Konzertberichte

Get Well Soon + Vin Blanc / White Wine, Bahnhof Langendreer, Bochum, 22. Januar 2015

Get Well Soon, Bahnhof Langendreer

Mit den drei Alben „Rest Now Weary Head, You Will Get Well Soon“, „Vexations“ und „The Scarlet Beast O‘ Seven Heads“ haben Get Well Soon in ihrer mittlerweile zehnjährigen Bandgeschichte gezeigt, dass sich deutsche Musiker auch abseits der Hamburger Schule, des 08:15 Indie und des Popzirkus einen Namen machen können.

Mit zwei Alben landete die Formation um Konstantin Gropper in den deutschen Top 20 und Gropper selbst durfte sich durch seine ausgefeilten Arrangements und das songwriterische Geschick mittlerweile auch über zahlreiche Auftragsarbeiten für Fernsehen,Kino und Engagements als Produzent für zum Beispiel Muso und Casper freuen. Da wundert es auch nicht, dass es die Band 2014 auf nur knapp sechs Auftritte brachte.

Zum Bandjubiläum wurden nun aber wieder die Instrumente eingepackt und eine Tour aus acht Shows gebucht. Die stand unter einem ganz besonderen Stern und wurde als „A Special Night with Get Well Soon“ beworben. Im Vorfeld veröffentlichte die Band bereits im November die drei EP’s „The Lufthansa Heist“, „Henry – The Infinite Desire of Heinrich Zeppelin Alfred von Nullmeyer“ und „Greatest Hits“, die auch den Schwerpunkt der acht Konzertabende bilden sollten, die allesamt relativ schnell ausverkauft waren.

Vin Blanc, Bahnhof Langendreer

Wir entschieden uns, Get Well Soon in Bochum einen Besuch abzustatten, wo wir sie zum nunmehr zweiten Mal sehen sollten. Bei ihrem letzten Abstecher waren sie jedoch in der Zeche zu Gast und wurden unter anderem von Port O’Brien unterstützt. Der Support hieß bei diesem Mal, wie auf der gesamten Tour, jedoch Vin Blanc / White Wine.

Die Band besteht aus dem Leipziger Ton- und Bühnenzechniker Fritz Brückner und dem US-Amerikaner Joe Haege, der unter anderem als Mitglied von Tu Fawning, 31 Knots und Live-Bestandteil von Menomena bereits ein wenig Bekanntheit erlangt hat. Gemeinsam produziert das Duo mit vielen Loops und Spielereien einen Sound, den man wohlwollend als „künstlerisch“ bezeichnen könnte. Einen unterschied machte da auch Get Well Soon Drummer Paul Kenny nicht, der das Duo beim letzten Song lautstark am Schlagzeug unterstützte.

Get Well Soon, Bahnhof Langendreer

Nach der knapp 30 Minuten andauernden Nervenprobe durch Vin Blanc / White Wine und eine angenehm kurze Umbaupause, betraten Get Well Soon dann die Bühne und nahmen in ungewohnter Manier Stellung an den Instrumenten. Denn extra für die Tour hatten Verena und Marcus Gitarre gelernt und so begannen Get Well Soon ihr Set mit vier E-Gitarren. Mit diesem Aufbau spielte die Band die fünf Songs der „The Lufthansa Heist“ EP. Durch die vier Gitarren wirkten die von College-Rock inspirierten Songs angenehm druckvoll und Get Well Soon gelang es eine dichte Atmosphäre zu erzeugen. Besonders „The 4:3 Days“ und das Stück „Staying Home“ entpuppten sich als tolle Live-Nummern.

Auf die fünf Songs folgte dann auch direkt eine kleine Umbaupause, die auch von einem Kleiderwechsel begleitet wurde. Konstantin Gropper stand nun im weißen Anzug auf der Bühne (allerdings immer noch barfuß) und seine Schwester Verena hatte sich ein schwarzes Abendkleid angezogen, auf das Konstantin noch einmal gesondert hinwies. Nun folgte die zweite EP „Henry – The Infinite Desire Of Heinrich Zeppelin Alfred von Nullmeyer“ und damit ein großer Bruch von Rock-Songs zu ruhigen, mit vielen Details arrangierten, Pop-Songs. Der Wechsel klappte jedoch problemlos und das Publikum lauschte nach der anfänglichen Rockphase nun andächtig den Songs, nach denen sich Get Well Soon abermals kurz von der Bühne verabschiedeten.

Auf die kurze Pause folgte, wie erwartet, der „Greatest Hits“ Teil. Für diesen hatten Get Well Soon jedoch nicht die Songs der gleichnamigen EP vorbereitet, sondern eine Mischung aus ihren drei bisherigen Alben und ein paar kleine Überraschungen. Mit „I Sold My Hands For Food So Please Feed Me“ begann der letzte Konzertteil direkt bombastisch. Das gegen Ende ausufernd, fast shoegazig rockende Stück, ist nach wie vor eines der besten Stücke der Band und wurde folgerichtig vom Publikum mit dem bis dahin größten Applaus bedacht. Gropper sagte im Anschluss „ah, ich sehe schon, unsere altern Nummern kommen also doch noch an.“ Mit dem George Michael Cover „Careless Whisper“ folgte dann zumindest ein Song von der „Greatest Hits“ EP, zu dem Konstantin Gropper über die Bühne schwankend den exzentrischen Troubadour gab.

Get Well Soon, Bahnhof Langendreer

Neben Bandklassikern haben Get Well Soon für die Tour auch eine Art Karaoke vorbereitet. Leider hatte keiner der freiwilligen Kandidaten, die für Bochum auch angeschrieben wurden, geantwortet, weshalb Konstantin Freiwillige im Publikum suchte. Bereitwillig meldete sich auch eine junge Frau, die ein paar Songs später dann auch die Bühne betrat, um zusammen mit der Band „Roland I Feel You“ zu singen.

Dabei zeigte sich, dass das mit der Karaoke vielleicht nicht so recht durchdacht war. Vor Aufregung vergaß die Gastsängerin erst einmal sich vorzustellen und klärte das Publikum über die Wichtigkeit der Brustkrebsvorsorge auf. Das steht natürlich außer Frage und sollte auch beherzigt werden, jedoch schien der Sängerin nach ihrer Ansage ein wenig der Mut zu schwinden.

So schaffte sie es dann mehr schlecht als recht nur bis ca. zur Mitte des Stücks und verabschiedete sich unter großem Applaus von der Bühne. Nach dem Song bat Konstantin noch einmal um einen Sonderapplaus, den die junge Dame natürlich verdient hat, denn schließlich hat niemand anderes den Mut aufgebracht, sich auf die Bühne zu stellen und mit der Band zu singen. Auf die Karaoke-Einlage folgte dann das großartige „You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)“, nach dem sich Get Well Soon erneutvon der Bühne verabschiedeten.

Nach tosendem Applaus kamen die Musiker schnell wieder auf die Bühne und stimmten eine Coverversion von Pulp’s „Disco 2000“ an, für das sich auch Joe Hage wieder auf der Bühne einfand. Es entstand ein wenig Abschlussball-Atmosphäre, was der guten Stimmung aber keinerlei Abbruch tat. Mit den folgenden Klassikern „Ticktack! Goes My Automatic Heart“ und „If This Hat Is Missing I Have Gone Hunting“ gelang Get Well Soon im Anschluss ein überwältigender Abschluss des knapp zwei Stunden langen Konzertabends, der die Bezeichnung „special night“ auch mehr als verdiente.

Setlist:

Teil 1: The Lufthansa Heist

The Pope Washed My Feet In Prison
A Night At The Rififi-Bar
The 4:3 Days
Sci-fi Gulag
Staying Home

Teil 2: Henry – The Infinite Desire Of Heinrich Zeppelin Alfred von Nullmeyer

Age 14, Jumping Off The Parent’s Mezzanine
Promenading Lago Maggiore, You Wouldn’t Hold My Hand
Mail From Heidegger
You Will Be Taken Care Of

Teil 3: Greatest Hits

I Sold My Hands For Food So Please Feed Me
Careless Whisper (George Michael Cover)
The Last Days Of Rome
A Voice In The Louvre
Angry Young Man
Roland I Feel You (Karaoke)
You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)

Encore

Disco 2000 (Pulp Cover)
Ticktack! Goes My Automatic Heart
If This Hat Is Missing I Have Gone Hunting

Fotos:

auf Startseite: Ariane WhiteTapes
im Beitrag: Michael Gamon, Sparklingphotos

Discussion

Comments are closed.

Archive