Konzertberichte

I Build Collapsible Mountains – Kassette, Düsseldorf, 29. September 2012

I Build Collapsible Mountains - Kassette, Düsseldorf, 29. September 2012

Wenn es in diesem Jahr eine Tour gab, auf die wir uns besonders freuten, dann wohl eindeutig die des Schotten Luke Gareth Joyce mit seinem Projekt I Build Collapsible Mountains. Der Songwriter, der sich damit brüsten darf, nach einem gewissen Nachwuchs-Jedi aus der alten Star Wars Trilogie benannt worden zu sein, verzauberte uns bereits im letzten Jahr mit seinem Solo-Debüt „The Spectator & The Act“ und legte nur ein Jahr später mit „Songs From That Never Scene“ schon den Nachfolger nach.

Ähnlich wie der Held der oben erwähnten Filmtrilogie stammt Luke aus einer kleinen Siedlung. Allerdings nict in der Wüste, sondern unweit von Edinburgh. Schon früh lernte er mit der Macht (der Musik) umzugehen und stellte fest, welche Wirkung sie auf die Menschen ausübt. Bewaffnet mit zwei Gitarren und mit starken Songs machte er sich nun auf seine erste Deutschland-Tour zu spielen. Den Abschluss feierte er in der Düsseldorfer Kassette. Eine Premiere für ihn, war er doch erstmals in der Landeshauptstadt und eine Premiere für die Kassette, die erstmals Live-Musik anbot.

Und die Premiere sollte gelingen. Und das obwohl das Konzert an einem Samstag-Abend stattfand. Wer schon einmal an einem Freitag oder Samstag in den Rheinstädten Düsseldorf und Köln auf einem Konzert war, dürfte festgestellt haben, dass Konzerte recht früh beginnen, häufig nicht immer gut besucht sind und am besten früh enden, damit anschließende Partys oder anderen Veranstaltungen beginnen können. Deshalb begann Luke mit seinem Set auch schon um zwanzig nach 8. Und das trotz der Terminierung an einem Samstagabend vor proppevoller Kneipe mit Wohnzimmer-Ambiente.

Vor einer großen Fensterfront nahm der Schotte auf einem Holzstuhl Platz, nahm seine Gitarre zur Hand und begann nach kurzer Ansage durch das Personal mit seinem Set. Dabei musste er zunächst stark kämpfen, damit er auch im ganzen Raum gehört wird. Die Verstärker wollten zunächst nicht so wie er und große Teile des Publikums schienen es vorzuziehen, ihre Gespräche trotz Live-Musik lautstark weiterzuführen. Nach ein paar Songs erklang seine sanfte Stimme dann endlich mit voller Kraft aus den Boxen, was viele Besucher jedoch nur als Ansporn sahen, eben noch lauter zu reden. Dieses „weiße Rauschen“, wie es Allroy For Prez… sehr treffend beschrieb, war leider während des gesamten Sets auch in den vordersten Reihen laut zu hören, was den Genuss leider ein wenig trübte. Die netten Anekdoten, die Luke zwischen den Songs erzählte gingen deshalb völlig unter, weshalb er es auch irgendwann aufgab zwischen den Songs etwas zu sagen.

Beinahe verschüchtert beschränkte er sich dann darauf seine Songs mit möglichst kurzen Pausen vorzutragen und war immer bemüht die richtige Balance zwischen Lautstärke seiner Stimme und der richtigen Dosis Gefühl zu finden. Das gelang ihm auch und so spielte er ein wirklich berührendes und gelungenes Set mit ruhigen Stücken, die ohne laute Gespräche vermutlich so richtig unter die Haut gegangen wären. Gerade die ganz ruhigen Stücke, wie „Slowapproacher“ wurden ihrer Intimität beraubt. Man war praktisch gezwungen, sie in seine eigene Welt zu träumen, um den Krach ausblenden zu können. Ein kleiner Kraftakt bei dieser Lautstärke, aber es lohnte sich für jeden, der es in Angriff nahm! Und dennoch durfte Luke am Ende des Sets zufrieden feststellen, dass der Filzhut ordentlich mit Spenden für ihn gefüllt war, was entweder am schlechten Gewissen der Leute lag oder daran, dass es ihnen gefiel.

Beleg für letzteres dürften die zahlreichen Leute sein, die Luke nach dem Set ein wenig am Merch belagerten. Wir freuen uns jetzt jedenfalls schon darauf, Luke im nächsten Jahr wieder bei seiner Deutschland-Tour zu sehen. Dann vielleicht auch mit einem Publikum, dem es gelingt einmal 75 Minuten lang nicht oder nur leise zu reden.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier

Discussion

  1. […] Kassette vorbeischaute, um den Abschluss seiner Deutschland-Tour vor proppevoller Hütte zu feiern (hier geht’s zu unserem Bericht) und die Songs seiner beiden Alben “The Spectator & The Act” und “Songs From […]

    Posted by I Build Collapsible Mountains – FLMR Session (part 1) | WhiteTapes | Oktober 13, 2012, 12:00 pm

Archive