Konzertberichte

Haldern Pop, Freitag 14. August 2009

Mit seiner überschaubaren Besucherzahl, der idyllischen Lage und einem traumhaften Line-Up ist das Haldern Pop eindeutig unser Lieblings-Festival. Toll auch die kurze Anreisezeit, durch die wir als nicht gerade Campingaffine Menschen nicht zu seinem Besuch des Zeltplatzes gezwungen sind. Hätten wir geahnt, dass dieser Umstand dazu führen sollte, dass wir nur am Freitag und nicht wie geplant auch am Samstag zugegen sein konnten hätten wir doch noch einmal das Thema Camping in Erwägung gezogen.

Nachdem wir also den Eröffnungstag des Festivals für das Patrick Wolf Konzert in Köln, das viele Eindrücke liefern sollte, sausen ließen, machten wir uns am Freitag pünktlich auf zum Festivalgelände. Das war kurz vor Einlass bereits gut gefüllt und wurde Punkt 15 Uhr geöffnet. Die Umstände für einen gelungenen Auftakt auf der Hauptbühne waren dann auch perfekt, die Sonne lachte, das Gelände des Reitplatzes war hübsch hergerichtet und die Mitarbeiter zeigten sich gut gelaunt und zuversichtlich. Ein paar Neuerungen gab es auch zu bestaunen, am auffälligsten darunter war wohl die große Leinwand vor dem Spiegelzelt, auf der man das Geschehen im Zelt verfolgen konnte. Auch toll war, dass nun vor der Bühne die Kamera in der Mitte durch ein nicht so klobiges Modell ersetzt wurde, was den Blick auf die Bühne sehr erleichterte. Um 15:30 Uhr begann dann bereits das Programm mit der israelischen Band Asaf Avidan & the Mojos. Hier stach vor allem die Stimme von Frontmann Asaf Avidan heraus, die klang wie eine Mischung aus Janis Joplin, Robert Plant und Jack White. Ähnlich war dann auch der Sound der Band, die einen kurzweiligen Querschnitt der Rockgeschichte präsentierte. Der war als Einstieg sehr gut,  kam an und bescherte Asaf Rufe aus dem Publikum wie „We love you guys“, was Asaf beinahe peinlich zu sein schien. Nach knapp 40 Minuten beendeten Asaf Avidan & the Mojos ihre Show unter lautem Applaus.

Einem tollen Einstand auf der Hauptbühne folgte schnell das erste Highlight. Port O’Brien bauten fix ihr Equipment auf und begannen dann auch nach ein paar Problemen mit der Einstellung des Banjos pünktlich ihr Set. Neben Songs ihres ersten Albums „All We Could Do Was Sing“ hatte die Band neue Stücke aus dem Ende September erscheinenden Albums „Threadbare“ und einen neuen Gitarristen dabei. Mit ein paar neuen Songs wurde dann auch eröffnet, die zeigten die Band sichtlich aufgeräumter und schwermütiger, als noch auf dem Debüt, was bekanntermaßen einem schweren Schicksalsschlag der Band geschuldet ist. Ein erstes Songhighlight des Festivals sollte dann zunächst das Stück „Fisherman’s Son“ vom Debüt darstellen. Auch das Stück „Don’t Take My Advise“ sorgte für reichlich Applaus. Neue Songs, wie „Oslo Campfire“ und „Tree Bones“ fügten sich auch harmonisch ins Set ein. Besonders heraus stachen unter den neuen Songs neben dem erwähnten „Tree Bones“, das ein wenig an die Unplugged Version von Nirvana’s „Lake Of Fire“ erinnerte auch das Stück „My Will Is Good“ und der Song „Sour Milk / Salt Water“, der live um einiges beschwingter wirkte. Einen schönen (wenn man das so sagen kann) Gänsehautmoment hatten Port O’Brien dann mit dem Song „High Without The Hope 3“ im Gepäck, dass Cambria ganz allein und mit zittriger Stimme zum Besten gab. Es schien ihr sichtlich schwer das Stück vorzutragen und so wischte sie sich auch am Ende eine Träne aus dem Gesicht und verließ die Bühne, was aber wohl auch daran lag, dass sie in den letzten beiden Songs keine Parts spielte. Mit „I Woke Up Today“ beendeten Port O’Brien dann ein gelungenes Konzert und sorgten für den lautesten Mitgröhlmoment des Tages, als knapp 3.000 Besucher „Noooooooooooo“ sangen.

Während des Tages hieß es auch banges Warten auf Nachricht von Owen Pallett, alias Final Fantasy. Der war von seiner beim Konzert in Utrecht bereits beginnenden Krankheit nämlich so sehr mitgenommen, dass er sein Konzert in Paris am Donnerstag absagen musste. Kurz vor seinem Set meldete er dann über sein Twitter „Still a little grog-faced but Haldern is a GO“, was wir als Bestätigung für seinen Auftritt nahmen. Diesen Eindruck bestätigte auch seine Sichtung im Backstage-Bereich. Ganz fit schien er dennoch noch nicht, denn die Farbe seiner Haut glich doch sehr der seines weißen T-Shirts. Laut niederländischem Ansager und Haldern Pop Urgestein Hein war Owen Pallett seiner Erinnerung nach der einzige Künstler, der jemals ganz allein auf der Hauptbühne des Haldern Pop stand. Dennoch wirkte er da auf der großen Bühne alles andere als verloren und präsentierte wie bereits zwei Tage zuvor eine tolle Auswahl an Songs. Die anfänglichen Problemen mit den Bässen, die eine unschöne Vibration des Bühnendachs hervor riefen, war auch schnell behoben und so stand dem Songgenuss nichts mehr im Wege. Das sorgte auch dafür, dass sich der Platz auch beim drittenAct des Tages noch weiter füllte und Owen Pallett nach jedem Song euphorischen Applaus erntete. Highlights waren die Stücke „The Butcher“, „This Is The Dream Of Win And Regine“, „This Lamb Sells Condos“ und „The CN Tower Belongs To The Dead“, bei dem sogar rhythmisch mitgeklatscht wurde, was wir bisher bei einem Final Fantasy Konzert noch nicht erlebt hatten. Nach knapp 40 Minuten war Owen Pallett dann bereits durch mit seinem Set, fühlte sich aber so wohl, dass er die Techniker noch nach einer Zugabe fragte, die er dann natürlich auch spielen durfte. Nach insgesamt 45 Minuten verließ er dann unter euphorischen Jubelpfiffen die Bühne, nach einem Auftritt, den er auf seinem Twitter wie folgt zusammen fasste: „Danke Haldern! You guys are heisse scheisse“.

Auch um 18 Uhr knallte die Sonne zu diesem Zeitpunkt noch gnadenlos auf den Reitplatz, was die vormals normale Hautfarbe vieler Besucher in ein modisches Rot verwandelte. Dennoch schien niemand Zuflucht im Schatten suchen zu wollen, vielmehr füllte sich der Platz bis zum Auftritt von Noah and the Whale bis auf bestimmt 4.000 Besucher. Die legten dann um kurz vor halb sieben gewaltig und wuchtig los mit dem Song „Give a little love“, einem Stück vom Debüt, dass in seiner Wuchtigkeit und Melancholie beinahe schon an The National erinnerte, die im Vorjahr an gleicher Stelle ein mitreißendes Konzert gegeben haben. Es folgten „Blue Skies“ vom neuen Album „First Days Of Spring“ und das alte Stück „Jocasta“. Der Rest des Sets bestand dann nur noch aus neuem Material, dass größtenteils ruhiger und zurückhaltender daherkam als noch die Stücke des Debüts. Noah and the Whale schafften es eine dichte Atmosphäre zu erzeugen und die Vorfreude auf ihr zweites Album noch weiter zu steigern, auch wenn ein paar weitere alte Songs auch gut ins Set gepasst hätten und aus einem guten einen tollen Auftritt gemacht hätten.

Nach vielen Glanzpunkten folgte ein erster Schwachpunkt als unsere Kamera den Dienst quittierte. Das anschließende Set von Anna Ternheim rauschte nach vorhergehenden euphorischen Konzerten relativ unspektakulär an uns vorbei. Die Stücke waren natürlich alles andere als schlecht und von Anna und ihrer Band auch voller Inbrunst zum Besten gegeben, die Songs sind allerdings in ihrem poppigem Folksound so austauschbar, dass sie bei uns keinen Funken überspringen lassen wollten. Das sollte sich für uns dann aber im Anschluss beim Set von Patrick Watson ändern. Neben seiner Stamm-Band hatte der Kanadier auch noch ein Streichquartett dabei, das am rechten Bühnenrand etwas versteckt wirkte. Aber woanders hätten sie auch keinen Platz gefunden, denn das ganze Equipment von Patrick und seiner Band nahm bereits viel Platz ein. Eröffnet wurde sein Set durch einen Song, mit allerlei Effekten auf der Stimme von Patrick, die einen gewaltigen Effekt und eine tolle Atmosphäre erzeugten. Die Spannung während des gesamten Konzerts war quasi greifbar und der gesamte Reitplatz schien durch eine mitreißende Performance, die nicht von dieser Welt schien, verzaubert. Ältere Stücke wie „Beijing“ wurden mit neuen Song vom Album „Wooden Arms“ vermischt, zusammen mit dem Streichquartett sorgten Patrick Watson und Band für den ein oder anderen Gänsehautmoment. Beim vorletzten Stück schnallte sich Patrick Watson dann einen abenteuerlichen Megaphon-Rucksack an. Ein Konstrukt mit sechs kleinen Megaphonen mit Lichtern und Mikros dran, die das Gesungene an die Boxen übertrugen. Daran wurde noch eine Gitarre gestöpselt und so schritt Patrick Watson dann zusammen mit seinem Gitarristen durch die Menge. Sein Set beschloss Patrick Watson dann mit dem wunderschönen „Luscious Life“, das wohl eines der schönsten Stücke des Tages war.

Foto: Myspace der Band

Im Anschluss betrat mit Loney, Dear nach Anna Ternheim der nächste Skandinavier die Bühne. Der hatte eine ganze Reihe Gastmusiker mitgebracht und präsentierte eine Reihe hübscher folkig angehauchter Popnummern, die zu fortschreitender Stunde den Reitplatz zum seeligen Mitschunkeln anregten. Nach 60 Minuten und 10 Songs verabschiedeten sich Loney, Dear dann auch bereits und überließen die Bühne den Londonern von Athlete, die kurzfristig für Paolo Nutini eingesprungen waren. Ihr Set begannen Athlete dann zu später Stunde mit einem Song vom neuen Album „Black Swan“, das Ende des Monats erscheint. Das zeigte sich als stimmiges, typisches Athlete Stück mit leicht verspielter Melodie. Bei „You Got The Style“ taute das Publikum dann schnell auf und tanzte fröhlich zum Hit vom Debüt-Album „Vehicles & Animals“ mit. Es folgte Gänsehaut mit dem herrlich dichten und intensiven „Half Light“ vom zweiten Album „Tourist“, dass auch in seiner Live-Fassung einfach nur schön ist. Irgendwann zu Beginn des Sets entschuldigte sich Sänger Joel Pott dann noch, dass Athlete noch nie so spät gespielt hätten und sich deshalb erst eingewöhnen müssten. Aber auch zu später Stunde kam der Radiopop von Athlete sehr gut an. Die Lichtshow wurde perfekt mit den infektiösen Popmelodien der Band abgestimmt und so zeigte sich das Publikum auch begeistert von knapp 80 Minuten Athlete und einer Hand voll neuer Stücke. Besonderes Highlight und ein weiterer Gänsehautmoment war das Herz zereißende „Wires“, den Joel Potts über die schwere Erkrankung seines neugeborenem Sohnes geschrieben hatte. Danach folgte noch eine Zugabe, der Song „El Salvador“ vom Debüt, der erneut zum Tanzen anregte und jedem auf dem vollen Reitplatz ein breites Lächeln auf das Gesicht gezaubert haben dürfte.

Beseelt machten wir uns danach auf den Heimweg, der jäh von einem links abbiegenden niederländischen Fahrzeug unterbrochen wurde, das es so eilig hatte, dass es uns die Vorfahrt nahm und sich trotz Kollision aus dem Staub machte. Leider ließ es der Zustand unseres fahrbaren Untersatzes dann auch nicht zu den letzten Tag des Haldern Pop zu besuchen und so tippen wir bereits unseren Bericht, während knapp 6.000 Besucher vermutlich von Bon Iver, Dear Reader, I Like Trains, Grizzly Bear, Mumford & Sons uvm. verzaubert werden und mit Health den Abschluss der diesjährigen 26ten Auflage des Haldern Pop begehen. Wir werden im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein, dann hoffentlich auch an allen drei Tagen.

Fotos: 1 und 5 Pressefreigabe, Rest Ariane WhiteTapes
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