Konzertberichte

Frightened Rabbit + Academies, Luxor, Köln, 10. April 2010

Seit Frightened Rabbit Ende 2008 ihre Deutschland-Tour absagen mussten, um sich um ihre Visas für die Amerika-Tour zu kümmern, warten wir darauf, dass die eingeschüchterten Kaninchen endlich einmal wieder einen Abstecher nach Deutschland machen. Dementsprechend war die Vorfreude natürlich groß, als sie nun vor relativ genau zwei Monaten die Termine ihrer Deutschland-Tour bekannt gegeben haben. Die sollte zwar nur drei Termine umfassen, einer davon aber in Köln, alles gut also. Dass das in der Zwischenzeit veröffentlichte „The Winter Of Mixed Drinks“ alle Erwartungen erfüllte, ließ die Vorfreude noch weiter wachsen. So traten wir freudig erregt und in Erwartung einer tollen Show den Weg ins Kölner Luxor an.

Weil in der Domstadt am Rhein das Partyleben am Samstag bereits sehr früh beginnt, wurde auch das Konzert auf eine entsprechend frühe Zeit geschoben. Bereits um 18:30 Uhr öffneten die Tore des Ehrenfelder Clubs und nur eine Stunde später stand der lokale Support Academies auf der Bühne. Mit im Gepäck hatten sie eine halbe Stunde unaufgeregten Indie-Rock. Viel blieb zwar nicht hängen, aber für ein wenig Unterhaltung am frühen Samstag-Abend passte das schon.

Die Spannung sollte während der anschließenden Umbau-Pause dann wieder wachsen. Den Umbau übernahmen Frightened Rabbit dann inklusive Instrumenten stimmen, Setlisten auslegen und Getränke bereit stellen komplett selbst. Das ist bei Bands dieser Größe nicht selbstverständlich, selbst bei Newcomern wie den Eight Legs übernimmt das der Tour-Manager. So sah man die gesamte Frightened Rabbit Mannschaft konzentriert bei der Arbeit, bevor sie zum offiziellen Teil kommen sollten. Der wurde nach kurzem Umbau dann mit „Skip The Youth“ vom neuen Album „The Winter Of Mixed Drinks“ eröffnet. Einen besseren Opener kann es eigentlich nicht geben. Langsam bauten die schottischen Kaninchen die Gitarrenwand auf, Grant stimmte mit seinen Drums mit ein und nach knapp zwei Minuten setzte Scott dann mit dem Gesang ein. Schon zu diesem Zeitpunkt dürften alle Anwesenden im gut gefüllten Luxor von der dichten Atmosphäre, die Frightened Rabbit hier erzeugten, gefangen gewesen sein.

Die aufgebaute Spannung sollte auch während des gesamte Sets der Schotten nicht abreißen, die Band zeigte sich von ihrer spielfreudigen Seite und sorgte so für ein dichtes und unterhaltsames Set. Gerade bei Stücken vom zweiten Album „The Midnight Organ Fight“, wie „The Modern Leper“ und „My Backwards Walk“ zeigte Scott am Gesang, dass die Band auch live die Stücke ähnlich aufwühlend und mitreißend umsetzen kann. Dabei werden die folkigen Momente durch einen etwas rockigeren Vortrag ersetzt, macht aber natürlich bei teilweise drei Gitarren im Einsatz durchaus Sinn. Und ändert auch nichts daran, dass Scott durch seinen markerschütternden und teils verzweifelten Gesang für mehr als eine Gänsehaut sorgt. Der Fokus lag an diesem Abend natürlich vor allem auf Album Nummer 3, aber gerade das schien auch genau die richtige Entscheidung, denn live entfalteten die neuen Stücke noch einmal einiges an Potential und konnten sich als neue Lieblinge beweisen. Besonders Songs, wie „The Wrestle“ und „The Loneliness and The Scream“ wuchsen so noch einmal ein ganzes Stück.

Nach knapp 75 Minuten waren Frightened Rabbit dann mit dem famosen „Good Arms vs. Bad Arms“ dann leider schon durch und verabschiedeten sich unter tosendem Applaus von der Bühne. Durch Nico’s Bericht aus Berlin waren wir aber bereits darauf vorbereitet, dass die Band noch einmal für vier Zugaben zurück kehren könnte und das taten sie natürlich aus. Wie bereits in Berlin zunächst Sänger Soctt mit seiner Akustik-Gitarre. „Poke“ trug er dann ganz allein vor und sorgte als er die Gitarre vom Verstärker zog und an den Rand der Bühne trat, um den Song von dort weiter zu singen, für den wohl größten und schönsten Gänsehautmoment, nicht nur des Konzerts, sondern seit langer Zeit. Eigentlich hätten sie hier Schluss machen können und es wäre ein perfekter Abend gewesen. Drei Songs sollten aber noch folgen. Mit „Living In Colour“ war der erste davon famos gewählt, der schnelle, laute Song stand im extremen Kontrast zu „Poke“, aber genau das ist ja auch die Musik von Frightened Rabbit, ein Wechselbad der Gefühle, bei der der Protagonist zwar häufig Boden ist, aber eben immer, um sich dann wieder zu erheben. Mit „Square 9“ folgte dann noch der einzige Song vom ersten Album „Sing The Greys“, der am Ende direkt in das noch einmal wunderschöne und für die letzte, gewaltige Gänsehaut sorgende „Keep Yourself Warm“ überging. Ein Tipp, der natürlich nicht nötig war, denn wem diese fünf Schotten an diesem Abend zu diesem Zeitpunkt noch nicht das Herz erwärmt hatten, dem war auch nicht mehr zu helfen. Leider mussten Frightened Rabbit im Anschluss direkt Platz für die anschließende Erstsemester-Party machen und hinterließen nach 90 Minuten dichtem Vortrag ein freudestrahlendes, glückliches Publikum. Zum Glück lassen Frightened Rabbit mit ihrem nächsten Abstecher jetzt nicht so lange auf sich warten, denn bereits im August spielen sie auf dem Haldern Pop wohl eines der schönsten Sets des Festivals.

Setlist (nach Gedächtnis und ohne verlässliche Bestätigung)

Skip the Youth
The Modern Leper
The Loneliness and the Scream
The Wrestle
Old Old Fashioned
The Twist
Swim Until You Can’t See Land
Foot Shooter
My Backwards Walk
Nothing Like You
Head Rolls Off
Good Arms vs. Bad Arms

Poke
Living in Colour
Square 9
Keep Yourself Warm

Fotos: Ariane WhiteTapes

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