Konzertberichte

Haldern Pop 2008 – a Birthday Party

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Quelle: restorm.com

Eigentlich besteht kein Grund für 7.000 Menschen sich auf einem Acker in der niederrheinischen Ödnis zu versammeln. Vor 25 Jahren haben sich allerdings ein paar Freunde gedacht, warum eigentlich für Konzerte immer so weit nach Köln oder Holland fahren, veranstalten wir doch einfach unser eigenes Festival. Das war die Geburtsstunde des Haldern Pop Festival, das in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum feierte. Und zum Jubiläum wurde ein beeindruckendes Line-Up aufgefahren, mit dem das gemütlichste unter den größeren Festivals dem Hurricane und Rock am Ring dieses Jahr um Meilen überragen konnte. Ein Line-Up, dass dazu führte, dass das Haldern schon vor Bekanntgabe des Headliners Maxïmo Park ausverkauft war.

Aber natürlich war nicht erst zu Maxïmo Park die Stimmung gut. Zum Jubiläum wurde auch schon, erstmals an einem Donnerstag, die Hauptbühne bespielt. Auch das Spiegelzelt hatte von Anfang an ein gut selektiertes Line-Up zu bieten. Für Noah and the Whale sprang der Londoner Songwriter Finn. ein (in Kürze mit neuem Album auf PIAS) und lieferte ein warme Show. Die Schlange vor dem Spiegelzelt wurde mit fortschreitender Zeit immer länger und reichte bei den Fleet Foxes fast bis in die Halderner Innenstadt. Na gut, nicht ganz, aber es schien, als wollten alle 7.000 Besucher die Fleet Foxes, die während ihres Sets mit einigen Soundproblemen zu kämpfen hatten, sehen. Auf der Hauptbühne wären sie wohl besser aufgehoben gewesen.

 

Die wurde dann um 21 Uhr von den Foals eröffnet, nachdem die Hälfte der wartenden Festivalbesucher vor dem ersten Halderner Wolkenbruch unter die Zelte geflohen waren. Pünktlich zu den Foals war der allerdings auch vorbei und der Mond war wieder zu sehen. Die Foals bemühten sich dann auch sichtlich ein Feuerwerk ihrer Hits vom Debüt „Antidotes“ abzufackeln. So ganz wollte das leider nicht zünden. Ein würdiger Opener für die Hauptbühne waren sie dennoch und Wayne Coyne, der in seinem hellen Anzug am Bühnenrand zuschaute war auch sichtlich angetan. Unter großem Applaus machten sich die Foals dann von der Bühne und öffneten für die Regenbogen-Teletubbie-Popper von den Flaming Lips, um Frontmann Wayne Coyne, die dann wörtlich ein Feuerwerk aus Konfetti, Luftschlangen und zuckersüßen Melodien abfackelten.

Der Freitag kam und ging wegen der Bürde eines geregelten Arbeitslebens leider größtenteils an uns vorbei. Ein Highlight am Abend so munkelt man, die Guillemots, lange unterschätzt haben sie sich ganz tief in unser Herz gespielt, dank der Übertragung auf Eins Festival konnte man diesen großen Auftritt doch noch bewundern. Ein weiteres Highlight sollen dann die Editors gewesen sein, die das Publikum wieder aus der Schockstarre holten, in die es während Kate Nash gefallen sein soll.

Für den letzten Festivaltag fuhren die Macher dann richtig auf. Während The Dodos Sänger Meric Long auf der Hauptbühne auf seinem Stuhl auf und ab hopste bildete sich vor dem Spiegelzelt wieder eine lange Schlange. Eröffnet wurde das Zelt an diesem Tag von Gravenhurst, besser gesagt Gravenhurst Sänger Nick Talbot, der mit seinen karg instrumentierten Shoegaze- / Grunge- / Songwriterperlen zum Träumen und Mitwippen einlud. Das Highlight seines Sets der Track „Nicole“, dem er dem Menschen widmete, der ihn zuvor „Steven!!!“ gerufen hatte.

 

Weiter ging es für uns an der Hauptbühne, wo sich Jamie Lidell anschickte der Masse seine Mischung aus Pop, Dance und Soul näher zu bringen. Das Konzept wollte nicht so zünden und so wollte bei ihm keine richtige Stimmung aufkommen.

Ähnliches, aber völlig anderes Problem bei Iron & Wine, der passte zwar vom Musikstil perfekt aufs Haldern, das Set driftete aber nach zwei nur von Sam Beam und seiner Schwester vorgetragenen Stücke, die für eine wohlige Gänsehaut am ganzen Körper sorgte, ins Muckertum ab. Aus irgendeinem Grund hielt Sam Beam es für eine gute Idee mit der Band endlos lange Jams in die Stücke einzubauen, die Songs so völlig zu verwässern und ins Belanglose abdriften zu lassen. Da waren leider außer Langeweile keine großen Emotionen mehr, die wir uns leider von Iron & Wine so erhofft hatten.

 

Der anschließende Auftritt von The National sorgte dann für eine gewisse Wiedergutmachung. Schafften es The National mit ihren Platten, auf denen sie teilweise etwas homogen und fast belanglos klingen, zu überzeugen, wischte ihr Auftritt alle Zweifel an dieser Band weg. So gesehen unsere Entdeckung des Haldern Pop 2008, wenn man das von einer Band, die seit fast 10 Jahren aktiv ist überhaupt sagen darf. The National zeigten mit ihrem Set, warum sie einer der Headliner des Haldern waren und lieferten eine große Rockshow.

 

Nachdem The National gut vorgelegt hatten spielten als letzte Band auf der Hauptbühne Maxïmo Park, die es abermals schafften zu bestehen und trotz Keyboard-Ausfall von Lukas Woller eine Indie-Rock Show par excellence zu spielen. Nicht umsonst sind Maxïmo Park eine der besten Live-Bands der jüngeren britischen Musikszene und trotz ca. 12 mal, die wir sie inzwischen sehen durften kein Stück langweilig. Etwas unglücklich war dann der Abgang von Maxïmo Park, die offensichtlich keine Zugabe spielen durften, auch wenn der Moderator es so wirken ließ, als wollten diese einfach nicht. Das Set war mit knapp 80 Minuten im Übrigen genau so lang, wie „normale“ Maxïmo Park Konzerte mit drei Zugaben. Schade dann noch, dass im Anschluss nur ein Bruchteil der Leute Platz im Spiegelzelt gefunden hat, um Olafur Arnalds zu lauschen. Hier zeigte sich wieder das sehr ambivalente Konzept des Spiegelzelts, eigentlich ist es mit seinem Fassungsvermögen für ein Festival als zweit Bühne ein absoluter Witz, andereseits würden Acts, wie Olafur Arnalds auf einer großen Bühne viel zu früh verpulvert. Schade dann trotzdem, dass sich die Menschen in der langen Schlange vor dem Zelt so laut unterhielten, dass es im Zelt teilweise schwer war der Musik zu lauschen.

Insgesamt schaffte es das Haldern wieder seinem guten Ruf alle Ehre zu machen und lässt auf viele gute Festivalbesuche in den nächsten Jahren hoffen.

Fotos von Ariane WhiteTapes

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