Konzertberichte

Highfield Festival – die Lady unter den Festivals

Foto: Jochen Melchior

Das Highfield 2008 hat gerufen und es folgten so viele Zuschauer wie noch nie. 25.000 Besucher waren da, das erste Mal in der Geschichte des Highfields war das Festival ausverkauft. Möglicherweise waren die Bands schuld daran. Selten zuvor gab es ein so hervorragendes Line Up angeführt von der Besten Band der Welt – Die Ärzte. Vielleicht lag es auch an dem Charme des Festivals, dass einen Ruf weit über die ehemaligen Grenzen der innerdeutschen Teilung aufweist. Es wird nicht umsonst dank anliegenden Stausees und wunderschöner Therme als das schönste Festival Deutschlands genannt.

Anstehen an einer Therme kann anstrengend sein. Schlangen mit einer Reichweite von 1 ½ Stunden Wartezeit. Alles dies nehmen sich die Besucher des Highfields vor, nur um ordentlich duschen zu können und dann im Bad entspannen zu können. Wer sitzt nicht gerne im Außenbereich eines Erlebnisbads und lauscht den Klängen von The Bones. Doch nun mal von Anfang an und alles der Reihe nach abhandeln. Highfield 2008, ein Line Up, das seinesgleichen sucht. Angeführt von den Die Ärzte, The Killers mit einem exklusiven Festivalauftritt und der wohl besten deutschen Liveband, den Beatsteaks.

Jochen Melchior

Foto: Jochen Melchior

Freitag gaben, als eine der ersten Bands, The Subways den Startschuss zum Highfield. Warum Sänger Billy Lunn oben ohne die Bühne stürmen musste? Niemand wusste es, zumal das Thermometer noch nicht die nötigen hohen Temperaturen anzeigte, die dafür nötig gewesen wären. Auch die jeweils geschrienen Ansagen sollten evtl. überdacht werden. Dank der Erfindung des Mikrofons ist der geneigte Zuschauer in der Lage, dem Musiker auch beim normalen Sprachgebrauch zu verstehen. Verrückte Welt. Ruhiger ging es bei Tocotronic zu. Die Väter der Hamburger Schule, die dieses Genre wie keine andere Band prägten sorgten für die ersten Sonnenstrahlen am noch trüben, grauen Festivalhimmel. Die One Hit Wonder Band der Plain White T’s sorgten für mit ihrer Mischung aus poppigen Punk und punkigen Pop für einige mitwippende Füße, für mehr reichte es leider noch nicht. Bei den Sportfreunden Stiller setzte endlich die Massenbewegung ein. Das Festival tanzte und die Sporties zeigten, was für eine gute Band sie doch sind. Lag wohl daran, dass sämtliche Fußball – Mallorca Klassiker bewusst von der Band aus dem Set gestrichen worden sind. Eine der größten Indie-Brit-Pop Bands sind in allen Fällen Bloc Party. Aber irgendwie möchte man sie nicht in eine Schublade stecken mit anderen Inselgrößen, denn sie sind anders. Die Gitarren sind perfekt aufeinander abgestimmt, das Schlagzeug weist immer einen abstrakten Rhythmus auf und auch Sänger Kele Okereke sticht durch den einzigartigen Klang seiner Stimme heraus. Für viele eines der Highlights dieses Festivals. Riesige Blumentöpfe, große Lichtsäulen und ein hell erleuchtendes K, was in vielen die Erinnerung an einen großen Frühstücksflockenhersteller hervorrief. Ein unstimmiges und insgesamt unschönes Gesamtbild. Doch alles dies gehörte zu The Killers, Headliner des Freitagabends. Eher enttäuscht war die Menge nach dem zu routiniert ablaufenden Konzert der Band, die exklusiv auf dem Highfield auftraten.

Samstag – und alles war anders. Die Sonne schien, der Matsch der ersten Tage trocknete, die Laune stieg bei den meisten ins unermessliche. Ein rundum gelungener Tag, bei dem auch die Haupt-Bühne Highlight nach Highlight aufwies. So zum Beispiel, The (International) Noise Conspiracy aus Schweden. Kapitalistischer Garagenrock, die tanzbare Revolution. Man kann es betiteln wie man will, überzeugen können die 5 Skandinavier viele. Man darf voller Vorfreude gespannt auf das neue Meisterwerk sein, bei dem wieder mal Rick Rubin die Finger im Spiel hatte. Irish Folk mit der Prise Alkohol und einem ausgeprägten Sinn für Politische Themen. Das sind Flogging Molly. Und es findet Begeisterung und so mussten sie nicht viel machen um die Massen in Griff zu bekommen, sondern spielten routiniert und gut ihr Set runter und frönten das ein oder andere Mal ihrer Begeisterung für irische Biere. Kettcar gefallen. Ihre Texte, die so vielen aus der Seele sprechen und Zitate mit denen den Lebensweg pflastern kann. Zusammen mit dem Sonnenuntergang erweisen sich die tief gehenden Texte als Gänsehautfaktor. Ein guter Mix aus alten Liedern und Songs des aktuellen Albums Sylt sorgten für zufriedene Gesichter am Stausee. Kettcar bedanken sich bei den „Lady unter den Festivals.“ Ein weiteres Highlight war der Gastauftritt vom Ärzte Schlagzeuger Bela B. Der Kettcar seine Stimme für die zweite Strophe bei „Am Tisch“ lieh. The Hives aus Schweden haben Stil, gute Songs und Power. Alles dies vereint macht die sie so unwiderstehlich, die 5 Schweden. Eine sehr gute Liveband, die es versteht dem geneigten Betrachter zu gefallen. Ein fulminantes Line Up braucht einen fulminanten Headliner. Bevor eine andere Band gebucht war, stand der auch schon fest. Die Ärzte – aus Berlin (aus Berlin!). Zum Ende ihrer Mammuttour zum aktuellen Top Ten Album „Jazz ist anders“ schaute die beste Band der Welt vorbei und sorgte für strahlende Augen. Zwar durfte sie mit zwei Stunden am längsten von allen Bands spielen, doch selbst diese erschienen zu kurz und so fehlte doch der ein oder andere großartige Song in der Setlist, die sich trotz alledem sehen lassen konnte.

Sonntag und schon wieder Sonne. Geschlaucht wirkt noch niemand, eher werden die letzten Kräfte mobilisiert und rausgeholt. Den Anfang machten The Bones mit ihrer Mischung aus guten alten Rockabilly und Punk. Diese sind für das Alkaline Trio eingesprungen, die kurzfristig abgesagt haben. Madsen spielten vor 3 Jahren schon mal auf dem Highfield und waren Opener. Kaum jemand zeigte Interesse damals. Wie sich die Zeiten ändern können. Drei und drei Alben später ist der Platz für die Tageszeit prall gefüllt. Ob jetzt wirklich Metallica Coverversionen was auf dem Festival zu suchen haben, das sei dahin gestellt, aber so wirklich böse kann man den 3 Brüdern und ihren 2 Freunden nicht sein. Im nahe gelegenen Coca-Cola-SoundWave-Tent tritt der Geheimtipp der Indie-Szene auf. Blood Red Shoes, zwei blutjunge Briten. Laura-Mary Carter an der Gitarre, Steven Ansell am Schlagzeug. Zack, es finden sich tausende Vergleiche zu den White Stripes. Alle mal falsch angesetzt, denn außer der umgekehrten Besetzung lassen sich keine Vergleiche ziehen. Die Musik ist anders, melodischer, gradliniger und tanzbar. Und das Highfield Publikum bedankte sich und spendierte Applaus. Als letzte Band des Festivals betraten die Beatsteaks die Bühne. Und sie kamen, sie spielten und sie siegten. Ein kreischender Aufschrei mit wedelnden T- Shirts bei „Let Me In“ war das Ende des Festivals. Auch dass die eigentlich angegebene Spielzeit überschritten worden ist, störte niemand. Das Arnim Teutoburg Weiß die Massen in seinen Bann ziehen kann, weiß jeder. Seine unaufhörliche Power und auch der große Wille den letzten Menschen zu animieren machen ihn zu einem der begnadetsten Frontmänner dieser Welt. Und wer kann schon bitte so gut tanzen?

Ein Festival kostet Geld, es fordert Kraft und Ausdauer. Aber es lohnt sich. Und ganz besonders wenn alles noch in einem so schönen Ambiente wie der am Stausee Hohenfelden stattfindet und so kann man sich sicher sein, dass sich im August 2009 wieder 25.000 freundlich, irre Menschen verlaufen werden und eins der schönsten Wochenenden verbringen.

Und weil’s so schön war noch der Teaser zum neuen Beatsteaks Video zu „Hey Du!“:

Martin WhiteTapes

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