Konzertberichte

French Films – Kleine Freiheit, Osnabrück, 28. Januar 2012

Im letzten Jahr begeisterten uns hier mehr Finnen als je zuvor in einem Jahr. Gleich zwei Alben aus dem Land am Polarkreis haben uns in Verzückung versetzt. Neben dem großartigen Debüt von Delay Trees veröffentlichten auch ihre Landsmänner French Films Ende des Jahres ihr Debüt. „Imaginary Future“ bot sommerlichen Sound aber erschien ausgerechnet im November. Nun ja, dem Erfolg hat’s keinen Abbruch getan und der Name French Films machte schnell die Runde.

Da schon das Album im Winter erschien, machten sich die Jungs nun auch im Winter auf große Tour durch Deutschland. Vielleicht auch um den harten Wetterverhältnissen in Finnland zu entgehen und sich in mildere Gefilde zu begeben. Dabei bewiesen French Films jetzt offensichtlich Timing, denn Mitteleuropa weiß derzeit mit ähnlichen Minusgraden zu überzeugen, wie Skandinavien. Dadurch konnte sich das Quintett aber natürlich umso heimischer fühlen.

French Films - Osnabrück

Auch wenn es für sie sicherlich schon ein kleiner Kulturschock war, nach ihrem Konzert in Paris am vergangenen Samstag ausgerechnet im niedersächsischen Osnabrück zu landen. Wer Osnabrück kennt, weiß, dass die Stadt kein wirklich ähnliches Flair zu bieten weiß, wie die französische Hauptstadt. Das liegt zum Einen an der schönen Lage der Kleinen Freiheit direkt hinter dem Hauptbahnhof und wohl auch an der Kleinen Freiheit. Wer schon einmal das Vergnügen hatte diesen kleinen Club zu besuchen weiß, dass der beste Teil leider schon nach dem wirklich clever gemachten Einlass vorbei ist. Der verläuft nämlich durch einen Bus. Danach geht man aber ein paar Stufen hoch und landet in einem hell gefliesten Raum, der mehr nach evangelischem Gemeindezentrum, als nach Konzertschuppen aussieht.

French Films - Osnabrück

Das sorgt nicht unbedingt dafür, dass man an einem Samstagabend so richtig in Stimmung kommt. Der Stimmung entgegen wirkte dann auch, dass French Films sich entschieden nach dem offiziellen Beginn noch eine ganze Weile verstreichen zu lassen, bis sie loslegten – ganze 45 Minuten nämlich. Wohl weil sie darauf spekulierten, dass noch einige Nachzügler kommen, die den Support nicht sehen wollten. Da es aber keinen Support gab, war diese Wartezeit aber natürlich sehr lang für diejenigen, die sich zu Einlass eingefunden hatten und so fast 2 Stunden auf die ersten Klänge der Band warten mussten. Als French Films dann endlich die Bühne betraten, war die Kleine Freiheit wohlwollend gesehen vielleicht zur Hälfte gefüllt. Viele Fans des Genres zog es wohl sicherlich zu We Were Promised Jetpacks ins schöne Münster oder bei den Temperaturen auch auf das heimische Sofa.

Auf den Sofas im Raum blieb aber niemand sitzen, die Fans hießen French Films vom ersten Moment an mit großer Begeisterung Willkommen. Und auch French Films wollten den Abend nutzen und den sibirischen Temperaturen draußen „sommerliche Klänge“ entgegensetzen. Ihr typischer 80ies inspirierter Indie-Sound, der klare Referenzen an The Cure und Joy Division aufweist, erwies sich dabei bestens geeignet für kurzweiliges Powackeln. French Films - OsnabrückZu viel Abwechslung sollte man dabei allerdings nicht erwarten, denn schon beim vierten Stück war einem so, als hätte man den Song vor ein paar Minuten schon einmal gehört. Zu genau hinhören sollte man aber auch nicht, denn neben wirklich gekonnter Instrumentenbeherrschung überzeugten die Finnen nicht unbedingt als begnadete Sänger.

Da war es ganz gut, dass der Gesang manchmal ein wenig leiser abgemischt durch die Boxen kam und man sich von schneidenden Gitarren in Tanz-Stimmung versetzen lassen konnte. Deshalb lässt sich French Films attestieren, dass sie eine recht unterhaltsame Show boten. Zu viele der zuvor beschriebenen Déjà Vu Erlebnisse gab es dabei auch nicht. Das lag allerdings nicht an den abwechslungsreichen Kompositionen, sondern daran, dass sie schon nach knapp 60 Minuten durch waren mit ihrem Konzert.

In der Summe sorgt das mit der allgegenwärtigen Dorfdisko-Atmosphäre im Club und dem wirklich späten Beginn dann doch eher für ein zwiespältiges Fazit.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier

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