Konzertberichte

Get Well Soon + Denis Jones – FZW, Dortmund, 18. Januar 2013

Get Well Soon

Im August veröffentlichte das deutsche Pop-Wunder Konstantin Gropper mit „The Scarlet Beast O’Seven Heads“ das mittlerweile dritte Album seines Projekts Get Well Soon innerhalb von knapp fünf Jahren. Und wie schon bei den Vorgängern „Rest Now Weary Head, You Will Get Well Soon“ und „Vexations“ waren Kritiker und Fans voll des Lobes und feierten die konsequente Weiterentwicklung des Musikers, der sich neben der Arbeit mit seiner Band in den letzten Jahren auch einen Weg mit Arbeiten für Theater, Kino und Fernsehen machte. Mit dem Release des dritten Albums galt der ganze Fokus aber natürlich wieder der Bandarbeit und so war Gropper mit Ausnahme des Dezembers wieder ununterbrochen auf Tour mit Get Well Soon. Nach dem Tourauftakt in Hannover fand sich die Band schließlich am Freitagabend im FZW und damit (Festivals mitgezählt) zum nunmehr sechsten Mal in Dortmund wieder. So etwas wie ein Heimspiel für die Band also. Das wurde bereits früh um 19:30 Uhr durch den Londoner Denis Jones eröffnet, um 22:30 Uhr sollte schließlich die Freitagabend-Party stattfinden. Die Musik des Londoners baute auf jede Menge Effekte, die Jones aus seinem Computer in seine Loop-Station jagte und mit souligem Gesang und entspanntem Gitarrenspiel immer weiter aufbauschte.

Get Well Soon

Ein Urteil über die Qualität der Darbietung konnten wir allerdings nicht fällen. An unserem Standort kam nur ein Soundbrei mit einer Spur von Gesang und Gitarre aus den Boxen, der manchmal wirklich bis zur Schmerzgrenze dröhnte. So waren wir ganz froh, als er nach knapp einer halben Stunde auch schon gute Nacht sagte und nach einer halbstündigen Pause dann Get Well Soon auf der Bühne standen. Die eröffneten ihr Set, wie schon auf den Tourneen im Vorjahr mit „Prologue“ vom aktuellen Album und erschufen in der Folge mit etwas schnelleren Stücken, einer etwas rockigeren Auffassung der Stücke und Stroboskoplicht eine dichte Atmosphäre. Schnell wurde auch klar, dass Get Well Soon nicht nur Wiederholungstäter sind, was Besuche in einer Stadt betrifft, auch ihre Setlists verwenden sie gern häufiger.

Die glich nämlich größtenteils der Setlist aus ihrer Tour im Sommer und Winter und legte ein Hauptaugenmerk auf die Alben 3 und 2. Vielleicht fehlende Abwechslung aber machte die Band durch wirklich große Spielfreude wett. Interessant war auch zu beobachten, dass die Band nach den vielen Jahren auf Tour mittlerweile funktionierte wie ein Uhrwerk. Jeder schien zu wissen, was der andere tat und wenn jemand sich während eines Songs verzettelte, überspielte das der Rest der Band so geschickt, dass im Publikum niemand etwas vom Fehler mitbekam. Ein Fehler war aber dennoch offensichtlich.

Get Well Soon

Konstantin machte nämlich den Fehler die Bewohner der verbotenen Stadt nach diesem „Gotham City Turm mit dem U“ zu fragen, und was er bedeuten würde. Die Reaktion des Publikums war leicht erregt und jemand rief: „das ist ein Steuergrab“. Ein Zuschauer hatte dann aber doch Erbarmen und erklärte, dass es sich um den Turm der ehemaligen Dortmunder Union Brauerei handelt, der mit vielen Steuergeldern erhalten und umgebaut wurde. Man merkte wie unangenehm Konstantin die Sache war und so flüchtete er sich in die nächsten Songs, zwischen denen er sich erst einmal keine Ansagen mehr traute.

Die hätten das Set eigentlich auch nur gestört und so konnte man sich um so besser in den Schwermut von Get Well Soon flüchten, die zwischen poppigen und ruhigen Momenten und bombastischen Rocksongs wechselten. Toll war dabei auch der Einsatz einer Schallplatte, von der das Intro von „Disney“ gespielt wurde. Nach etwas mehr als einer Stunde war die Band auch schon durch mit dem Set, kam aber noch einmal für zwei Zugaben zurück. Mit der letzten Zugabe „I Sold My Hand For Food So Please Feed Me“ spielten Get Well Soon dann auch den einzigen Song vom Debüt und sorgten für einen wunderbaren Ausklang des Konzerts. Auch wenn das Stück ausgerechnet der Song ist, der auch neueren Fans aus der Werbung zu „Eve“ von Jil Sander ein Begriff sein dürfte und ältere Fans sich sicherlich über den ein oder anderen ebenso gut ins Set passende Songs gefreut hätten.

Insgesamt zeigte das Set aber wieder eine Band, die mit ihrer Spielfreude und Live-Qualität wohl zu den besten deutschen Livebands zählt und sich nicht umsonst anschickt „irgendwann die Flippers zu beerben und in Cellophan verpackte Rosen überreicht zu bekommen“, wie es Konstantin so schön formulierte.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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