Konzertberichte

Intro Intim mit The Rakes + Filthy Dukes + James Yuill, Köln, Gebäude 9, 17. Januar 2009

Foto: Ariane WhiteTapes

Endlich, das Konzert-Jahr 2009 konnte nun auch für uns beginnen, neben großen Namen die noch folgen werden begann es im Rahmen eines Intro Intims auch direkt mit persönlichen Helden von uns, The Rakes aus London. Nach zwei Auftritten, die wir auf zwei Tourneen zu „Ten New Messages“ bereits miterleben durften waren wir nun besonders gespannt, ob die vier Londoner nach einem beinahe lustlos wirkenden Auftritt im Herbst 2007 im mager gefüllten Ringlokschuppen in Bielefeld, wieder richtig zünden würden. Eine Erkenntnis, die zu gewinnen uns noch eine ganze Weile vorenthalten werden sollte, denn vor die Rakes hatten der Intro und Cooperative Music noch zwei andere Acts platziert. Erster dieser beiden Acts war ebenfalls ein Londoner, nämlich der Singer-Songwriter James Yuill. Yuill ist ein typischer englischer Nerd mit Brille und schlacksigem Auftreten. Einer derer, die den Folk derzeit um Laptop, jede Menge Samples und andere elektronische Einflüsse bereichern. Folktronica schimpft sich dieses noch junge Genre, das in England im Moment wahrscheinlich vor allem von Simon Bookish geprägt ist.

Foto: Ariane WhiteTapes

Im Zusammenhang mit Yuill, der mindestens genauso nerdy ist, wie Bookish, könnte man dieses Genre vielleicht auch als Handgazing bezeichnen, denn die meiste Zeit seines Sets verbrachte er damit, an den diversen vor ihm aufgebauten Samples, Reglern und Effekten zu drehen und zu tricksen. Die dabei entstandenen Kompositionen entfalteten sich live größtenteils sehr homogen, sie begannen mit einem eingespielten Beat, dazu wurden Effekte und andere Samples zu Soundwändchen aufgebaut und sobald diese Wände aufgebaut waren begann Yuill mit seinem Gesang. Was unspektakulär klingt war aber unerwartet spannend mit anzuhären und auch launig anzuschauen. Denn es barg schon eine gewisse Komik in sich, wie Yuill seine meist von Liebe handelnden Texte beinahe nebensächlich vortrug und dabei schüchtern bis gar nicht mit dem Publikum kommunizierte. Nach knapp fünf Songs war Yuill dann leider auch schon durch mit seinem Set, verabschiedete sich still und leise und machte Platz für die längsten dreißig Konzertminuten seit langem.

Foto: Ariane WhiteTapes

Die nächste halbe Stunde sollte nämlich den Filthy Dukes, ebenfalls aus London, gehören. Die machen auch elektronische Musik, nur keinen Folk, sondern am ehesten Rave. Dazu wurden jede Menge elektronischer Gerätschaften auf der Bühne versammelt, mit denen die vier Dukes dreißig Minuten lang ein wenig Krach machen wollten. Dieses Versprechen konnten sie auch umsetzen, ihr Sänger heizte die Masse in den Pausen immer wieder an und fragte in regelmäßiger Folge „Do you want to make some Party tonight? Party Time!!!“. Schon beim zweiten Mal war das ermüdend, aber nicht ganz so ermüdend, wie die Musik der Dukes, die eine bunte Mischung aus MGMT, Rave, Noisecore, Rap und 80ies Wave war. Die Stücke wirkten dazu noch recht gleichförmig und ohne große Tiefe, diese brauchten sie auch offensichtlich nicht, waren sie doch vor allem darauf angelegt, das Publikum zum ausgelassenen Tanzen zu bewegen („Party Time“….). Was es auch tat und die Gewissheit brachte, dass die Filthy Dukes in diesem Jahr mit ihrer Musik ein ganz heißer Newcomer im Bereich Elektro und New-Rave sein werden.

Foto: Ariane WhiteTapes

Der Umbau nach den Filthy Dukes zog sich aufgrund der umfangreichen Gerätschaften, die die Band abzubauen hatte doch etwas, aber endlich standen um kurz nach elf dann die Rakes auf der Bühne. Gitarrist Matthew, Sänger Alan und Bassist Jamie sogar in aufeinander abgestimmten Jacken. Ohne große Worte zu verlieren machten die Rakes mit „1989“ der ersten Single von „Klang“ gleich deutlich, was sie meinen, wenn sie sagen, sie hätten beim Songwriting nun besonders Wert auf einen punkigeren, direkteren Sound gelegt (in ein paar Tagen hier im Interview nachzulesen), denn „1989“ ist ganz deutlich kein Ohrwurm wie „We Danced Together“, sondern ein zackiges, kurzes und raues Indierock-Stück, das aber immer noch die Rakes-typische Dringlichkeit beinhaltet. Eine gewollte Wendung, auch weil sich die Rakes ihren Stil unter den englischen „Art-Rock“ Bands am ehesten als Punk bezeichnen würden, auch wenn alle vier Rakes eher wie BWL-Studenten aussehen. Die frisch entdeckte Punk-Attitüde machten die Rakes auch durch ihre Kleidung deutlich. Nachdem Sänger Alan vor dem Auftritt der Band noch frisch gescheitelt und in leuchtend rotem Hemd herum lief, trug er nun einen viel zu engen  grauen Pullover unter einer weißen Jacke und seine Hose steckte in klobigen Stiefeln.

Foto: Ariane WhiteTapes

Von den neuen Stücken blieb neben der neuen Single der Song „That’s The Reason“ hängen, das wie die meisten der fünf neuen Stücke, in knapp drei Minuten die Rakes von ihrer bisher rockigsten Seite zeigte. Vielfach ging zwar leider der Gesang von Sänger Alan Donohoe im etwas zu breiig abgemischten Sound im Gebäude 9 unter, glücklicherweise war er aber immer noch deutlich genug, dass man sich ein ungefähres Bild vom Sound von „Klang“ machen konnte. Eines wurde deutlich, die smarteste der englischen Post-Punk Bands wollte sich bei den neuen Stücken kurz fassen, das ist gelungen. Der größte Teil des Publikums feierte diese Songs auch angemessen ab, mehr Erkenntnisse zu „Klang“ ließen sich darüber hinaus auch noch nicht gewinnen, dafür ist das einmalige Hören eindeutig noch nicht genug. Für die Rakes ging es zwar auch darum, ihr neues Album vorzustellen, aber bei den ersten Gigs des Jahres stand wohl vor allem im Vordergrund sich warm zu spielen und mit den Fans eine gute Zeit zu haben. Das hatten die Fans auch, besonders bei zwölf  bekannten Hits der Band, die sich neben den fünf Neuen in der Setlist wiederfanden und vom Publikum besonders euphorisch aufgenommen wurden.

Foto: Ariane WhiteTapes

Darunter rockigere Stücke, wie „Retreat“, „Terror“, „22 Grand Job“ und „Strasbourg“, bei dem wohl jeder Anwesende mitsang, auch wenn Teile des Publikums darauf bestanden in jeder der kurzen Text-Pausen wieder mit „1, 2, 3, 4“ einzuzählen, diese Teile des Publikums wurden dann aber von den textsicheren Rakes-Fans  mit strafenden Blicken  als Rakes-Banausen geächtet. Verschnaufpausen für Band und Publikum gab es bei den etwas poppigeren Stücken „We Danced Together“ und „When Tom Cruise Cries“, Phasen, in denen Sänger Alan Donohoe dennoch wie wild tanzte und mit den Armen gestikulierte. Anders als noch in Bielefeld im Herbst 2007 schien er wieder voller Energie, die nun einfach raus musste. Auch Drummer Lasse schien vor Spielfreude nur so zu sprühen und konnte seine Wikingerwurzeln mit dem ein oder anderen Urschrei nicht mehr leugnen. Energie geladen und mit frischen Songs im Gepäck machten die Rakes also auch wieder richtig Spaß und so gelang es den vier Londonern mit 17 Songs in einer Stunde, die Vorfreude auf „Klang“ noch einmal um ein vielfaches zu steigern. Einzig der Abgang der Band nach 60 Minuten Spielzeit gestaltete sich etwas traurig, die vier Rakes + Begleitmusiker verließen die Bühne, Roadie Joel stimmte derweil die Instrumente neu und bereitete die Bühne auf eine Rückkehr der Rakes vor. Leider winkten die Verantwortlichen im Gebäude 9 ab und so musste sich der Roadie darauf beschränken die Verstärker auszuschalten und mit dem Abbau zu beginnen, allerdings nicht ohne noch einmal einen leicht entnervten Blick Richtung Mischpult zu werfen.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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