Konzertberichte

Frightened Rabbit, Gebäude 9, Köln, 30. September 2012

Frightened Rabbit, Gebäude 9, Köln, 30. September 2012

2013 wird wohl ein ganz besonderes Jahr für Frightened Rabbit. Schließlich gründete der Schotte Scott Hutchison das Projekt vor genau 10 Jahren, nämlich 2003 als Soloprojekt und veröffentlichte drei Jahre später das Debüt „Sing The Greys“ gemeinsam mit seinem Bruder Grant. Nur zwei Jahre später drängte sich die Band in der Zwischenzeit auf ein Quartett angewachsen dann mit dem mitreißenden „The Midnight Organ Fight“ so richtig ins Licht der Öffentlichkeit und schuf sich damals eine feste Fanbasis. Auf ein Quintett angewachsen setzten sie Anfang 2010 mit dem großartigen Drittwerk „The Winter Of Mixed Drinks“ noch eins drauf.

Pünktlich zum Jubiläum veröffentlichen Frightened Rabbit deshalb im nächsten Jahr ihr viertes Album. Erstmals übrigens auf einem Major Label. Man kann also davon ausgehen, dass die fünf Schotten von Frightened Rabbit den nächsten großen Schritt machen werden. Zur Vorbereitung auf diesen gibt es auch seit ein paar Wochen die neue EP „State Hospital“, deren Songs die Band gemeinsam mit einigen Songs des neuen Albums im Rahmen einiger kleiner Clubshows in ganz Europa vorstellen wollte. Da es Ende September auch schon zweieinhalb Jahre her war, dass sich Frightened Rabbit das letzte Mal nach Deutschland verirrt hatten, waren wir natürlich gespannt auf das Set der Schotten. Das begann nach dem Warm-Up durch die britischen Animal Kingdom relativ pünktlich um 22 Uhr mit dem Bandklassiker „The Modern Leper“.

Frightened Rabbit, Gebäude 9, Köln, 30. September 2012

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Band noch etwas mit dem Sound zu kämpfen, ihre Spielfreude kam aber direkt durch und nahm das zahlreich erschienene Publikum gleich gefangen. Das folgende „Nothing Like You“ brachte dann bei klarem Sound die gesamte Halle zum Tanzen und ein Lächeln auf die Gesichter aller. Hier wurde auch klar, Frightened Rabbit waren gekommen um Spaß zu haben und eine unterhaltsame Rockshow zu bieten. Und da auch Frontmann Scott in Tanzlaune war, folgten mit „Old Fashioned“ und „The Twist“ dann auch gleich die Lieblingssongs des Sängers, bei denen er das Publikum dann auch direkt zum Tanz einlud. Erst an fünfter Stelle sollte mit „State Hospital“ dann auch ein neues Stück der EP folgen. Ein Song, der klar macht, dass sich die Schotten trotz ihres Deals bei einem Major nicht haben verbiegen lassen, sondern ihrem Sound treu bleiben. „State Hospital“ ist eines dieser atmosphärischen Stücke der Band, die sich immer weiter steigern und mit einer unnachamlichen Dringlichkeit vorgetragen werden.

Neben dem etwas später folgenden „Boxing Night“ sollte es das allerdings auch mit den angekündigten neueren Stücken gewesen sein für diesen Abend. Stattdessen spielte die Band eine Art Best Of aus zehn Jahren Bandgeschichte und ließ dabei auch Songs wie „Music, Now“ und das großartige „Square 9“ vom Debüt nicht außen vor. Besonderes Highlight war wohl auch das herzzereißende „Fast Blood“, das die Band eine ganze Weile nicht gespielt hatte, wohl weil der Song für den Frontmann besonders aufwühlend war. Davon war aber keine Spur mehr. Kaum eine Spur war auch von der Folkband von 2010 geblieben. Frightened Rabbit zeigten sich vielmehr als Rockband vom Schlag The National und so von einer erfrischend neuen Seite. Den Stücken stand das gut zu Gesicht und auch der Band schien diese etwas andere Herangehensweise Spaß zu machen.

So viel, dass sich die Schotten in der ersten Zugabe zu fünf Stücken hinreißen ließ. Zwei davon mit Scott solo an der Gitarre, unter anderem mit dem famosen „Scottish Winds“. Mit „The Loneliness And The Scream“ setzten Frightened Rabbit noch einmal einen herrlich lauten Glanzpunkt am Ende des Sets, bevor sie zur letzten Zugabe „Keep Yourself Warm“ ein letztes Mal die Bühne betraten und den letzten von vielen Gänsehautmomenten des Abends erlebten, als die ganze Halle schrie „It takes more than fucking someone to keep yourself warm“. Ein wunderbarer Abschluss für einen tollen Abend und eine tolle Einstimmung auf das neue Album, auch wenn es neben zwei Songs der EP kein neues Material gab.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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