bereits im Januar, dass James Yuill vermutlich den ein führendes Mitglieds des Trends des Handgazing sein wird. Wenn er während des Gitarrespielens doch einmal seinen Kopf nach vorn richtete waren seine Augen meist geschlossen. Das machte aber nichts, denn so vertieft in die Stücke, wie Yuill selbst war, so versunken war auch das Publikum in die Sounds, die sich ins Glanz & Gloria ergossen.

Foto: Ariane WhiteTapes

Das einzig störende an diesem Abend war nichts, was sich auf der Bühne abspielte, sondern einige Anwesende im Publikum, die sich lieber darüber unterhielten, dass die kleine Schwester am nächsten Tag arbeiten müsse. Eine Info, auf die vermutlich niemand wirklichen Wert legte, die aber wohl dennoch wichtig genug schien, um mit derlei Gesprächsthemen Songs wie „This Sweet Love“ und das zu einem Beat-Feuerwerk mutierte „No Pins Allowed“ übertönen zu wollen. Das war schwer zu ignorieren, ließ sich aber soweit ausblenden, dass man das abschließende „No Surprises“ in aller Ruhe genießen konnte. Natürlich nicht, ohne dass Yuill vorher noch erwähnte „Thanks for coming, I didn’t expect anyone to be here tonight, so thanks very much“. Mit ähnlichen Worten verabschiedete er sich dann nach ca. 50 Minuten und bewegte sich direkt zu seinem Merchandise-Stand an dem er T-Shirts verkaufte. CD’s hatte er vergessen einzupacken, obwohl er sicherlich einige losgeworden wäre nach seiner tollen Performance.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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