Konzertberichte

Haux + Rosie Carney – YUCA, Köln, 23. Mai 2017

Es gibt die unterschiedlichsten Karrierewege zum Musiker und insbesondere zum Recording Artist – wie es so schön in der Musikbusinesssprache heißt. Der von Woodson Black führte ihn zunächst durch ein Musikmanagement Studium und ein Praktikum bei einem englischen Label, ehe er beschloss, dass er lieber selbst Musik veröffentlichen und sich nicht beruflich um die Musik anderer Künstler kümmern möchte. Ende 2014 gab es mit der EP „the bluest sage“ dann bereits den ersten Release im Stillen unter seinem Alias Haux, ehe er bei einem Showcase im letzten Jahr direkt unter Vertrag genommen wurde und seitdem als heißer Newcomer gehandelt wird. Kein Wunder, dass er innerhalb kurzer Zeit mehr als 7.000 Facebook-Fans sammelte, zum Reeperbahn-Festival eingeladen wurde und seine Single „Homegrown“ inzwischen weit über 7 Millionen Plays allein bei Spotify sammeln konnte. Derzeit arbeitet der Musiker gemächlich an seinem Soloalbum, nahm sich zwischendurch aber auch die Zeit, seine erste größere Tour in Europa zu spielen. Drei Termine verschlugen ihn dabei auch nach Deutschland, wo er seinerzeit im Rahmen des Reeperbahn-Festivals sein erstes Auslandskonzert überhaupt spielte.

Rosie Carney – YUCA, Köln, 23. Mai 2017

Bevor Haux beim Konzert unserer Wahl in Köln in Dreierformation die Bühne betraten, wurde der Abend von der Anfang 20-jährigen, britischen Newcomerin, Rosie Carney eröffnet. Die junge Musikerin betrat nur mit einer akustischen Gitarre bewaffnet die Bühne des zu diesem Zeitpunkt mit etwa 20 bis 30 Menschen gefüllten Yuca. Ihre Songs sind deshalb auch nur um zärtliche Gitarrenakkorde und Fingerpicking gebaut, wozu sie mit sanfter Zurückhaltung singt.

In ihren Songs singt Rosie Carney über Themen wie Depressionen und Essstörungen, mit denen sie sich in ihrer Teenager-Zeit plagte. Musik sei für sie eine „Therapie gegen die bösen Geister, die sie verwirren, zerstören, auffressen“, schreibt sie dazu in ihrem Blog.

In neueren Songs spricht sie aber auch über das Erwachsenwerden, für eine Frau Anfang 20 ein mehr als aktueller Prozess. Ihr Set gestaltete sich nicht viel länger als 20 Minuten und wurde nur unterbrochen von ihren ruhigen Ansagen, die fast genauso zurückhaltend und sanft klangen, wie ihre Gesangsstimme.

Haux – YUCA, Köln, 23. Mai 2017

Im Anschluss an das Set folgte eine mehr als kurze Umbaupause, nach der Woodson Black zusammen mit seinen Mitstreitern Emily Brouwer an Keyboard und Background-Vocals und Mike Wagz an Drums und Percussions, die Bühne betrat. Das Yuca war mit inzwischen schätzungsweise 60 bis 70 Menschen recht gut gefüllt und die Band lieferte direkt einen gelungenen Einstieg. Nach relativ ruhigem Start mit Gitarrenpickings, sanft wabernden Keyboards und soulig-sanftem Gesang von Woodson Black, türmten die drei Musiker ihre hallenden Klanglandschaften atmosphärisch immer weiter auf und brachen gegen Ende der beiden Opener in ein etwas höheres Tempo aus.

Da war es auch keine Überraschung, dass das Publikum Haux von Beginn an zu Füßen lag und auch in den Songpausen jedem Wort von Woodson Black an den Lippen hing. Der beschränkte sich zwar auf wenige Ansagen Richtung Publikum, wurde dabei aber nicht müde zu erwähnen, wie fantastisch er es fände, an diesem Abend auf der Bühne zu stehen, in einem Land, in das er sich bei seinen bisherigen Besuchen nach kurzer Zeit verliebt hätte.

Dem Publikum ging es ähnlich mit Haux und so versank es in dem leider nur knapp 45 Minuten langen Set vollständig in den atmosphärischen Dream-Pop-Stücken des US-Amerikaners, die durch die unaufdringlichen Einflüsse aus Folk, Elektro und souligen R’n’B immer abwechslungsreich waren. Was die Musik von Haux vermutlich für jeden Besucher und die wachsende Fanschar ausmacht, ist das Talent von Woodson Black mit wenigen Mitteln und zeitlos melancholischen Klängen, sphärische Landschaften und Bilder in den Köpfen seiner Zuhörer zu erzeugen. So lief an diesem Abend vermutlich in den Kopfkinos der Besucher jeweils ein ganz individueller Film und nicht bei weniger Besuchern konnte man geschlossene Augen beobachten. Das Konzert hätte gerne länger dauern dürfen, was vom Publikum auch mehr als einmal zum Ausdruck gebracht wurde. Aber was soll ein Künstler an Anfang seiner Karriere machen, wenn er mit seinen Songs nun einmal bisher nicht mehr als 45 Minuten ausfüllt. Das Album ist laut Aussage von Black für 2018 angedacht und dann dürften auch die Konzerte die volle Stunde rund machen, wenn nicht überschreiten.

Haux beim Lieblingslieder Wohnzimmer-Konzert in Hamburg


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