Konzertberichte

Gregor McEwan, Trigon – Haltern, Blue Shell – Köln, 26. & 27. Februar 2011

Irgendwie scheint es ja zur Gewohnheit zu werden, dass ich immer bei zwei Konzerten in Folge bei Herrn McEwan zu Gast bin. Zu Recht, eigentlich. Denn jedes Mal ist es natürlich ein tolles musikalisches Erlebnis und Dank dem Wechsel der Locations und den unterschiedlichen Konstellationen in seiner Ellipses Road Band gleicht kein Konzert dem anderen.

So besuchte ich am letzten Samstag im Februar den werten Herrn McEwan in seiner Heimat. Ich spreche hier natürlich nicht vom schottischen Hochland sondern von dem beschaulichen Städtchen Haltern am See. Ein Heimspiel also. Dementsprechend voll war es natürlich. Halb Haltern war anwesend und Dank des Supports, einer sehr jungen Rock-, Alternative-, Punkband aus dem Ort, war dort auch ein Publikum anzutreffen, das ansonsten wohl eher nicht bei einem Singer-Songwriter-Konzert aufkreuzen würde. Vielleicht hat Gregs Auftritt den musikalischen Horizont einiger 13-jähriger erweitert, was natürlich durchaus wünschenswert wäre und einen Hauch von musikalischer Früherziehung hätte. Dazu kommt ja noch der Faktor, dass er vielleicht für den einen oder anderen eine Vorbildfunktion einnehmen könnte. Es gibt also Hoffnung dem häufig etwas tristen Alltag einer Kleinstadt zu entrinnen.

Ich erlebte die Band das erste Mal in der (fast) kompletten Besetzung, mit Ruby Hartbrich am Cello und Patrick Scheipers ausnahmsweise an einem „richtigen“ Schlagzeug und nicht am Cajon. Es fehlte lediglich die Mandoline bei „The Banks“. Jonas Künne ließ sich entschuldigen, da er am nächsten Tag in aller Frühe mit Black Rust bei Horst Herz‘ „Nomadsland“ für die musikalische Untermalung sorgte. Der Sound von Greg samt Band und eigentlich die ganze Atmosphäre kam mir dank Cello und Schlagzeug noch vollständiger und runder vor als bei den Auftritten, die ich im November genießen durfte. Obwohl Hagen, wie er ja im wirklichen Leben heißt, es natürlich genauso gut schafft im Alleingang das Publikum zu begeistern, so wie es einige Besucher im Teilchen & Beschleuniger in Münster erleben durften. Und wer ihn noch nie mit Band erlebt hat, kann ja eigentlich auch gar nichts vermissen.

Leider passte das Schlagzeug am darauffolgenden Tag nicht auf die kleine Bühne des Blue Shells, weshalb wieder auf den Cajon zurückgegriffen wurde. Dafür war die Band deutlich lockerer als am Samstag. In der Heimat zu spielen, wo einen wahrscheinlich jeder kennt, ist ja doch eine etwas andere und wahrscheinlich angespanntere Angelegenheit. Unter Anderem musste ich in Haltern ja doch ein wenig schmunzeln, als Hagen den Song „The Pigeon Breeders Club“ anstimmte. Dazu rettete er sich, indem er erklärte, dass dieser Titel den Menschen gelten würde, die an dem Abend nicht im Trigon erschienen waren.

Neben den Songs von Gregs Debütalbum „Houses and Homes“ kamen die Besucher beider Konzerte auch noch in den Genuss von zwei neuen und ziemlich vielversprechend klingenden Titeln, die hoffentlich irgendwann auf einem zweiten Album zu finden sein dürften.

Trotz Karnevalszeit und des ungünstigen Sonntagabendtermins war das Kölner Blue Shell gut gefüllt mit Gästen. Genau wie am Vortag hob sich die Band von und mit Hagen Siems am Mikrofon und an der Gitarre deutlich von den supportenden Künstlern ab. Im Blue Shell trat er im Programm „Lied United“ auf, einer Konzertreihe für akustisches Liedgut. Die beiden Künstler, die vor Hagen die Bühne betraten, konnten mich leider überhaupt nicht überzeugen. Dafür wirkte der darauffolgende Auftritt von Gregor McEwan und der Ellipses Road Band natürlich doppelt oder dreimal so gut.

Hagen ist ab April wieder auf Tour durch Deutschland. Jedem, der noch keines seiner Konzerte erlebt hat, sei ein Besuch wärmstens ans Herz gelegt.

Foto: Chiara WhiteTapes mehr hier

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