Konzertberichte

I Like Trains + Delay Trees, Gleis 22, Münster, 18. Januar 2011

Alljährlich landet das Münsteraner Gleis 22 in Umfragen in den Top 10 der beliebtesten Konzertlocations deutscher Indie-Jünger. Kein Wunder, zeichnet sich der kleine Laden doch durch eine angenehme Atmosphäre, sympathische Mitarbeiter und ein stets tolles Line-Up aus. Gerade die Vertreter der letzteren Gattung, also die Bands, scheinen auch gern dem Charme des Gleis 22 zu erliegen und kommen gern ein zweites und auch drittes Mal. Etwa die Schotten von We Were Promised Jetpacks, die sich bei zwei Besuchen im Gleis 22 sehr begeistert zeigten. Oder eben I Like Trains aus Leeds, um die es heute geht – gehören doch Gleise und Züge eng zusammen.

Bei ihrem letzten Besuch im Gleis 22, als sie noch iLiKETRAiNS hießen, zeigten sich Band und Publikum gleichermaßen begeistert vom Auftritt, so sehr, dass die Band auf der anschließenden Party auf dem Tresen tanzte. Nach etwas mehr als einer Stunde und einer kleinen Zugabe war das Erlebnis leider schon wieder vorbei und I Like Trains verabschiedeten sich von der Bühne. Waren aber recht schnell im Anschluss an ihr Set am Merch anzutreffen und für einen Plausch und ein Bierchen zu haben. Auf dem Heimweg schwang der epische Sound der Band noch lange nach, genau wie der Wunsch, dass die Jungs aus Leeds bald wieder Halt im Gleis 22 machen.

I Like Trains

Nach dem Release ihres zweiten Albums „He Who Saw The Deep“ kehrten die Briten also gern nach Münster zurück. Darauf ließen auch ihre Bilder bei Facebook schließen (siehe oben), in denen sie haarklein von Soundcheck, Abendessen, etc. berichteten. Wir schauten natürlich auch gern wieder beim Besuch von I Lke Trains vorbei. Pünktlich fanden wir uns ein, um auch die vielversprechende finnische Vorgruppe Delay Trees nicht zu verpassen.

Die betraten pünktlich um 21 Uhr die Bühne und eröffneten mit „Gold“, der ebenfalls der Opener des am Freitag erschienenen, selbstbetitelten Debüts ist. Beinahe schüchtern trug Rami Vierula seine Gesangslinien mit sanfter Stimme vor und wurde dabei unterstützt von sich behutsam voran tastenden Gitarren. Dabei erzeugten sie Sounds irgendwo zwischen I Like Trains, The Smashing Pumpkins und Radiohead. Niemals laut, aber manchmal fast episch. Gerade bei Stücken wie „Cassette 2012“, oder dem tollen „Tarantula/Holding“ erzeugten sie eine dichte Stimmung, die Lust auf mehr machte. Nach beinahe 45 Minuten verabschiedeten sie sich unter lautem Applaus von der Bühne. Von dieser Band werden wir noch hören.

Das Münsteraner Publikum war dank der Finnen nun bestens auf den düsteren Sound von I Like Trains eingestimmt. Die betraten um 22 Uhr ohne langes Intro, oder viel Tamtam die Bühne und ließen gleich die Lautsprecher des Gleis 22 beben. Wie immer trugen sie ihre alte Bahnuniform und verzogen während des Vortrags ihrer dunklen Songs, in denen sie meist von tragische Themen erzählen, keine Miene. Unterstützt wurde das Quartett auf der Bühne noch im Hintergrund von einem Kollegen, der bei den neuen Songs wahlweise zu Gitarre, oder Keyboard griff. Das machte den Sound noch dichter und ließ die Band gerade in den lauteren Phasen, noch krachiger und epischer durch das Gleis 22 donnern, also beinahe wie der namensgebende Zug im Bandnamen.

Sänger David Martin wirkte dabei mit seinem sonoren Bariton, wie der ruhende Pol im tosenden Bandsound und ging voll in den Songs auf. Das sorgte für eine beeindruckende Stimmung und die ein oder andere Gänsehaut. Gerade bei „Terra Nova“ von der Debüt EP „Progress Reform“ schien das Publikum tief in den von der Band erzeugten Sog gerissen zu werden. So wurde jede Note im bombastischen Songaufbau der Band aufgesogen. Die Stimmung wurde so dicht, dass die Spannung beinahe greifbar war. Die neueren Songs mit ihren etwas helleren Gitarrenmelodien luden dabei sogar etwas zum mitwippen ein.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier

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