Konzertberichte

Handsome Furs, West Germany, Berlin, 9. Mai 2011

Dan Boeckner und Alexei Perry wohnen jetzt in Sound Kapital. Dort tanzt man vermehrt zu Synthies.

Handsome Furs dürften Europa mittlerweile sogut wie ihre Westentasche kennen. Viel größer als eine solche, ist das West Germany auch nicht, und heute abend erscheint es besonders klein. Trotz starker Konzertkonkurrenz in der Stadt, scheint sich ganz Kreuzberg genau hier gegenseitig auf die Füße treten zu wollen. Beim dritten Song ist es bereits derartig heiß, dass ich sicher bin, mehr Schweiß von anderen Leuten als von mir selber am Körper zu haben. Während manche noch Stoßgebete nach Frischluft gen Decke schicken, entledigen sich Dan und Alexei kurzerhand ihrer Klamotten. Teilweise zumindest. Obenrum nur noch mit Körperbemalungen und BH bekleidet, spielt es sich eindeutig besser und auch Alexeis gymnastische Verrenkungen hinter ihrem Ar(t)beitstisch voller Synthie/Keyboard-Tasten, Drum Machine und Effektkram, werden immer spektakulärer. Ihre Füße befinden sich öfters an den Wänden des Clubs als auf dem Boden und nach jedem Song lässt sie sich schwer atmend nach hinten fallen, wie eine Marathonläuferin, die gerade die Zielgerade durchquert hat. „I’m always so nervous about playing here, because i really wanna impress Berlin. I love it here so much!“ spricht sie, und man möchte ihr das genau so glauben.
Ihr Band- und Lebenspartner Dan trägt seine Vocals gewohnt eindringlich, mehr rufend als singend, vor. Euphorisch wird jede Geste der Beiden beklatscht, jeder Song, ob neu ob alt, begeistert bejubelt. Mit jedem weiteren Akkord aus Dans Gitarre, mit jedem neuen Beat aus Alexeis Fingern, scheint die Temperatur im Raum zu steigen.

Die Hits von Plague Park und Face Control sollen heute abend nur am Rande stattfinden, die eigentlichen Stars sind die Songs des im Sommer erscheinenden neuen Albums „Sound Kapital“. Und zur Sound Kapital des Elektro/Synth Pop wollen Handsome Furs scheinbar auch werden. Die Gitarre wird Dan wohl in Zukunft eher mit seinen Band-Kollegen von Wolf Parade spielen, denn Tracks wie „What about us“, „When I Get Back“ und „Memories Of The Future“ klingen fokusierter, tanzbarer und vor allem synth-lastiger als alles, was Handsome Furs bisher gemacht haben. Doch wer hier an kühle Elektro/ Synthie Klänge denkt, liegt nur halb richtig, denn kalt ist hier garnichts. Handsome Furs‚ Beats sind so heiß wie ihre Bühnenshow. Bei „What about us“ steigt Dan von der Bühne, tanzt mit der Menge und singt seine Frau Alexei mit den Worten „..go on and brake my heart, go on and brake my heart!“ direkt an. Alexis zerfließt vor Rührung, das Publikum immer noch vor Hitze. Die Handsome Lovers aus Montreal kommen aus ihrem Dankes- und Freudentaumel garnicht mehr heraus. Wenn das alles nur ein Fiebertraum war, dann war es ein verdammt guter.

Gratis Download von What about us

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